Sanierung in Chor und Sakristei der Kirche des Hl. Johannes von Kronstadt in Hamburg

1907 als evangelische Gnadenkirche im Zentrum Hamburgs erbaut, dient der Sakralbau heute der russisch-orthodoxen Gemeinde als Kirche des Hl. Johannes von Kronstadt. Jüngst wurde der Chor und die Sakristei saniert und umgestaltet.

Im Zentrum Hamburgs, zwischen dem Heiligengeistfeld und der Hamburger Messe, befindet sich die Russisch-Orthodoxe Kirche des Hl. Johannes von Kronstadt. Ursprünglich als evangelisch-lutherische Kirche im Stil des Historismus erbaut, wurde sie im Dezember 1907 als Gnadenkirche eingeweiht. Nach der Zerstörung im 2.Weltkrieg konnte sie bis 1947 wiederaufgebaut und danach durch die St. Pauli Gemeinde genutzt werden. Demografische Veränderungen in den angrenzenden Wohnquartieren, die Erweiterung des Messegeländes und die nicht unerheblichen Erhaltungs- und Sanierungskosten ließen die Gemeinde nach anderen Nutzungsmöglichkeiten für das Gotteshaus suchen. Als ökumenisches Zeichen wurde die Kirche 2004 an die Gemeinde des Heiligen Johannes von Kronstadt der Russisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats übergeben und 2007 neu geweiht. Die Architektur der Gnadenkirche mit ihren runden Formen und Elementen aus der Romanik und Gotik ähnelte bereits dem architektonischen Stil der byzantinischen Ostkirchen, so dass sie sich heute mit ihren fünf Zwiebeltürmchen und den orthodoxen Kreuzen kaum von der Architektur der östlichen orthodoxen Kirchen unterscheidet.

Für die neue Glaubensausrichtung und die orthodoxen liturgischen Gottesdienstabläufe waren aber auch Veränderungen im Hauptraum der Kirche erforderlich. So wurde unter anderem die Ausmalung des Kirchenraumes verändert und die bestehende Trennwand zur Sakristei als steinerne Ikonostase umgestaltet. Russische Ikonenmaler haben hier mit freskalen Maltechniken ein in Europa einzigartiges Zeugnis traditioneller Handwerkskunst geschaffen. 

Digitale Betreuung 

Für das Jahr 2020 wurde dann die Sanierung und Umgestaltung des Chors und der Sakristei geplant. Durch die Bindung der Gemeinde an die russische Mutterkirche erfolgte die Abstimmung zu den einzusetzenden Materialien und Arbeitstechniken dabei interessanterweise mit einem Denkmalspfleger in St. Petersburg. Dieser wurde bei Bedarf auch während der Arbeiten und nach Abschluss einzelner Sanierungsschritte per Video zugeschaltet.

Das bereits freigelegte Ziegelmauerwerk der Wandflächen sollte mit einem Kalkputz mit geglätteter Oberfläche neu verputz werden. Der Putz auf Rabitzgitter in der Kuppel blieb weitestgehend erhalten. Hier wurden lediglich die Farbschichten abgefräst. Auf den Einsatz von Putzprofilen wurde von vornherein verzichtet. Da die Flächen anschließend mit kirchlichen Motiven bemalt und indirekt beleuchtet werden sollen, waren die Anforderungen an die Oberflächengüte und die Ebenheit entsprechend hoch. Eine zusätzliche Herausforderung stellte dabei die Raumhöhe und die Rundung der Außenwand dar.  

Behandlung der Risse 

Die im Mauerwerk vorgefundenen Risse wurden mit Spiralankern geklammert, die Vorsatzschalen alter Installationskanäle  durch Bohrstangen gesichert und die Rissbereiche zusätzlich vor dem Unterputzauftrag noch mit einem metallischen Putzträger mit eingelegter Entkopplungsschicht (Stucanet der Firma Bekaert) überspannt. Das Verfestigen der Mauerwerks- und der abgefrästen Putzoberfläche erfolgte mit „Baumit SanovaPrimer“, einer mineralischen Grundierung auf Kali-Wasserglas-Basis. Um die Haftung des Grundputzes auf dem Ziegelmauerwerk zu verbessern, wurde „Baumit SanovaPre“ als netzförmiger Spritzbewurf aufgetragen.  

Lehren für rundes Mauerwerk 

Im nächsten Schritt galt es, die Rundung des Mauerwerks auf den Unterputz zu übertragen. Mit einem in Lot und Radius eingemessenen Gerüst aus Holzlatten als Putzlehren konnte die Rundung vergleichmäßigt werden. Für den Unterputz kam der zementfreie Kalkputz „Baumit Kalkputz Klima RK 39“ mit 3 mm Körnung zum Einsatz. Der Putzauftrag erfolgte aufgrund der teilweise erforderlichen Putzdicken von bis zu 50 mm mehrlagig mit Zwischenstandzeiten, bevor die Oberfläche auf den traditionellen hölzernen Putzlehren abgezogen werden konnte. Die Holzlehren wurden nach der Fertigstellung des Unterputzes wieder entfernt und beigeputzt.

Mit dem Angleichen der Unterputzdicke an den Bestand des Rabitz-Putzes der Kuppel entstand ein flächengleicher Übergang beider Putzsysteme. Auch die grobe Form der Profilierungen in den Übergängen von der Putzfläche in die Fensterlaibungen wurde während des Auftragens des Unterputzes mit einer Schablone gezogen.

Rissbildung dauerhaft vermeiden 

Die anschließend mit dem naturweißen Kalk-Feinputz „Baumit multiFine RK 70 N“ aufgespachtelte Armierungsschicht mit Gewebeeinlage dient dazu, die Rissgefahr an der Putzoberfläche zu minimieren und gleichzeitig auch die durch das Grobkorn bedingte, doch recht raue Unterputzoberfläche besser zu schließen und für den abschließenden Glättspachtel vorzubereiten. Im Bereich der Kuppel konnten damit auch die beim Fräsen entstandenen Unebenheiten im Bestandsputz ausgeglichen werden. Um einem unkontrollierten Abriss des Rabitzputzes der Kuppel zum Bogenmauerwerk vorzubeugen, wurde eine bewusste Trennung beider Flächen mit einem Trennschnitt ausgeführt.

Glättspachtel unter Streiflichtanforderung 

Für den abschließenden Glättspachtel hatte sich der russische Denkmalspfleger für den pastösen Kalkspachtel „Baumit Klima Finish“ entschieden. Ausschlaggebend war, dass mit dieser Kalkspachtelmasse auch höhere Schichtdicken spannungsarm ausgeführt werden können und das Material sehr gut schleifbar ist.

Durch das Beleuchtungskonzept kann Streiflicht nicht ausgeschlossen werden. Der Glättspachtel muss dehalb möglichst wolken- und schattenfrei aufgetragen und geschliffen werden. Aufgrund der Wandrundung und der gerüstbedingten örtlichen Gegebenheiten waren die Schleifarbeiten nur mit Hand ausführbar. Bis zum Erreichen der endgültigen Wandoberfläche waren Geduld und Zeit sowie mehrere Spachtel- und Schleifgänge erforderlich.

Auch die Profilierungen der Fensterlaibungen, Kapitelle und Gesimse erhielten bei diesem Arbeitsschritt ihren Feinschliff, wurden mit der Schablone gezogen und ebenfalls von Hand geschliffen. Dabei legten die Handwerker besonderen Wert auf saubere, gleichmäßige Rundungen und gestochen scharfe Kanten gelegt.

Farbige Fassung 

Um den Schleifstaub an der Oberfläche zu binden, erfolgte nach Rücksprache mit den russischen Ikonenmalern eine abschließende Grundierung mit der mineralischen Grundierung auf Kali-Wasserglas-Basis „Baumit SanovaPrimer“. Anders als im Kirchenschiff wird die Bemalung der neuen Wandbereiche diesmal nicht erfolgen.

Die farbliche Fassung der so geschaffenen Flächen und die Erstellung der ikonischen Bilder sollte im Herbst 2020 erfolgen. Corona-bedingt und die damit verbundenen Reisebeschränkungen verzögern die endgültige Fertigstellung dieses Vorhabens. Aber auch der sich zur Zeit nur im schlichten weiß präsentierende Chor- und Sakristeiraum wirkt schon allein durch seine Höhe und die runden Formen.

Da vom Kirchenraum über die Ikonostase hinweg ein freier Blick in die Kuppel der Sakristei gegeben ist, wird die fertige Ausmalung sicher weitere interessante Eindrücke und Blickbeziehungen entstehen lassen.

 

Autoren

Lutz Trautmann ist als Bauberater und Daniel Mienert als Verkaufs-Fachberater bei der Firma Baumit in Bad Hintelang tätig.

Baubeteiligte (Auswahl)

 

Bauherr Gemeinde des Hl. Johannes von Kronstadt, Hamburg 

Bauarbeiten Bauhandwerk Kation, Hamburg  

Fachliche Begleitung Fachberater Daniel Mienert und Bauberater Lutz Trautmann, Baumit, Bad Hindelang, www.baumit.com  

Eingesetzte Materialien Grundierung SanovaPrimer, Vorspritzmörtel SanovaPre, Unterputz Kalkputz Klima RK 39, Kalk-Feinspachtel multiFine RK 70 N, Gewebe StarTex Fein, Kalk-Glättspachtel Klima Finish, Baumit, Bad Hindelang, www.baumit.com

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