Passivhaus im Kleinformat

Bei der energetischen Sanierung eines kleinen Wohnhauses in Wassenberg mit einer Grundfläche von nur 74 m² wurde der Heizölbedarf auf 1,2 l/m²a gesenkt – also unter Passivhaus-Niveau. Dies wurde vor allem wegen des Dämmsystems auf der Basis von Resol-Hartschaum möglich.

Einen Altbau mit einer Grundfläche von unter 100 m² als Passivhaus umzurüsten ist eine große Herausforderung. Das liegt hauptsächlich am ungünstigen A/V-Verhältnis solcher Häuser: Das Verhältnis von der Oberfläche A zum Volumen V beeinflusst entscheidend den Heizenergiebedarf eines Gebäudes. Gerade bei kleinen, freistehenden Häusern ist die Oberfläche unverhältnismäßig groß – und damit auch der Wärmeverlust. Und das bedeutet auch: Je kleiner ein Gebäude ist, desto schwerer lässt sich das Passivhaus-niveau erreichen.

Insofern grenzt es an ein kleines Wunder, was das Büro Rongen Architekten bei einer Altbausanierung in Wassenberg vollbracht hat: Das an die historische Stadtmauer angrenzende Häuschen verfügt über eine Grundfläche von 74 m². Nach Abschluss aller Arbeiten liegt der Heizölbedarf sogar unter der für Passivhäuser vorgeschriebenen Grenze von 1,5 l/m²a. „Der Verbrauch unseres neuen Vorzeigeobjektes beträgt jetzt 1,2 l. Wer schon mal eine Umrüstung auf Passivhaus-niveau durchgeführt hat, der weiß, dass bei so niedrigen Verbrauchswerten jede Stelle hinter dem Komma ein riesiger Schritt ist“, erläutert Prof. Ludwig Rongen. „Wir haben dies mit einer Reihe von Verbesserungen erreicht, angefangen bei den Fenstern bis hin zu einem sehr guten Lüftungssystem. Den entscheidenden Beitrag hat aber die Fassadendämmung geleistet.“ So kam bei dem Objekt in Wassenberg das Wärmedämm-Verbundsystem (WDV-System) weber.therm plus ultra zum Einsatz. Dank eines neuartigen Dämmstoffs aus Resol-Hartschaum verfügt es über eine fast doppelt so hohe Dämmleistung wie herkömmliche Systeme.

Besonders dünnes WDV-System der WLG 022

Die Entscheidung für das neuartige WDV-System fällte das Architekturbüro zusammen mit dem ausführenden Stuckateur-Betrieb Bürsgens aus Wassenberg. Ausschlaggebend war vor allem der Wärmeleitwert von 0,022 W/mK, der auch bei verhältnismäßig schlanken Wandaufbauten eine Dämmung auf Passivhaus-niveau ermöglicht. So genügte bereits eine Dämmschicht von 240 mm, um die gewünschte Dämmleistung zu erzielen. Zum Vergleich: Bei einem herkömmlichen WDV-System mit einem Wärmeleitwert von 0,040 W/mK wäre eine Schichtdicke von 440 mm notwendig gewesen. „Gerade bei einem so kleinen Haus hätte eine derart dicke Dämmschicht die Gebäudecharakteristik aber massiv beeinträchtigt. Durch die Verwendung des Resol-Hartschaum-Systems sind die Tür- und Fensterlaibungen schlank geblieben“, so Prof. Ludwig Rongen. „Für unseren Verarbeiterbetrieb war natürlich entscheidend, dass das System leicht zu handhaben ist. Resol-Hartschaum bietet aber auch einen sehr guten Brandschutz: Das Material schmilzt nicht, ist nur schwer entflammbar und besitzt eine hohe Glutbeständigkeit. Daher ist ein Dämmstoffwechsel im Fenstersturz nicht erforderlich. Nicht zuletzt ist das Material gesundheitlich unbedenklich und zu 100 Prozent FCKW- und HFCKW-frei.“

Um durchgängige Fugen und Wärmebrücken auszuschließen, entschieden sich Handwerker und Architekten, die Dämmplatten in zwei Schichten von jeweils 120 mm zu verlegen. Die erste Lage haben die Stuckateure sowohl verklebt als auch verdübelt, wobei der Klebemörtel rahmenförmig an den Rändern sowie zusätzlich mit drei senkrechten Streifen in der Fläche auf die Dämmplatten aufgebracht wurde. Dadurch ist sichergestellt, dass nach dem Andrücken mindestens 60 Prozent der Fläche mit dem Untergrund verbunden sind. Um das Risiko von Rissen zu vermindern, klinkten die Handwerker die Platten an den Fenster- und Türecken aus, so dass in den Ecken keine Dämmstofffugen entstehen konnten. Danach erfolgte die Verdübelung der ersten Dämmschicht. Die zweite Dämmschicht wurde vollflächig verklebt, im Anschluss daran wurden Armierungsmörtel und -gewebe zweilagig aufgebracht. Auf diese Weise schufen die Stuckateure eine sichere Grundlage für eine fein strukturierte Oberflächenbeschichtung.

Mit Schwammbrett fein gefilzte Putzfassade

Bei der Gestaltung der Fassade kam ein mineralischer Leicht-Edelputz in einer Körnung von 0,5 mm zum Einsatz. Im Zuge des Putzauftrages filzten die Handwerker die Oberflächen mit einem Schwammbrett fein aus. Das Resultat ist eine filigrane, tuchmatte Oberflächenstruktur, die ebenmäßig fein strukturiert und zugleich spannungsarm ist. Der weiße Farbton des Putzes steht in einem spannungsreichen Kontrast zu den dunklen, fast rahmenlos erscheinenden Fensterflächen. Zugleich zeichnet sich der Oberputz durch eine Reihe bauphysikalischer Vorzüge aus: Er ist diffusionsoffen und kapillaraktiv, so dass das Gesamtsystem trocken gehalten wird.

Trotz Passivhausdämmung gelungene Proportionen

Mit dem Ergebnis der Sanierung ist Professor Rongen, der übrigens nicht nur Architekt, sondern auch Bauherr ist, mehr als zufrieden. So heizt der eingebaute Holz-Pellet-Ofen CO2-neutral, da er nicht mehr Emissionen produziert, als bei der natürlichen Verrottung der Bäume entstehen würden. Die südliche Ausrichtung der Fenster bringt natürliche Wärme ins Haus. Währenddessen sorgt die kontrollierte Lüftungsan-lage auch bei geschlossenen Fenstern für eine permanente Frischluftzufuhr. Zusätzlich sorgt eine leistungsstarke Bodendämmung dafür, dass so gut wie keine Wärme über den Fußboden verloren geht. Nicht zuletzt überzeugt das kleine Wohnhaus auch nach der energetischen Sanierung durch seine gelungenen Proportionen. „Das Vorurteil, Passivhäuser seien unförmige Kisten, wird von diesem Objekt eindeutig widerlegt“, erklärt der Bauherr nicht ohne Stolz. „Trotz der zwei Schichten Dämmmaterial ist die Fassade schlank geblieben. Unser Passivhaus im Kleinformat ist wirklich alles andere als ein Klotz in der Landschaft.“

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