Niveauausgleich für Fußböden

Vor allem bei Sanierungen treffen Handwerker immer wieder auf Unterkonstruktionen, die eine bedenkenlose Verlegung des Bodenbelags nicht ohne Weiteres erlauben. Im Rahmen einer vierteiligen Fuß­bodenserie beginnen wir mit dem Niveauausgleich.

Für einen mängelfreien Fußboden ist der Unterbau wichtig. In einer vierteiligen Fußbodenserie erklären wir, was bei der Modernisierung von Fußböden entscheiden ist und fangen mit dem Niveauausgleich an. Danach stellen wir Trockenestrichvarianten vor, erklären deren richtige Verarbeitung bei Fußbodenheizungen und beschreiben, wie die Verlegung von groß­formatigen Fliesen auf Trockenestrich sicher gelingt.

Unebene Fußböden im Bestand

Bei der Verarbeitung von Trockenestrich steht der Handwerker häufig vor großen Herausforderungen, deren Lösung gar nicht so einfach ist: Denn oft sind die Böden in Altbauten im Laufe der Jahre uneben geworden, hängen durch, oder weisen ein Gefälle auf. Voraussetzung für die Verlegung von Trockenestrichelementen ist aber ein vollflächig ebener Untergrund als Basis für einen stabilen Boden. Handwerker sollten daher vor der Verlegung von Trockenestrichen den konstruktiven Zustand der Bestandsböden genau prüfen, Schäden wenn nötig ausbessern und einen planebenen Untergrund herstellen. Die Industrie hat hier unterschiedliche Produkte entwickelt, mit denen die Anforderungen weitgehend abgedeckt werden können. So bietet Fermacell drei verschiedene Systeme für den Niveauausgleich an, deren Einsatz sich unter anderem nach der Nivellier- beziehungsweise Schütthöhe de­finiert. Insgesamt können so Niveauunterschiede von bis zu 2000 mm überbrückt werden. Die einzelnen Systeme lassen sich je nach Anforderung auch kombinieren. Gleichzeitig können damit die Werte im Brandschutz verbessert werden.

Selbstverlaufende Nivelliermasse

Geringe Unebenheiten von bis zu 20 mm Höhe kann der Handwerker bequem mit Nivelliermassen ausgleichen. Bewährt haben sich selbstverlaufende Produkte wie die kunststoffvergütete Bodennivelliermasse von Fermacell, die zudem bereits ab 1 mm Schichtdicke stuhlrollenfest nach DIN EN 12529 ist. Sie eignet sich als Flächenspachtelung für tragfähige, trockene und staubfreie Untergründe aus Gipsfaser-Estrichelementen, Beton, Anhydrit oder Spanplatten im Innenbereich und – sofern es ausschließlich um die Aufnahme von Estrichelementen geht – auch auf Rauspund beziehungsweise Holzdielen. Übrigens: Der Einsatz­bereich ist nicht nur auf den Niveauausgleich der Rohdecke, also unter den Trockenestrichelementen beschränkt, sondern kann auch oberhalb verarbeitet werden. Ein ganzflächiger Auftrag der Nivelliermasse verhindert, dass sich bei der Verlegung von dünnen elastischen Bodenbelägen auf  Trockenestrichelementen die Stoßkanten, Verbindungsmittel oder gering­fügige Unregelmäßigkeiten abzeichnen.

Einfache Verarbeitung der Nivelliermassen

Die Verarbeitung ist vergleichsweise einfach: Zunächst muss ein sauberer, tragfähiger, dauerhaft trockener Untergrund hergestellt und Löcher, Ritzen oder Köpfe von Verbindungsmitteln abgespachtelt werden. Um die notwendige Haftung zu gewährleisten, wird der Untergrund anschließend mit einer filmbildenden Grundierung, zum Beispiel mit Fermacell Tiefengrund, vorbehandelt. Im nächsten Schritt wird die als Sackware gelieferte Masse – der 25-kg-Sack reicht für 15 m² bei 1 mm Auftragdicke aus – mit Wasser angerührt und in der gewünschten Schichtdicke aufgetragen. Die Verarbeitung muss innerhalb von 30 Minuten erfolgen. Bei Schichtdicken bis 3 mm ist die Fläche bereits nach 3 Stunden begehbar und nach 12 Stunden belegreif. Bei zweischichtigem Auftrag muss die untere Schicht vollständig durchgetrocknet sein und Fermacell Tiefengrund als Zwischengrundierung aufgebracht werden.

Ausgleichsschüttungen bei größeren Unebenheiten

Größere Unebenheiten von 10 mm bis zu 100 m werden am besten durch den vollflächigen Auftrag mit so genannten Ausgleichsschüttungen egalisiert. Dies sind trockene, lose und kleinkörnige Granulate. Fermacell setzt hier etwa ein speziell getrocknetes, mineralisches Porenbetongranulat ohne zusätzliches Bindemittel ein, das auf allen unebenen Fußböden – unabhängig davon, ob es sich um Holz- oder Massivböden handelt – verarbeitet werden kann. Durch das geringe Gewicht ist die Schüttung besonders geeignet für den Einsatz auf Holzbalkendecken. Eine raue Kernoberfläche bewirkt, dass sich das Material ineinander verkrallt. Die große Kornfestigkeit sorgt zudem für eine druckstabile und belastbare Fläche. Die Schüttung kann in Wohnbereichen (Anwendungsbereich 1) mit Höhen von bis zu 100 mm eingebracht werden, im Anwendungsbereich 2 (Flure, Bürogebäude, Arztpraxen oder Flächen in Verkaufsräumen) ist die Schütthöhe auf 60 mm begrenzet.

Was bei der Verarbeitung beachtet werden muss

Bei der Verarbeitung muss der Handwerker einige Dinge beachten: So sollte auf Holzbalkendecken zunächst ein diffusionsoffener Rieselschutz ausgelegt werden. Das verhindert, dass die Schüttung durch Ritzen und Astlöcher rieselt. In den Ecken und im Randbereich muss der Rieselschutz scharf geknickt und über die Kante des späteren Estrichs hochgezogen werden. Soll eine PE-Folie als Rieselschutz eingesetzt werden, sind muss man bauphysikalischen Gegebenheiten beachten.

Vor dem Einbringen der Schüttung muss die Fertighöhe des Trockenestrichs ermittelt und mit einem Nivelliergerät oder einer Schlauchwaage auf die umliegenden Wände übertragen werden. Hilfreich ist dabei die Verwendung des Meterrisses – umlaufende Markierung exakt 1 m über der Fertighöhe. Anschließend erfolgt das Anbringen von Randdämmstreifen zur Vermeidung von Schallbrücken. Danach werden zwei parallele, etwa 20 cm breite Dämme aufgeschüttet und eine Niveauschiene darauf ausgerichtet. Im nächsten Schritt kann die Schüttung zwischen den beiden Dämmen eingebracht und auf das genaue Maß abgezogen werden. Hierfür bietet Fermacell dem Handwerker ein spezielles Abziehlehren-Set, dass das exakte Nivellieren von Schüttungen deutlich einfacher macht. Ein weiteres Verdichten der Schüttung ist nicht nötig.

Sobald die Schüttung eingebracht ist, kann der Handwerker mit der Verlegung der Estrichelemente beginnen. Diese erfolgt immer zur Tür hin. Dabei muss der Handwerker beachten, dass die Schüttung eigentlich nicht mehr begangen werden sollte. Da sich dies im Rahmen der Verlegung der Estrichelemente jedoch nicht immer vermeiden lässt, wird empfohlen, Laufinseln durch das Auslegen von einzelnen Trocken­estrichelementen oder anderen Plattenresten vorzusehen.

Gebundene Schüttungen für große Unebenheiten

Wenn konventionelle Ausgleichsschüttungen an ihre Grenzen stoßen, helfen gebundene Schüttungen weiter. Mit der gebundenen Schüttung von fermacell können zum Beispiel Höhenunterschiede von bis zu 2000 mm nivelliert werden. Durch ihre hohe Festigkeit, Wasserunempfindlichkeit und das geringe Gewicht ist sie außerdem geeignet für den Einsatz in öffentlichen Gebäuden, Schulen oder Nassbereichen (Anwendungsbereich 1-4). Dabei ist es gleichgültig, ob sie auf Holzbalkendecken, Gewölbedecken und Stahltrapezdecken verarbeitet wird. Da das Anmachwasser vollständig durch den Abbindeprozess verbraucht wird, ist eine Feuchteeinwirkung auf den Untergrund und angrenzende Bauteile ausgeschlossen. Sofern auf der Bodenoberfläche Versorgungsleitungen und –kanäle oder Querträger verlaufen, kann damit das Bodenniveau einfach auf die benötigte Höhe angehoben werden. Dabei werden die Installationen gleichzeitig fest justiert. Eine schnelle Begehbarkeit (nach nur 6 Stunden) und Belegreife (nach 24 Stunden) der gebundenen Schüttung vereinfacht die nachfolgenden Arbeiten erheblich und sorgt für einen schnellen Baufortschritt.

Recycelte Schaumkunststoffkörner

Das Material besteht aus recyceltem Schaumkunststoff mit einer Korngröße von 2 bis 8 mm und einem zementären Bindemittel, ist nicht brennbar und entspricht der Baustoffklasse A2 (nach DIN 4102). Dabei sorgt der Schaumkunststoff für das geringe Gewicht und die gute Wärmedämmung, das zementäre Bindemittel bewirkt die hohe Stabilität und schließt eine Setzung der Schüttung aus. Mit einer Trockenrohdichte von 350 kg/m³ ist die gebundene Schüttung von Fermacell sogar etwas leichter als die Ausgleichsschüttung (400 kg/m³). Hinzu kommt die hohe Belastbarkeit: Bei entsprechendem Estrichaufbau können Nutzlasten zwischen 1,5 kN/m² und 5 kN/m² aufgebracht werden.

Die Verarbeitung ist einfach und unterscheidet sich nicht wesentlich von der Verarbeitung herkömmlicher Trockenschüttungen. Zunächst muss der Untergrund vorbereitetet und grundiert werden, um die nötige Haftung zu gewährleisten. Die Verlegung auf losen Schichten beziehungsweise Trennlagen wie Rieselschutz, PE-Folie oder Ausgleichsschüttung ist nicht zulässig. Sofern ein Randdämmstreifen angebracht wird, muss dieser den Estrichaufbau inklusive Bodenbelag vollständig von den umlaufenden Wänden entkoppeln.

Anmischung und Verarbeitung

Das Granulat wird gründlich mit Wasser durchgemischt, bis eine homogene Masse entstanden ist. Pro Sack (80 Liter) werden dafür etwa 8 bis 10 Liter Wasser benötigt. Anschließend werden – ähnlich wie bei der Ausgleichsschüttung – zwei etwa 20 cm breite Dämme in der vorgesehenen Höhe angelegt und nach kurzer Antrocknungszeit die gebundene Schüttung zwischen die Dämme eingebracht und abgezogen. Aber Achtung: Dabei muss man eine Mindestschütthöhe von 30 mm einhalten. Auch der anschließende Fußbodenaufbau erfolgt wie bei herkömmlichen Schüttungen. Wegen ihrer Wasserfestigkeit ist die gebundene Schüttung von fermacell für den Einsatz unter den wasserfesten Bodenelementen Powerpanel TE besonders geeignet, kann jedoch auch unter herkömmlichen Fermacell Trockenestrichelementen eingesetzt werden. Durch die Verwendung eines Trockenestrichs mit rückseitiger Kaschierung zur Wärme- beziehungsweise Trittschalldämmung können die Trittschall- und Dämmeigenschaften von Decken zusätzlich verbessert werden.

Autorin

Rita Jacobs M.A. führt ein PR-Büro mit Schwerpunkt Bau und Architektur in Düsseldorf. Sie unterstützt die Firma Ferma­cell bei der Pressearbeit und arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Der Niveauausgleich gelingt je nach Höhenunterschied mit Nivelliermasse, Ausgleichsschüttung oder gebundener Schüttung

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2017-12

Trockenestrich Elemente für großformatige Fliesen

So sehr sich Estrichelemente aus Gipsfaserplatten beziehungsweise aus zementgebundenen Leicht­betonbauplatten für viele Ausbaubereiche inzwischen als Standard durchgesetzt haben – mit dem aktuellen...

mehr
Ausgabe 2017-03

Estrichelemente mit Mineralwolle

Die „Rigidur Estrichelemente“ bestehen aus zwei verbundenen Lagen Gipsfaserplatten in 10?mm oder 12,5?mm Dicke. Mit dem umlaufenden Stufenfalz werden die Elemente miteinander verbunden. Es gibt die...

mehr
Ausgabe 2017-10

Fußbodenheizung unter Trockenestrich

Die Verbreitung von Fußbodenheizungen hat in den vergangenen Jahren immer mehr zu­ge­nommen. Inzwischen werden viele neu gebaute Ein- und Zwei­familienhäuser und mehr­geschossige Wohnhäuser mit...

mehr
Ausgabe 2011-7-8

Hoch belastbare Estrichelemente

Die Rigidur Estrichelemente bestehen aus zwei werkseitig miteinander verbundenen Schich­ten: 10 oder 12,5 mm dicke Gipsfaserplatten und Dämmstoff unterschiedlicher Art. Mit den Estrichelementen...

mehr
Ausgabe 2018-1-2

Passende Boden- und Dämmstoffschüttungen

Das Basismaterial der Boden- und Dämmstoffschüttungen von Knauf Aquapanel ist Perlit, ein natür­liches, mineralisches Vulkanglas. Es besitzt eine hohe mechanische Belastbarkeit und gute...

mehr