Staubschutzwand ruckzuck aufbauen

Zeit ist Geld. Wie kann ich schnell und günstig eine Staubschutzwand  auf der Baustelle errichten? Trockenbauer Uwe Thomae aus Thüringen half sich selbst: Er erfand einen Schnellspanner, der mit Dachlatten und Baumarktfolie funktioniert.

Baustellen müssen zügig eingerichtet werden. Da das Einatmen von Stäuben vermieden werden muss, sollte eine Staubschutzwand schnell und günstig  errichtet werden.  Aber wie? Vor dieser Frage stand Trockenbauer Uwe Thomae, als er 2008 bei Volkswagen einen großen Auftrag erhielt. 15 000 m² Staubschutzwand mussten her. Seine Idee: Er erfand einen Schnellspanner, der ganz einfach mit Dachlatten und Baumarktfolie funktioniert.

Der „Tomjig“-Schnellspanner ist eine Art Holzteleskop. Zwei Latten werden damit verspannt. Die Erfindung lässt sich mit Latten 30/50 mm und 40/60 mm anwenden und ermöglicht einen werkzeuglosen Gebrauch. Ein Zuschneiden ist regulär nicht mehr nötig.

46 m² große Schutzwand in drei Stunden errichtet

„Damit lässt sich zum Beispiel eine 46 m² große Staubschutzwand auch mit Holzplatten in drei Stunden errichten“, gibt Uwe Thomae ein Beispiel. Seine Firma Recknagel mit Sitz in Römhild in Thüringen vertreibt die Schnellspanner seit einigen Jahren. „Die Praxis zeigt, es gibt keine kostengünstigere Lösung als die Standard-Holzlatte und die Folie von der Rolle. Mit diesen beiden Grundmaterialien lassen sich eigentlich alle denkbaren Situationen meistern“, sagt der Erfinder.

Von der BG Bau mit 40 Prozent gefördert

Der „Tomjig“-Schnellspanner für Staubschutzwände besteht aus Spindel und Hülse. Die Spindel gibt es als Gussteil, hier für 30/50-Latten
Foto: Uwe Thomae

Der „Tomjig“-Schnellspanner für Staubschutzwände besteht aus Spindel und Hülse. Die Spindel gibt es als Gussteil, hier für 30/50-Latten
Foto: Uwe Thomae
Seine Erfindung wird von der BG Bau gefördert. Nach Abzug der Mehrwertsteuer und der 40-prozentigen Förderung koste die Anschaffung gerade mal etwa 4 Euro je m², so Thomae, wobei er von einer Raumhöhe von etwa 3 m sowie einem Ständerabstand von 2 m ausgeht. 

„Am Markt sind zwar vorgefertigte Komplettsysteme als Staubschutzwände erhältlich. Damit sind  meine Schnellspanner jedoch nicht zu vergleichen. Diese sind kein System sondern ein perfektes Werkzeug für alle, die günstig mit Dachlatten und Folien bauen“, sagt er.

Dank der robusten Hülse aus Stahlblech und einer Spindel aus Eisen seien die errichteten Trennwände sehr stabil. Seine Erfindung verbinde die positiven Eigenschaften von Holzkonstruktionen (Universalbaustoff) mit denen von Metallteleskopen (Schnelligkeit). Thomae wirbt mit der 10-Jahre-Garantie auf die Funktionstüchtigkeit.

Funktionsweise des Schnellspanners

Schritt 1: Der Schnellspanner besteht aus Spindel und Hülse. Je zwei Dachlatten werden in die „Tomjig“-Hülse gesteckt und verschraubt. Als Maße eignen sich 1,90 m und 2,10 m. Die längere Latte sollte zur Öffnung herausschauen.

Schritt 2: Nun die Spindel auf die obere Dachlatte aufschieben, das Holz auf die gewünschte Höhe ausfahren und die Spindel anziehen. Die Dachlatten können beliebig getauscht oder verlängert werden, so dass Handwerker stets die passende Arbeitshöhe haben.

Die Erfindung funktioniert auch mit Seekieferplatten
Foto: Uwe Thomae

Die Erfindung funktioniert auch mit Seekieferplatten
Foto: Uwe Thomae

Schritt 3: Die Latten werden an die betreffende Fläche/Wand geschraubt. Tipp: Bei hohen Räumen neigt eine Dachlatte zum Verbiegen. „Daher eine Querlattung anbringen, die zusätzliche Stabilität bringt“, rät Uwe Thomae.

Schritt 4: Die Folie wird angetackert. Auch hier hat der Erfinder einen Praxis-Tipp: „Wer an die Tacker-Stelle vorab ein Klebeband anbringt und den Tacker dann ansetzt, bei dem reißt die Folie nicht so schnell ab. Handwerker brauchen nicht so oft zu tackern. Außerdem sind die Hölzer nicht so schnell vollgetackert.“ Die Folie sollte zudem etwas länger sein, um einen guten Bodenabschluss zu gewährleisten. Statt Folie lassen sich ebenso Platten anbringen.

Schritt 5: Um auch die Seiten staubdicht zu verschließen, bietet sich das Anbringen einer weiteren Dachlatte oder Klebeband an. „Das Klebeband mit einer harten Bürste glattstreichen. Ähnlich wie beim Tapezieren. Dann hält es besser“, sagt der Trockenbauer.

Auf diese Weise hat Thomae schon verschiedene Staubschutzwände aufgebaut. Beispielsweise seit 2007 weit über 77 000 m² an Schutzmaßnahmen in verschiedenen Werkhallen und Bürogebäuden der Volkswagen AG Wolfsburg in den Werken Wolfsburg, Braunschweig und Hannover für diverse Generalunternehmer beziehungsweise als Lieferant für VW.

„Der Vorteil bei unserem Schnellspanner ist, dass Handwerker wirklich keine teuren Folien kaufen müssen. Es reicht die billige Folie von der Rolle und Standard-Dachlatten aus dem Baumarkt“, betont er.

Oft haben Betriebe noch Latten und können diese verwenden. Da bei anderen Fertigsystemen längere Latten nur gegen Aufpreis erhältlich seien, könnten beim „Tomjig“-Schnellspanner beliebig längere Latten eingezogen werden. Auch für die Unterdruckhaltung bei der Schadstoffsanierung sei seine Erfindung geeignet (Schwarzbereiche).

Eine Staubschutzwand aufgebaut mit Folie, Dachlatten und den „Tomjig“-Schnellspannern
Foto: Uwe Thomae

Eine Staubschutzwand aufgebaut mit Folie, Dachlatten und den „Tomjig“-Schnellspannern
Foto: Uwe Thomae
Er listet weitere Vorteile auf: Die Holzlatten sind stabiler als dünne Metallröhrchen. Die Raumgeometrie ist kein Problem – alles ist möglich. Deckensprünge, Unterzüge, Medienleitungen sind kein Hindernis. Außer Folien sind auch stabile Konstruktionen, beispielsweise mit Seekieferplatten, Hartfaserplatten oder OSB-Platten möglich.

Infos und Videos auf www.staubschutzwand.de und www.tomjig.de

Autorin

Michaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

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