Sanierung von Haus Sparmberg in Gera

Das für Rudolf Sparmberg von Thilo Schoder in Gera entworfene Haus ist das letzte, das der Architekt zu Beginn der 1930er Jahre in Deutschland noch fertigstellen konnte, bevor er wegen zu kritischer Äußerungen zur Politik der Nationalsozialisten ein Aufenthaltsverbot in Gera erhielt. Er ging nach Norwegen ins Exil, wurde dort jedoch von der Gestapo verhaftet, nachdem die Nationalsozialisten 1940 auch Norwegen besetzt hatten. Mit der Errichtung vieler Wohn- und Geschäftshäuser in Norwegen wurde er dennoch zu einem der führenden Architekten Skandinaviens und Nordeuropas. Er starb im Alter von 91 Jahren in seinem norwegischen Exil.

Seine dem Neuen Bauen verpflichtete Architekturauffassung nimmt mit dem Besuch der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Gera seinen Anfang, die ein Vorläufer des Bauhauses war. Dort wurde er Meisterschüler von Henry van de Velde, dessen Assistent er bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 war. Nach Gründung eines eigenen Büros in Gera entstanden dort zahlreiche Bauten im Stil des Neuen Bauens. So auch das Haus Sparmberg. Da es das letzte war, das er in Deutschland zu Ende bringen konnte, ist es umso wichtiger, dass es durch das Engagement von Katharina Wünscher erhalten bleiben konnte. Sie bekam dafür im vergangenen Jahr ganz zu Recht den ersten Preis beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege in Thüringen.

Katharina Wünscher hatte das Gebäude vom vorherigen Eigentümer ohne wesentliche Änderungen übernommen, so dass nur einige Rückbauten erforderlich waren, um den klaren Entwurf von Thilo Schoder mit dem kubischen Baukörper unter einem Flachdach mit großzügiger Treppenhausverglasung wieder erlebbar zu machen. Die restauratorischen Untersuchungen erbrachten unter den Farbschichten und Tapeten die vollständig erhaltene Ausstattung des Gebäudes. Mit großer Sorgfalt wurde der Grundgedanke der Erhaltung und Wiederentdeckung eines möglichst authentischen Zustandes im Zeitgeist des Neuen Bauens verfolgt. Dabei wurde die Eigenart des Architekten für die Verwendung von Farben und Materialien und Ausstattungsdetails deutlich. Mit Abschluss der Sanierungsarbeiten im vergangenen Jahr brachten die Handwerker auch den Außenputz wieder als hellgrauen Edelputz mit Glimmerzuschlag auf.

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