Zimmerer Benjamin Röske berät Handwerker als Finanzplaner

Wer von seiner Rente leben will, kommt oft um eine private Zusatzvorsorge nicht herum. Benjamin Röske ist gelernter Zimmerer und Finanzplaner. Der 22-Jährige spezialisierte sich auf das Handwerk und möchte beim Aufbau einer sicheren finanziellen Zukunft helfen.

Ein gelernter Zimmermann durchforstet den Versicherungs-Dschungel. Statt hoch hinaus treibt es  Benjamin Röske in die Tiefe von Zahlen und Bilanzen. Aktien, Versicherungen, Immobilien: Die richtige Altersvorsorge zu finden ist für den Finanzplaner mit Spezialisierung auf  Handwerker nun berufliches Ziel. „Schon während meiner Ausbildung habe ich die Defizite in diesem Bereich wahrgenommen und mich deshalb nach Abschluss meiner Ausbildung in der Finanzbranche selbstständig gemacht, um Handwerkern beim Aufbau ihrer sicheren finanziellen Zukunft zu helfen“, sagt der 22-Jährige.

Zu Beginn seiner Lehre zog er in eine eigene Wohnung. „Das Gehalt als Zimmererlehrling ist ja nicht übermäßig hoch. Daher brauchte ich schnell einen Plan, um effektiv zu wirtschaften. Die Lösung: Ich habe mich mit dem Thema Finanzen ausgiebig beschäftigt und mir zusätzlich Hilfe bei einem Experten gesucht.“ Das Interesse wurde größer, er wurde selbstständiger Vertriebspartner für Horbach. Die Wirtschaftsberatung mit Sitz in Hannover erstellt Lebens- und Finanzplanungen.

Von der Rente leben können

„Das goldene Handwerk“ heißt es oft, und das zu Recht. „Über 5,5 Millionen Handwerker schaffen in Deutschland jeden Tag Großartiges, erfüllen Eigenheimwünsche oder erneuern Kulturgüter und sorgen dafür, dass unser tägliches Leben funktioniert“, betont der gelernte Zimmerer. Die Ausbildung in Deutschland sei eine der besten überhaupt und bringe jedes Jahr fachlich top ausgebildeten Nachwuchs ins deutsche Handwerk. „Doch bei einer Sache versagt unser Bildungssystem leider auf ganzer Linie. Nämlich dabei, den Handwerkern Wissen über bestimmte finanzielle Themen zu vermitteln, welches besonders für sie zukunftsentscheidend ist“, so Röske.

Neben Themen wie Immobilienfinanzierung, dem richtigen Geldmanagement und einer effektiven Finanzplanung gibt es für den Finanzplaner eine Fragestellung, die ausnahmslos für jeden Handwerker eine Rolle spielt: Werde ich von meiner Rente leben können?

Jeder angestellte Handwerker zahlt von seinem Bruttogehalt Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein. „Auch Selbstständige in den registrierungspflichtigen Gewerken haben eine 18-jährige Beitragspflicht in dieses System – leider! Denn unser Rentensystem ist ein so genanntes Umlageverfahren. Und das funktioniert schon jetzt kaum noch“, bemängelt der 22-Jährige.

Demographischer Wandel lässt System platzen

Bei diesem System werden die Beiträge zur Rente in einen Rententopf gezahlt, aus dem zeitgleich Beiträge für die jetzigen Rentner herausgenommen werden. „Aber unser demografischer Wandel lässt dieses System platzen. Denn es wird in Zukunft immer mehr ältere Menschen geben. Die Senioren werden immer älter und es kommen immer weniger junge Menschen nach. Das sorgt dafür, dass spätestens 2050 ein Arbeiter-Rentner-Verhältnis von 1:1 vorliegt. Das bedeutet, alles was ich im Monat verdiene, muss ich in voller Höhe an den Rentner weitergeben“, gibt er zu bedenken.

Dass das nicht funktioniere, sei nicht schwer zu erkennen. Um im Alter abgesichert zu sein, gebe es verschiedene Möglichkeiten für eine zusätzliche Altersvorsorge. Wichtig ist die Erarbeitung einer individuellen Strategie, die zum Kunden passe. Erster Schritt für den Versicherungsfachmann: Analyse des Ist-Zustandes. Wo steht der Kunde? Wie ist seine finanzielle Situation (Einnahmen, Ausgaben, Steuern)? Welche Ziele und Wünsche hat er?  Aus diesem Lebensplan ergebe sich der Finanzplan, der nach dem „Best-Select-Prinzip“ gefüllt wird. Sprich: die Auswahl der richtigen Produkte. „Hier muss wieder intensiv verglichen werden. Es gibt einige sehr bekannte Anbieter, die in diesem Bereich leider nur mit dem Namen und nicht mit Qualität glänzen“, sagt er. Grundsätzlich gibt es verschiedene Strategien, um eine Rentenlücke zu schließen.

Klassische Versicherung

Eine klassische Renten- oder Lebensversicherung ist laut Röske aber nicht mehr unbedingt „die Wahl der Träume.“ Durch den aktuell festgelegten Rechnungszins von 0,25 Prozent und einer Inflation von normalerweise zwei Prozent mache man hier zwar weniger Geld miese als auf einem Sparbuch, aber man verliere immer noch. Durch Hybridprodukte oder fondsgebundene Lösungen kann hier eine Rendite von drei bis sechs Prozent, je nach Anlagestrategie, erreicht werden. Außerdem können  staatliche Zulagen, Steuervergünstigungen und Förderungen in Anspruch genommen werden.

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Wertpapierinvestment (Fonds)

„Wenn wir von mittel- bis langfristigem Vermögensaufbau sprechen, ist hier vor allem ein Fonds oder ETF-Investment gemeint“, sagt Röske. Ein ETF („Exchange Traded Fund”) ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index, wie beispielsweise des Dax, abbildet. Im Kern vereinen ETFs die Vorteile von Aktien und Fonds in einem Produkt.  „Aber: Einzelne Aktien, Kryptos oder andere Einzelanlagen zu kaufen und zu glauben, dass das jetzt eine Altersvorsorge oder Vermögensaufbau darstellt, funktioniert oftmals nicht“, sagt Röske. Streuung ist hier das Schlagwort. „Je mehr ich mein Geld auf einzelne Unternehmen und Staaten aufteile, umso geringer wird das Risiko, Verluste zu machen und umso besser funktioniert der Vermögensaufbau mittel- beziehungsweise langfristig. In den meisten Fällen ist es hier auch möglich, höhere Renditen zu erwirtschaften als beispielsweise bei einer fondsgebundenen Versicherung. Und man hat oftmals eine höhere Flexibilität der Ein- und Auszahlung.“

Laut des Finanzplaners muss man hier die steuerliche Behandlung der Erträge sowie das Marktrisiko betrachten. Will man seine Rente antreten und der Markt ist gerade in einem Abschwung oder einer Rezession, verliert man viel Geld. Deswegen sei ein reines Fondsinvestment als konkrete Altersvorsorge allein nicht unbedingt für jeden und immer sinnvoll.

> Kapitalanlage, mehr Ertrag,  weniger Sicherheit.

Immobilien

Immobilien sind mit Sicherheit eine gute Möglichkeit, sein Vermögen zu sichern und für die Rente für sich selbst eine Entlastung der Mietkosten herbeizuführen.  Benjamin Röske:„ Es gibt nur ein Problem. Das ist der Preis. Der Medianwert für einen qm Wohnfläche liegt etwa bei 6200 Euro. Dies bedeutet, dass eine 100 qm große Immobilie im Schnitt bei 600 000 Euro liegt. Als Angestellter im Handwerk ein recht hoher Betrag für 600 bis 700 Euro Mieterleichterung im Alter.“

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Fazit

Benjamin Röske plädiert dafür, sich bereits als Geselle Gedanken um eine Altersversicherung zu machen: Weil es das Beste ist, sich auf die Gegebenheiten frühestmöglich vorzubereiten. Es gibt bei verschiedenen Produkten auf dem Finanzmarkt speziell für Lehrlinge günstigere Optionen.

Autorin

Michaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Kontakt

Benjamin Röske

Selbstständiger Vertriebspartner für Horbach

Bahnhofstraße 12

09111 Chemnitz

Tel.: 0177/8144877

benjamin.roeske@horbach.de

https://www.instagram.com/benjamin_roeske/

www.horbach.de

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