Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Sanierung und der Umbau eines alten oder gar historischen Gebäudes macht nur Sinn, wenn es für dieses auch eine Nutzung gibt. Die reine Konservierung als Dokument der Zeit- oder Baugeschichte bleibt nur wenigen Bauten vorbehalten. Auch beim jährlich in zwei Bundesländern verliehenen „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ werden private Denkmaleigentümer ausgezeichnet, die bei der Bewahrung zur Weiternutzung ihres Denkmals in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Handwerk Herausragendes geleistet haben. Wie ab Seite 6 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zu sehen, geht es also auch hier um die Erhaltung speziell sogar denkmalgeschützter Bauten unter Beibehaltung oder Änderung der Nutzung – auf jeden Fall aber darum, dass die Gebäude über ihren Zeugniswert hinaus eine Funktion behalten. Dass neben bauhistorischen und konstruktiven Kostbarkeiten wie einem historischen Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert in Qued­linburg oder dem regionaltypischen Waldlerhaus aus dem 18. Jahrhundert in Lalling auch architektonische Kleinode wie das in den 1930er Jahren in Dorfen erbaute Martin-Bauer-Haus darunter sind, das zum Frühwerk des Architekten Sep Ruf zählt, ist da fast schon nebensächlich, gleichwohl aber ein wichtiges Dokument der Moderne.

Ein Architekturbüro, das bei der Erhaltung und Weiternutzung historischer Bauten vor allem im Norden Deutschlands, wo es auch ansässig ist (Kappeln, Hamburg und Berlin), einiges geleistet hat, ist das Büro Sunder-Plassmann Architekten. Literaturinteressierten ist es durch das vor vier Jahren in Istanbul eröffnete „Museum der Unschuld“ des Lite­ratur­nobel­preisträgers Orhan Pamuk bekannt. Das Mu­seum ist weltweit das erste seiner Art, das als Umsetzung eines Romans in den Raum gilt. Auch bei diesem 2014 zum „Euro­päischen Museum des Jahres“ gewählten Gebäude handelt es sich um die Sanierung eines Hauses aus dem 19. Jahrhundert mit Umbau zum Museum, an dem die Architekten ihr planerisches Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Bestand beweisen konnten. Solches gilt auch für die Sanierung eines Lübecker Patrizierhauses. Wie die Architekten und Handwerker das zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert entstandene Gebäude für eine zeitgemäße Wohnnutzung fit machten, zeigen wir ab Seite 20.

Und dass es nicht immer die großen und alten Gebäude seien müssen, an denen man zeigen kann, welches Potential in so manchem Altbau steckt, beweist der Umbau der Doppelhaushälfte eines Grubenar­bei­ter­hauses in Kottenheim in der Eifel zur Ferien­woh­nung ab Seite 30 in diesem Heft.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

Keine Zukunft ohne Nutzung

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