Wohnen im Keller

Eine vernünftige Kellerdämmung verringert den Heizenergieverbrauch. Sie verbessert das Klima in den einzelnen Räumen, steigert dort den Wohnwert und schützt – richtig ausgeführt – darüber hinaus auch die Bausubstanz vor Schäden.

Die Kosten einer Dämmung des Kellers sind bereits nach wenigen Jahren – einschließlich Material und Ausführung – durch den verminderten Heizenergieverbrauch ausgeglichen. Jeder Quadratmeter Kellerdämmung spart jährlich zwischen 100 und 300 Kilowattstunden Heizenergie. Dies entspricht 10 bis 30 Liter Heizöl.

Eine Außendämmung ist bauphysikalisch optimal, bedeutet jedoch einen großen Aufwand bei der nachträglichen Abdichtung. Sie kommt in Frage, wenn zur außenseitigen Abdichtung oder zur Installation einer Dränanlage der Kellerwandbereich auf der Außenseite ohnehin freigelegt werden muss.

Bei hochwertiger Nutzung der Kellerräume werden Dämmstoffe in erdberührten Bereichen verbaut. Als Perimeterdämmung wird die Wärmedämmung von Bauteilen im Kontakt zum Erdreich bezeichnet. Bei dieser Anwendung ist der Wärmedämmstoff hoher Feuchte- und Druckbeanspruchung ausgesetzt, dieses insbesondere im Fall von drückendem Wasser (Grundwasser).

Der Wärmeschutz von Bauteilen im Erdkontakt richtet sich nach der Nutzungsart der Kellerräume. Nach den Landesbauordnungen sind Aufenthaltsräume in Kellergeschossen zulässig, wenn der Feuchtigkeitsschutz und der Wärmeschutz gesichert sind. Bei beheizten Räumen muss die Energieeinsparverordnung berücksichtigt werden.

Voraussetzung für die Verlegung von Dämmplatten als Perimeterdämmung ist die fachgerechte Ausführung der Gebäudeabdichtung nach DIN 18 195. Eine Perimeterdämmung ersetzt aber nicht die Bauwerksabdichtung. In DIN 18 195 werden Perimeterdämmstoffe als Schutzschichten empfohlen. Beim Verkleben muss man darauf achten, dass die Dämmplatten die Abdichtung nicht beschädigen.

XPS und Schaumglasplatten dürfen auch bei ständig oder langanhaltend drückendem Wasser (Grundwasser) angewendet werden, sofern hierfür bauaufsichtliche Zulassungen vorliegen. Die Bauwerksabdichtung darf durch die Wärmedämmschicht in ihrer Funktionsfähigkeit jedoch nicht beeinträchtigt werden.

 

Ausführung der Kellerdämmung mit unterschiedlichen Platten

Die Dämmplatten müssen an der Kelleraußenwand im Verband verlegt und vollflächig mit dem Untergrund verklebt werden. Ein Hinterfließen des Dämmstoffs durch Wasser muss verhindert werden.

Nach der Verdingungsordnung für Bauleistungen, DIN 18 300, Erdarbeiten, muss die Wahl des Materials zum Verfüllen der Baugrube dem Auftragnehmer überlassen werden. Weitgehend wird mit dem vorhandenen Erdaushub verfüllt. Hierfür müssen jedoch Fremdkörper, wie Baustellenabfall, große Steine usw. entfernt werden. Gemäß den bauaufsichtlichen Zulassungen muss zum Verfüllen der Baugrube gleichmäßig gemischt körniges Sand-Kiesgemisch verwendet werden. Die Handwerker sollten die Baugrube lagenweise in Schichten verfüllen und mechanisch verdichten.

Bei fachgerechter Baugrubenverfüllung    benötigen Hartschaumstoffe keine zusätzliche Schutzschicht. Besteht beim Verfüllen des Arbeitsraums allerdings die Gefahr einer Beschädigung der Dämmschicht durch grobkörniges Material, muss gegebenenfalls ein Anfüllschutz eingebaut werden. Schaumglasplatten müssen vollflächig mit der werkseits oder bauseits aufgebrachten bituminösen Deckschicht versehen werden.

Die Art der Schutzschicht wählt man in Abhängigkeit von den zu erwartenden Beanspruchungen und den örtlichen Gegebenheiten aus. Schutzschichten, die auf die fertige Abdichtung aufgebracht werden, müssen bei Bahnenabdichtungen möglichst unverzüglich nach Fertigstellung und bei kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (kurz KMB genannt) nach der Durchtrocknung hergestellt werden. Im anderen Fall sollte man Schutzmaßnahmen gegen Beschädigungen treffen.

Schaumkunststoffplatten und Schaumglasplatten, die als Perimeterdämmung und zugleich als Schutzschicht der Abdichtung im erdberührten Bereich der Außenflächen von Bauwerken verwendet werden, müssen bauaufsichtlich zugelassen sein. Für die Anwendung im Bereich DIN 18 195-4 sind die Bestimmungen der DIN 4108-2 zu beachten. Für die Anwendung im Bereich DIN 18 195-6 muss man die die Zulassungsbestimmungen ebenfalls beachten. Im Bereich drückenden Wassers müssen die Platten an den Wänden so verleget werden, dass sie nicht von Wasser hinterlaufen oder umspült werden können. 

Bauzustandsanalyse, Sanierungsplanung und Schadensbeseitigung

In der Praxis tritt es seit Jahren immer öfter auf, dass so genannte Altbaukeller nachträglich abgedichtet werden müssen. Dabei handelt es sich nicht nur um Altbaukeller im klassischen Sinn, sondern auch um Keller der jüngsten Bauperiode. Häufig sind Keller schon nach relativ kurzer Nutzung sanierungsbedürftig. Ursache hierfür dürfte die mangelhafte Planung und Ausführung sein. Es gibt zwar diverse Hinweise für die Bauwerksabdichtungen für die Planung und Ausführung, wie folgende Richtlinien und Normen:

Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen erdberührter Bauteile mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (2001, Neu etwa Juni 2010)
Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen erdberührter Bauteile mit flexiblen Dichtungsschlämmen (2006)
WTA-Merkblatt 4-4-04, Mauerwerksinjektion gegen kapillare Feuchtigkeit
WTA-Merkblatt 4-6-04, nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile
DIN 18 195, Teil 1 – 10, Ausgabe August 2000 

Bevor nun ein Objekt nachträglich abgedichtet und/oder instandgesetzt wird, müssen folgende Punkte geklärt werden:

Art der Wassereinwirkung
Art der Bauwerksnutzung erkunden und festlegen
Abdichtungsplanung
Beteiligung der Bauherrenschaft sowie die
Leistung zu beschreiben und zu definieren, die Ausführung, Ausführungs-kontrolle/Abnahme durchzuführen 

Ob eine Abdichtung nach DIN 18 195 ausgeführt werden muss, ist fraglich, denn die Norm ist für die Bauwerksinstandsetzung nur bedingt anzuwenden. Zitat aus der DIN: „Diese Norm gilt nicht für nachträgliche Abdichtungen in der Bauwerkserhaltung oder in der Baudenkmalpflege, es sei denn, es können hierfür Verfahren angewendet werden, die in dieser Norm beschrieben werden.“

Gerade in der Bauwerkserhaltung erscheint es sehr fragwürdig, ob eine DIN oder auch Stoffe der DIN anzuwenden sind. Die DIN 18 195 geht ja auch im Teil 3 auf normgerechte Wandbildner ein. Mauerwerk nach DIN 1053 usw. Beim nachträglichen Abdichten von Gebäuden ist dieses nur selten der Fall.

Wenn nun das Bauwerk, sprich der Keller, nachträglich abgedichtet werden soll, muss grundsätzlich entschieden werden, ob eine Außenabdichtung oder Innenabdichtung vorgenommen werden sollte. Beide Arten sind mit Vor- und Nachteilen behaftet, das heißt man muss flankierende Arbeiten beachten, wie Horizontalabdichtung, Vertikalabdichtung, Sanierputz-Systeme, Sockelanschluss, Anschluss innen, Wärmedämmung, Bodenabdichtungen und viele mehr.

 

Kelleraußenabdichtung, Dränung und

Untergrundvorbehandlung

Soll eine Kelleraußenabdichtung vorgenommen werden, muss zunächst die vorhandene Abdichtung, Bitumenbahn freigelegt werden. Erst dann ist zu erkennen, ob die Abdichtungsbahn noch vollflächig zum Wandbildner anhaftet. Das Sockelmauerwerk ragt oft ungeschützt ins Erdreich, im Bereich des Wandsohlenanschlusses lösen sich die Abdichtungsbahn wegen der mangelhaften Ausführung und rückwärtigen Durchfeuchtung vom Untergrund ab. Im Sockelbereich finden sich auch häufig Abplatzungen der Kelleraußenputze. Dann ist das ungeschützte Sockelmauerwerk zu erkennbar.

Im Zuge einer Sanierung müssen dann zunächst alle zerstörten und losen Putzflächen entfernt werden. Kellerlichtschächte werden demontiert und die Sohlenüberstandsflächen gereinigt und neu anbetoniert. Alle beizuputzenden Flächen müssen in einem solchen Fall mit Grundputz vorgeputzt und mit Sanierputz beschichtet werden.

Alle mineralischen Untergründe (feuchte Untergründe) werden mit zwei Verkieselungsfolgen, bestehend aus Kiesol und Sulfatexschlämme, vorgedichtet, um auch rückwärtige Durchfeuchtungen zu verhindern. Die Stirnseite des Sohlenüberstandes wird mitbeschichtet und im System eine Dichtungskehle eingebaut. Alle mit Bitumenvoranstrich behandelten Flächen (Altputzflächen) müssen mit Bitumenlösung grundiert und sofort frisch in frisch mit Quarzsand als Haftgrund vollflächig abgestreut werden.

Nach einer Ablüftzeit von mindestens einem Tag werden dann die Außenwandflächen von OK Gelände über die Dichtungskehle bis mindestens 10 cm an der Stirnseite Sohlplatte in zwei Lagen mit einer zweikomponentigen kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtung abgedichtet. Profi Baudicht entspricht der DIN 18 195 Teil 2 und erfüllt alle Anforderungen dieses Regelwerkes für KMB-Produkte.

Durchdringungen müssen nach Reinigung und Grundierung kehlenförmig mit KMB abgedichtet werden. Zum Schutz der Bauwerksabdichtung und Dämmung gegen das Erdreich sind nun Drän- und Schutzsysteme aufzubringen. Die Remmers DS-System-Matte wird dabei auf Länge abgeschnitten und als vertikale Dränung und Anfüllschutz mit einer Kappleiste beziehungsweise Abdeckleiste befestigt. Kellerlichtschächte werden montiert, der Füllboden lagenweise eingebracht und verdichtet. Abschließende werden ein Kiesbett am Gebäude und Gehwegplatten mit Gefälle vom Gebäude weg verlegt. Damit ist die Bauwerksabdichtung mit der Kelleraußenabdichtung aber noch nicht abgeschlossen. 

Flankierende Arbeiten am Sockel

Wenn die Kelleraußenabdichtung planmäßig nicht mindestens 30 cm über Gelände hochgeführt werden kann, sollte man einen ausreichend wasserabweisenden Sockel durch eine hydrophobierende Imprägnierung herstellen. Ein Sockel muss vom Planer aufgenommen und detailliert geplant werden. Nur so kann man verhindern, dass unzureichende oder improvisierte „Baustellenlösungen“ Anwendung finden.

Die Baustoffe, die zur Anwendung kommen sollen, müssen bereits bei der Planung festgelegt werden, um die besonderen Anforderungen im Sockelbereich zu erfüllen. Dies bedeutet zum Beispiel, dass diese Baustoffe gegen die im Sockelbereich auftretende Feuchtebelastung beständig sein müssen beziehungsweise wenn dies nicht gegeben ist, Arbeiten vorgesehen werden, die diese Beständigkeit sicherstellen (zum Beispiel ein Kiesbett, Blechanschluss oder eine Abdichtung des Putzes unter Geländeoberkante). Die Festlegung der exakten Sockellinie und des Geländeverlaufes muss vor Ausführungsbeginn der Putzarbeiten erfolgen.

 

Wandbodenanschluss und Kellerabdichtung von innen

Für den Wandbodenanschluss sollte im Keller eine Dichtungskehle aus Sperrmörtel im äußeren Wandaufsatz nach Grundierung mit einer Verkieselungsfolge einbaut werden.

Wenn die Außenfläche eines erdberührten Mauerwerks von außen nicht zugänglich ist, empfiehlt sich grundsätzlich eine Abdichtung von innen. Hierzu müssen zunächst die Kelleraußenwände freigelegt werden. Dazu muss der Altputz mindestens 80 cm über dem Feuchtigkeitsrand entfernt werden. Das Mauerwerk kann anschließend mit der Mikro-Soft-Strahltechnik gegebenenfalls mit festem Strahlmittel gesäubert werden.. Die schadhaften Fugen müssen ausgeräumt (mindestens 2 cm tief) und die Flächen gereinigt werden. Vorhandene Anstriche von Wand-/Bodenflächen werden dann mechanisch im Nebelstrahlverfahren mit regulierbarem Strahldruck unter Verwendung einer Softstrahldüse gereinigt.

Der Estrich im Wand-/Boden-Anschluss muss entfernt werden und die Zwischenwände 25 cm breit zum Durchziehen der Abdichtung abgetrennt werden. Offene Fugen werden mit Mörtel verschlossen und Ausbruchstellen und Wandflächen mit Grundputz egalisiert. An sämtlichen Mauerwerksvorsprüngen beziehungsweise im Wand-/Bodenanschluss werden Dichtungskehlen mit 5 cm Schenkellänge aus Dichtmörtel hergestellt.

Nun beginnt die eigentliche sulfatbeständige, mineralische Innenabdichtung auf vorbereitete Wandflächen in dreifacher Verkieselungsfolge (Dichtungsschlämme). Die letzte Verkieselungsfolge bekommt einen Spritzbewurf aus Vorspritzmörtel vollflächig deckend und nach einer Wartezeit von mindestens drei Tagen erfolgt ein Neuverputz mit Sanierputz Spezial Werktrockenmörtel geprüft und güteüberwacht. Die Putzflächen können nach Erhärtung des Unterputzes mit Feinputz dünn überspachtelt werden. Mit Schwammbrett, Holz- oder Filzscheibe kann der Handwerker die gewünschte Oberfläche herstellen.

Autor

Dipl.-Ing. Franz-Josef Hölzen ist Technischer Berater bei der Firma Remmers Baustofftechnik GmbH in 49624 Löningen.

Häufig sind Keller schon nach relativ kurzer Nutzung sanierungsbedürftig

Bei einer Bauwerksabdichtung am Kellermauerwerk ist oft eine Vielzahl an Arbeiten erforderlich

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