Schwere Leichtbaudecke

Beim Bau eines neuen Konzertsaals für das Institut für Kunst und Musik der Universität Augsburg kam es – wie sich leicht denken lässt – wesentlich auf die Gestaltung der Raumakustik an. Hierzu montierten die Mitarbeiter der Firma TM Ausbau eine schwere Decke aus Gipsfaserplatten.

Das bis zu 9 m hohe neue Auditorium der Universität Augsburg bietet bis zu 400 Personen Platz. Der Zuschauerbereich gliedert sich in eine leicht ansteigende Parkettzone mit zwölf Sitzreihen und einen an der hinteren Rückwand liegenden Balkon mit zwei Zuschauerreihen. Die für die raumakustischen Berechnungen verantwortliche Müller-BBM GmbH ermittelte anzustrebende Nachhallzeiten sowohl für klassische Konzerte als auch für elektroakustisch verstärkte Vorträge sowie für Veranstaltungen in einem kleineren, durch eine Trennwand abzutrennenden Saalbereich.

Individuelle akustische Lösung

Bei der akustischen Gestaltung eines Konzertsaals spielt die Konstruktion der Saaldecke eine entscheidende Rolle. „Eine der planerischen Hauptforderungen war ,Masse’. Die für die Decke verwendeten Materialien sollten in der Gesamtkonstruktion ein Flächengewicht von mindestens 30 kg/m2 ergeben, um eine zu starke Absorption bei tiefen Frequenzen zu vermeiden“, erläutert Thomas Bischoff, verantwortlicher Geschäftsbereichsleiter bei der mit den Innenaus­bau­arbeiten beauftragte TM Ausbau GmbH. Ursprüng­lich sah die Planung eine Sonderdecken­konstruktion aus senkrechten, innen mit einer Hohlraumdämmung versehenen Gipsfaserbaffeln vor. Eine nochmalige Präzisierung der akustischen Bemessung zeigte jedoch ungünstige Wirkungen selbst kleinster Hohlräume in den Baffeln auf. Auch kleine Spalten von weniger als 1 mm hätten zu Plattenschwingungen führen können, die das Absorptionsvermögen der Decke ungewollt erhöht hätten. Um dies zu vermeiden wurden die Baffeln komplett aus mehreren Lagen „Rigidur H“-Gipsfaserplatten und „Rigips Bauplatten RB“ in unterschiedlichen Dicken ohne Zwischenräume hergestellt.

Diese Konstruktion führt zu einem höheren Quadratmetergewicht der Baffeln. Was auf der einen Seite die raumakustische Wirksamkeit verbessert, verlangte auf der anderen Seite nach einer belastbareren Unterkonstruktion. „Die ursprünglich ausgeschriebene Tragkonstruktion aus einem modifizierten CD-Doppelrost hätte das Gewicht der Baffeln nicht sicher getragen. Daher haben wir gemeinsam mit einem Statiker und der Firma Hilti eine Unterkonstruktion aus MQ-Schienen entwickelt und statisch nachgewiesen. Diese Konstruktion erlaubte es darüber hinaus, die Vorgaben der geringen Deckenhohlräume unter den bauseitig ausbetonierten Stahlträgern umzusetzen“, so Thomas Bischoff.

Schnelle Montage der Baffelsegmente

Die Baffeln wurden – gemäß den Vorgaben der akustischen Bemessung – in verschiedenen Höhen gefertigt. Eine weitere Besonderheit war die Überhöhung der unteren Kante jedes Schotts im Scheitelpunkt der Decke um etwa 50 mm. Dies sollte die optische Wahrnehmung einer exakt waagerechten Untersicht aus dem Zuschauerraum gewährleisten. Die inneren Vollelemente der Baffeln aus einer 15 mm und einer 12,5 mm dicken Gipsfaserplatte ließ das Team der TM Ausbau vorfertigen und komplettierte diese dann vor Ort gemäß Verlegeplan. „In diese Planung wurde ebenfalls die Teilung der Schotte jeweils nach einem Drittel der Deckenbreite integriert, um die gleichmäßige Aufnahme der angegebenen Trägerdurchbiegungen sicherzustellen. Zur Befestigung der senkrechten Baffeln am Schienenrost wurde an den oberen Kanten der Baffeln eine Hilti-MQ-Schiene eingearbeitet und mit den Baffelkörpern verbunden. Diese Verbindung – ebenfalls statisch bemessen und nachgewiesen – sowie die Befestigungsführung ermöglichte uns die schnelle Montage der bereits relativ schweren Baffelsegmente in die zuvor exakt ausgerichtete Tragkonstruktion“, erklärt Thomas Bischoff.

Schalung ermöglicht exakte Ausrichtung

Um die exakt lineare Ausrichtung der Fluchten nach erfolgter Einzelsegment-Montage zu gewährleisten, wurde die äußere Lage der Baffeln als Formteilschale aus „Rigips Bauplatten RB“ (12,5 mm) vorgefertigt und mit Stoßversatz über die Segmente geführt. Um eine Verwindung auszuschließen, verleimten die Trockenbauer eine Sonder-U-Profil-Konstruktion in die Schalen, so dass ein Verziehen der Segmente zuverlässig unterbunden werden kann. Die Segmentverbindungen erfolgten per Nut- und Federkonstruktion. Eine zusätzliche Herausforderung bestand im exakten Einbau der, die Schotte durchdringenden Lüftungsauslässe. Die Aussparungen dafür stellten die Trockenbauer vor Ort her.

Gipsfaserplatten auch zwischen den Baffelreihen

Zwischen den Baffelreihen wurde jeweils ein abgetreppter, geschlossener Deckenstreifen aus zweilagig beplankten „Rigidur H“-Gipsfaserformteilen ausgebildet. „Die etwa 4 Grad geneigte Deckenunterkonstruktion wurde seitlich an den senkrechten Schotten befestigt. Um auch hier die Montage- und Einmessarbeiten zu vereinfachen, haben wir die Schotte im Vorfeld im oberen Bereich bereits werkseitig mit einer Plattenlage versehen, in die die exakte Neigung für die Abstufung des Mittelstreifens eingefräst wurde. Dadurch mussten wir die seitlichen U-Anschlussprofile nur noch oben mit einer Schallentkoppelung versehen, bevor sie ohne weiteres Einmessen montiert werden konnten“, sagt Thomas Bischoff.

Nach Fertigstellung des Deckenrostes erfolgten der Einbau der Leuchtenbefestigungen sowie der Hohlraumdämmung aus 50 mm dicken, mit schwarzem Vlies kaschierten Mineralwolleplatten. Nach Freigabe durch die Installationsgewerke beplankte das Ausbauteam aus Hofheim die Unterkonstruktion mit den vorgefertigten und gemäß Verlegeplan nummerierten Gipsfaserschalen. An den beiden seitlichen Anschlusspunkten zwischen den waagerechten Gipsfaserschalen und den senkrechten Baffeln erfolgte ebenfalls zur Schallentkoppelung eine Trennung mit geschlossenzelligem Dichtband. Danach stellten die Trockenbauer in den waagerechten Deckenbereichen sämtliche Ausschnitte für Leuchten und Revisionsklappen her, bevor sowohl die Baffeln als auch die Zwischenräume eine Endspachtelung in Q 4 und eine dauerelastische Verfugung erhielten. Der nachfolgend aufgetragene helle Anstrich der Baffeln und das gewählte Schwarz für die Zwischenräume akzentuiert die außergewöhnliche Deckengestaltung zusätzlich. Den äußeren Abschluss des gesamten Deckenfeldes bildet ein waagerecht ausgeführter Randfries.

Projekt mit vielen Herausforderungen

„In einigen Bereichen mussten in das Deckensystem zusätzlich Oberlichter, Seilabhänger für Gitterrostträger sowie eine spezielle Laufschiene für eine Leinwand integriert werden. Hierfür erfolgte jeweils eine separate, statische Berechnung der Auswechslungskonstruktion, welche dann vor Ort umgesetzt wurde. Alles in allem also ein Projekt mit vielen Herausforderungen, die wir insbesondere durch die enge und gute Zusammenarbeit mit dem Architekten, den Akustikerplanern und Statikern erfolgreich meistern konnten“, resümiert Thomas Bischoff. Eine Meinung, der sich die Jury der 9. Rigips Trophy 2013 I 2014 uneingeschränkt anschloss. Mit der Auszeichnung der TM Ausbau GmbH als Preisträger Innovation würdigt sie zweierlei: Den innovativen Einsatz von „Rigidur H“-Gipsfaserplatten in einem ungewöhnlichen Bereich unter Nutzung der eigentlichen Stärken des Materials sowie die vorbildliche Abstimmung zwischen Planern und Fachunternehmen, die zu einer optimalen raumakustischen Lösung führte.

Autoren

Martin Büsch ist Leiter Kommunikation und Marketing, Karin Melder Projektmanagerin für Messen, Events und Promotion bei der Saint-Gobain Rigips GmbH in Düsseldorf.
Eine Sonder-U-Profil-Konstruktion in die Schalen sorgt dafür, dass sich kein Segment verziehen kann

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