Clevere digitale Produkte und Dienstleistungen für Baustelle und Büro

Das Handwerk ist längst keine klassische Branche mehr, die mit Digitalisierung nichts am Hut hat. Im Gegenteil: Wir stellen ausgewählte Start-ups und Unternehmen vor, die clevere digitale Produkte und Dienstleistungen für Handwerker entwickelt haben.

Beim Blick auf die Spritpreise heißt die Devise: Kraftstoff sparen! Das Unternehmen Webfleet aus Leipzig bietet eine Flottenmanagement-Lösung an. Mit der Telematik-Software können Kraftstoffkosten im Blick behalten und wiederkehrende Muster im Verbrauch erkannt werden. Webfleet ermöglicht Echtzeitdaten und Einblicke aus vorangegangenen Zeiträumen zum Kraftstoffverbrauch und den Emissionen der Flotte. Betriebe können ihre Touren intelligent planen, gefahrene Kilometer reduzieren und Kraftstoffkosten senken. Mit dem Tool „OptiDrive 360“ lässt sich das Fahrverhalten der Fahrer optimieren. Die Lösung helfe dabei, gezielt Coachings und Trainings anbieten zu können, die den Mitarbeitern helfen, kraftstoffsparender zu fahren, betonen die Entwickler.

Kein schweres Schleppen mehr

Kein schweres Schleppen mehr: Speditionskräfte übernehmen den Transport der Baumaterialien
Foto: Wingenroth Logistik

Kein schweres Schleppen mehr: Speditionskräfte übernehmen den Transport der Baumaterialien
Foto: Wingenroth Logistik
Von der Spachtelmasse über Türblätter bis zur Kabel-Meterware verspricht Wingenroth Logistik (WL) die termingerechte Lieferung von Baustoffen und Werkstücken exakt zum vereinbarten Arbeitsplatz oder Ablageort – auch innerhalb einer Baustelle. Das Logistikunternehmen mit Sitz in Warendorf bietet seine Services bundesweit an. So funktionierts: Der bisherige Bestellprozess (Menge, Preis, Liefertermin) zwischen Handwerker und Materiallieferant bleibt wie gehabt
bestehen. Der Handwerksbetrieb oder der Lieferant terminiert den anstehenden Transport im WL-Portal. „Wir erhalten die Infos, dass es etwas zu transportieren gibt. Wir legen dann den Transportauftrag an“, erläutert Axel Hehmann, Geschäftsführer der Wingenroth Logistik. Bedarf für einen Baulieferservice sieht Hehmann nicht zuletzt angesichts des Ziels der Bundesregierung,  jährlich 400 000 Wohnungen neu zu bauen. Diese politischen Weichenstellungen setzen die Handwerksbetriebe ebenso wie die vielfach ungelösten Personalfragen unter einen enormen Druck. „Die Betriebe arbeiten bereits unter Volllast. Wir wissen, dass die Firmen grundsätzlich offen für neue Lösungen sind“, sagt Hehmann.

Kunden-Anfragen für Maler vereinfachen

Machen „Streichfix“ bekannt: Philipp Pommer und Anja Hornikel von der Rehau New Ventures Group. Maler und Lackierer digitalisieren ihre Auftragserfassung
Foto: Michaela Podschun

Machen „Streichfix“ bekannt: Philipp Pommer und Anja Hornikel von der Rehau New Ventures Group. Maler und Lackierer digitalisieren ihre Auftragserfassung
Foto: Michaela Podschun
Darauf setzen auch  „Streichfix“ und „Euer Zuhause“. Sie gehören zur Rehau New Ventures Gruppe aus Berlin und sind erst seit einigen Monaten am Start. „Streichfix“ wendet sich an Maler und Lackierer und ermöglicht digitale Kundenanfragen. Wer einen Auftrag zu vergeben hat, kann sein gesamtes Projekt über einen Link mit Fotos einstellen. Details wie Fläche, Materialien (Putz, Farbe) und etwaige Schäden (Risse, Schimmel) werden online eingestellt.

Zeitgleich gibt es die Möglichkeit, ein Video-Gespräch zu vereinbaren. „Der Betrieb hat die Möglichkeit, sich ohne erste Vor-Ort-Termine ein Bild über die Anfrage zu machen und zu schauen, ob er dafür Kapazitäten hat“, verweist Philipp Pommer, Marketing Manager von Rehau New Ventures, auf volle Auftragsbücher. Handwerksbetriebe können online freie Zeiten einstellen. „Damit ergibt sich für Kunden ein guter Service. Denn sie sehen gleich, ob ihre Wunschfirma Zeit hat“, so Pommer. Im Hinterkopf  haben die Entwickler, ihren Service auf weitere Gewerke auszuweiten.

„Euer Zuhause“ möchte Bauinteressierte und Unternehmen zusammenbringen. Auf der Plattform tragen Bauherren alle Wünsche zu ihrem Traumhaus zusammen wie Region, Ort, Größe und Ausstattung. Anhand dieser Angaben gibt die Software verschiedene ­Grund-
risse und Unternehmen heraus. Innerhalb weniger Tage werden Bauherren von maximal zwei passenden Firmen kontaktiert. „Dabei achten wir vor allem auch darauf, dass diese aus der Region kommen. Gemeinsam kann dann in den konkreten Beratungsprozess gestartet werden“, heißt es vom Start-up.

Betriebsmittelverwaltung und Schließsystem

Das Unternehmen akii bietet ein digitales Schließsystem für die Baustelle an
Fotos: Michaela Podschun

Das Unternehmen akii bietet ein digitales Schließsystem für die Baustelle an
Fotos: Michaela Podschun
Eine digitale Betriebsmittelverwaltung lässt sich mit „Zamics“ erstellen. „Zamics“ (Zeppelin Lab GmbH in Berlin) setzt sich aus einer Hardware- und einer Software-Komponente zusammen. Die Geräte werden mit einem Transponder ausgestattet. Durch das Scannen per App lassen sich alle Informationen erfassen. „Auf welcher Baustelle befindet sich meine Rüttelplatte? Oder ist sie gerade in Reparatur? Wann ist TÜV fällig? Fragen, die jeder Handwerker schnell beantworten kann“, sagt Christian Marx von der Zeppelin Lab GmbH. Auch eine Chip-Variante zur Speicherung der Gerätedaten wird angeboten.

Das Thema Sicherheit spielt für akii aus Berlin eine große Rolle. Geboten wird ein digitales Schließsystem für die Baustelle. „Damit erledigt sich die Schlüssel-Sucherei“, ist sich Anthony Forsans, Leiter Unternehmensentwicklung, sicher. Robuste Schließzylinder und Vorhängeschlösser können für Container, Häuser und Wohnungen programmiert werden.

Komplett dem Thema Bauschäden hat sich Open Experience mit Sitz in Karlsruhe verschrieben. Per Tablet lassen sich bereits während der Baustellenbegehungen sämtliche Kratzer, Risse und weitere Auffälligkeiten mit Fotos und Text einspeisen und eine entsprechende Handlungsaufforderung ans jeweilige Bauunternehmen mailen. Details farbig markieren, Abmessungen einzeichnen sei bequem möglich, führt Martin Wagner, Mitarbeiter von Open Experience, aus. 

Per Drohne über die Baustelle

Die Ai-Survey GmbH lässt Drohnen über die Baustelle fliegen
Foto: Michaela Podschun

Die Ai-Survey GmbH lässt Drohnen über die Baustelle fliegen
Foto: Michaela Podschun
Wer sich grundsätzlich ein Bild von oben machen möchte, für den vermessen die Ingenieure von Ai-Survey aus Kassel per Drohne zu Land, zu Wasser und in der Luft. „Unsere Drohnen haben eine 100-Mega-Pixel-Kamera und können bis 120 m hoch fliegen“, berichtet Geschäftsführer Carsten Rudolph. Baufortschrittsdokumentation und Bestandserfassung gehören zu den Dienstleistungen im Baubereich. Im Live-Kompetenzzentrum in Kassel können neueste Satellitennavigationssysteme (GNSS-Lösungen) angesehen und selbst vor Ort getestet werden. 

Und schließlich noch ein Tipp, um sich zu vernetzen: „The Practory“ aus Stuttgart ist eine Info-Plattform mit mehreren Funktionen. Im Forum können Experten aus der Baubranche Meinungen austauschen, in der Academy können Kurse und Vorträge gebucht und in der Bibliothek nach Beiträgen ­gestöbert werden.  

Autorin

Michaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau

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