One-Man-Show

Die Mitarbeiterkantine eines Mannheimer Unternehmens sollte zur Ausrichtung einer Tagung akustisch fit gemacht werden. Dies gelang optisch ansprechend mit so genannten „Sauerkrautplatten“, die man eher als Deckenbekleidungen in Kellern und Tiefgaragen findet.

Eine Schwachstelle des Mitte der 1990er Jahre im Mannheimer Stadtteil Friedrichsfeld modern erbauten Büro- und Fertigungsgebäudes der Hänssler Hydraulik GmbH war die Raumakustik der Mitarbeiterkantine, die auch als Besprechungsraum genutzt wird. Der Nachhall war dem Unternehmer und seinen Mitarbeitern ein Dorn im Auge. Ursache für den unangenehmen Effekt waren die Fliesenböden, Betondecken und großen Glasflächen, deren harte Oberflächen den Schall nicht ausreichend absorbieren konnten. Die Ausrichtung der internationalen Tagung der European Seals and Gaskets Association (EUSGA) gab den endgültigen Anstoß, die Raumakustik mit Hilfe einer Akustikdecke zu verbessern. Nur mit welchem Produkt oder System sollte dies geschehen? Eine klassische vollflächige Deckenverkleidung sollte es nicht sein. Wenn, dann partielle Highlights mit Designanspruch, die vom angestellten Haustechniker und Allround-Handwerker möglichst selbst angebracht werden können. Der entscheidende Tipp kam von einem guten Freund und Bautechniker, der im benachbarten Edingen-Neckarhausen eine auf die Baubranche spezialisierte Werbeagentur betreibt. „Nimm doch einfach Sauerkrautplatten, die haben aufgrund ihrer Holzwolle-Struktur erstklassige Schallabsorptionswerte und lass sie vom Hersteller ins gewünschte Format zuschneiden. Die schrauben wir dann einfach auf eine Holzunterkonstruktion und fertig.“

Gesagt getan, man fertigte für die Decke eine Entwurfsskizze sowie eine maßstabsgerechte CAD-Zeichnung an und suchte sich für diese individuelle Lösung einen nicht zu großen Hersteller von „Sauerkrautplatten“, die fachlich korrekt Holzwolle-Leichtbauplatten heißen. Da die Auswahl nicht so groß ist, fiel die Wahl auf die Fibrolith Dämmstoffe GmbH in Kempenich.

Vorfertigung und Vorbereitung

Bei Fibrolith war man der Idee gegenüber sehr aufgeschlossen und stand den beiden Tüftlern mit Rat und Tat zur Seite. Die 25 mm Platten der Marke Fibro-Kustik mit der Holzwollestruktur „fein“ wurden im Werk auf die gewünschten Formate 1400 x 600 mm und 1600 x 600 mm zugeschnitten, aus optischen Gründen mit gefasten Kanten versehen und in der Farbe RAL7035 lichtgrau angeliefert.

Aus optischen und akustischen Gründen, sollten die Deckensegel abwechselnd auf zwei unterschiedlich hohen Kanthölzern montiert werden. So kann eine noch bessere Brechung der Schallwellen erreicht werden. Um einen ansprechenden Farbkontrast zu erreichen, wurde die Betondecke vor der Montage in der Firmenfarbe blau gestrichen.

Ein-Mann-Montage der Akustiksegel

Zuerst fixierte der Allround-Handwerker die Kanthölzer im Wechsel 50 x 30 mm und 60 x 40 mm mit einer Montagestütze an der Decke und befestigte diese mit jeweils drei handelsüblichen Schlagdübeln. Um einen exakten Abstand zwischen den einzelnen Deckensegel aus Fibro-Kustik-Platten zu gewährleisten, half sich der pfiffige Handwerker mit selbstgebauten Abstandslehren. Anschließend befestigte er die Akustikplatten wieder mit Montagestützen an den Kantholzträgen. Die dafür erforderlichen  Fibro-Akustikschrauben wurden vom Hersteller mitgeliefert. Insgesamt dauerte die Montage inklusive dem Streichen der Decke nur knapp zwei Arbeitstage – und das mit nur einer Person. Ein Verfahren, das für kleinere Handwerksbetriebe gut geeignet ist. „Schon während der Montage der Fibrolith-Patten war eine deutliche Verbesserung der Raumakustik zu spüren“, berichtet Firmeninhaber Andreas Hänssler. „Auch unsere internationalen Gäste der EUSGA haben sich sehr wohlgefühlt, was sicherlich auch mit der Akustik zusammenhängt.“

Autor

Oliver Lanz ist Projektmanager in der auf die Baubranche spezialisierten Agentur Knobloch Technik+Design GmbH in Edingen-Neckarhausen bei Heidelberg.

Insgesamt dauerte die Montage inklusive dem Streichen der Decke nur knapp zwei Arbeitstage

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