Liebe Leserinnen, liebe Leser,

werden Häuser heute neu im Stil wie vor 100 Jahren erbaut, so ist hierfür ein hohes Maß an Arbeit erforderlich, die nur von Hand ausgeführt werden kann. Deutlich zeigt sich die Rückkehr des Ornaments an Neubauten des Berliner Architekturbüros von Petra und Paul Kahlfeldt. Die Villen, die diese für ihre Bauherren entwerfen, sind außen wie innen deutlich vom Stil des Historismus geprägt. Auch der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler greift auf historische Bauformen zurück.

In Hamburg entstand im vergangener Jahr nach Plänen des Architekturbüros Simonsen mit dem „Haus Winter“ ein Passivhaus, das vom gründerzeitlichen Geschosswohnungsbau der Nachbarbebauung nicht zu unterscheiden ist. Wie ab Seite 14 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zu sehen, schmückten die Handwerker die Fassade mit vorgefertigten Bossen, Gurten und Gesimsen und arbeiteten unter die Balkone stuckierte Konsolen an.

Andererseits haben Baumeister und Architekten schon immer auf Elemente und Formen vergangener Epochen zurückgegriffen. So finden sich an Neubauten des Kölner Büros Kister Scheithauer Gross Architekten + Stadtplaner Elemente und Formen, die den Historismus interpretieren beziehungsweise in unsere Zeit transformieren. Wie ab Seite 20 zu sehen, verwendeten sie für die Neubauten der Stadtvillen im Düsseldorfer Belsenpark an den Fenstern, Balkonen und der Attika Decoprofile, die an gründerzeitliche Wohnbauten erinnern. Gleiches gilt für den Wohnungsneubau auf dem Stuttgarter Gerber. Wie ab Seite 39 gezeigt, waren auch hier die Form der Fensterbögen und Putzfelder eines historischen Stuttgarter Stadthauses Vorbild für die Fassadegestaltung.

Anders ist die Verwendung von Zierelementen bei einer reinen Rekonstruktion gelagert. Bedeutende Beispiel wie die Dresdner Frauenkirche oder das Berliner Stadtschloss, auf dessen Stahlbetonrohbauwänden man just mit der Montage des in Sandstein gehauenen barocken Fassadenschmucks begonnen hat, lassen an vielen Orten den Wunsch entstehen, das Verlorengegangene wiederzuerlagen. So auch in Heiligendamm, wo die Entwicklungs-Companie Heiligendamm (kurz ECH) die „Perlenschnur“ weißer Villen am Ostseestrand wieder erstehen lässt. Wie ab Seite 22 zu sehen, ist die größte davon, die Villa Großherzogin Maria Perle, schon fertig – aus zeitgemäßem Baustoff entstanden, aber mit handwerklich kunstvoll gearbeitetem Stuck des Berliner Architekten und Stuckateurmeisters Sebastian Rost verziert.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

Ornament ist schon lange kein Verbrechen mehr

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