Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor allem in Norddeutschland gibt es zahlreiche Bauten aus Ziegeln. Im Norden fehlte der Naturstein, und dort wie auch andernorts schätzte man die Ästhetik der Backsteinarchitektur. Ändert sich die Nutzung solcher Gebäude, so geht dies heute in der Regel mit einer energetischen Aufrüstung der Gebäudehülle einher. Die Häuser von außen zu dämmen verbietet sich bei so manchem Backsteinbau aus Gründen des Denkmalschutzes. Bisweilen ist es auch schlicht und einfach der Wunsch der Bauherren, die alten Ziegelsteine sichtbar zu belassen und an der Fassade so wenig wie möglich zu verändern. In Werther war dies der Fall. Dort wurde ein Bauernhof zu zwei Wohnungen umgebaut. Den Wirtschaftsteil des Hofes hatte man seinerzeit aus Ziegelsteinen unverputzt errichtet und dies sollte nach Wunsch der Bauherren auch so bleiben. Da sich die Kuh- und Schweineställe in der Tenne entlang der Außenmauern aneinandergereiht hatten und mit Überresten der Hinterlassenschaften dieser Tiere im Mauerwerk zu rechnen war, riet der Architekt von einer Dämmung mit anschließendem Verputz direkt auf dem alten Ziegelmauerwerk ab. Wie ab Seite 8 in dieser Ausgabe der bauhandwerk beschrieben, setzten die Maurer stattdessen eine neue Innenschale aus Hochlochziegeln hinter die alten Backsteinwände und stopften in den so entstandenen Zwischenraum Mineralwolle hinein. Die neue Ziegelschale wurde von innen mit Lehm verputzt, der nicht zu fürchten braucht, dass Nitrat- und Sulfatsalze aus den belasteten alten Backsteinmauern in ihn hineinwandern.

Anders gingen die Handwerker vor bei der Umnutzung der ehemaligen Leipziger Zollhäuser zu Wohnraum. Da die Bauten unter Denkmalschutz stehen, kam auch hier nur eine Dämmung von innen in Frage. Wie ab Seite 14 zu sehen, strebte man ebenfalls eine massive Lösung an und klebte innen Mineraldämmplatten an die Ziegelaußenmauern.

Auch beim Umbau des Alten Bahnhofs in Warendorf zu einem modernen Geschäftshaus musste die denkmalgeschützte Ziegelfassade von innen gedämmt werden. Wie ab Seite 26 in diesem Heft zu sehen, verklebten die Mitarbeiter des Malerbetriebs auf der Innenseite der Backsteinaußenmauern die Innendämmung iQ-Therm. Dabei handelt es sich um eine perforierte Polyurethan-Hartschaumplatte mit gutem Dämmwert (WLG 031), deren Löcher mit einem mineralischen Leichtmörtel gefüllt sind der kapillaraktiv und diffusionsoffen ist. Die Nutzer attestieren den Räumen ein hervorragendes Klima.

Es gibt viele Wege zur energetischen Aufrüstung von Backsteingebäuden. Hauptsache, man sieht nach Abschluss der Dämmarbeiten auch noch, dass es sich um solche Bauten handelt.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

Es gibt viele Wege zur energetischen Aufrüstung von Backsteingebäuden

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