Ein Putz, acht Techniken
Wie sich mit dem Edelputz „CreativClassico“ von Baumit acht verschiedene traditionelle Strukturen realisieren lassenHistorische Putzstrukturen erleben eine Renaissance – nicht nur in der Denkmalpflege, sondern auch in der modernen Architektur. Mit mineralischen Edelputzen lassen sich traditionelle Techniken wirtschaftlich und sicher umsetzen. Der „CreativClassico“ von Baumit ermöglicht verschiedene Optiken.
Wenn es um Sanierung, Denkmalpflege oder bewusst handwerklich gestaltete Architektur geht, entscheidet die Oberfläche über den Charakter eines Gebäudes. Hier setzt Baumit mit dem „CreativClassico“ an: ein mineralischer Edelputz für außen und innen, der traditionelle Strukturtechniken wieder praktikabel macht – ohne dass auf heutige Sicherheit in Verarbeitung und Beständigkeit verzichtet werden muss. Der besondere Reiz: ein Material, viele Handschriften – von ruhig gefilzt bis kräftig gekratzt, von Leierputz bis Weidengeflechtoptik.
Als Teil der „Creative Classics“ verfolgt der Ansatz „Historische Putzstrukturen“ ein klares Ziel: klassische Handwerkstechniken mit Standard-Produkten praxisnah umsetzen, damit sich kulturelles Erbe bewahren lässt und gleichzeitig langlebige, nachhaltige Oberflächen entstehen – auch an moderner Architektur.
Worauf zu achten ist: Untergrund und Rhythmus
Gerade bei historischen Strukturen gilt: Die Vorbereitung entscheidet über das Bild. Der Untergrund muss sauber, tragfähig, eben und trocken sein; abgebundene Unterputze benötigen ausreichend Standzeit (Faustregel: 1 Tag pro mm). Je nach Untergrund helfen passende Grundierungen und Haftbrücken – zum Beispiel „multiContact MC 55 W“ auf Beton, „PremiumPrimer DG 27“ auf Unterputzen/Spachtelungen oder „SanovaPrimer“ bei stark sandenden Untergründen. Wer die Optik sicher treffen will, legt vorab eine Probefläche an: Konsistenz, Werkzeugführung und der „Takt“ in der Fläche werden dort festgelegt.
„CreativClassico“ wird mit sauberem Wasser zu geschmeidiger Konsistenz angerührt; im Durchlauf- oder Zwangsmischer genügt eine kurze Mischzeit (maximal etwa 3 Minuten). Aufgetragen wird von Hand mit der Edelstahltraufel oder maschinell aufgespritzt. Die Schichtdicke liegt je nach Struktur typischerweise zwischen 2 und 10 mm – und damit in einem Bereich, der sowohl feine als auch ausgeprägte, historische Oberflächen erlaubt. Wichtig für ein homogenes Ergebnis: gleichmäßig arbeiten, Kanten vermeiden und größere Flächen ohne unnötige Unterbrechungen strukturieren.
Acht zum Teil historische Techniken – ein Produkt
1. Leierputz: Der dünnflüssig eingestellte Putz wird mit der Putzleier in etwa drei Lagen aufgespritzt. Abstand und Konsistenz bestimmen Handwerkerinnen und Handwerker am besten an einer Probefläche. Das Ergebnis wirkt lebendig, leicht reliefiert und erinnert an traditionelle Fassadenbilder.
2. Uchiwa: Eine gleichmäßige Schichtdicke ist entscheidend; hilfreich ist das Vorkämmen beziehungsweise Egalisieren mit der Zahntraufel. Die Struktur wird anschließend mit der Kante einer Kelle in den Putz „geschrieben“. Weil das gratfreie Abziehen anspruchsvoll ist, eignet sich die Technik eher für kleinere Flächen oder Akzentzonen.
3. Weidengeflecht: Hier entsteht die Optik durch übereinander gehende, verflochtene Züge mit dem Rücken der Glättekelle. Die Struktur verzeiht Ansätze eher als manche anderen Techniken, dennoch bleibt eine gleichmäßige Schichtdicke hier die Basis.
4. Gekratzt: Für kratzputzähnliche Oberflächen wird kräftiger aufgetragen (etwa 8 bis 10 mm). Am Folgetag – je nach Untergrund und Witterung – wird mit geeignetem Kratzwerkzeug gekratzt; der richtige Zeitpunkt ist erreicht, wenn sich das Werkzeug nicht mehr zusetzt. Das Kornbild wirkt robust und authentisch.
5. Gefilzt: Für ruhige, hochwertige Flächen wird gleichmäßig aufgezogen und beim Ansteifen mit leicht angefeuchtetem, weißem Schwammbrett gefilzt. Eine saubere Gleichmäßigkeit verhindert unterschiedliche Filzbilder.
6. Modelliert und verwaschen: Mit Kellen (zum Beispiel Dreieckkelle eckig oder rund) wird die Fläche gleichmäßig modelliert. Soll verwaschen werden, warten Handwerkerinnen und Handwerker, bis ausreichende Festigkeit erreicht ist, der Putz aber noch bearbeitbar bleibt. Ein bewährter Trick: Frischen Mörtel dem Wasser zum Verwaschen zugeben – damit lassen sich auch kleine Poren leichter schließen.
7. Stippputz: In den frischen Putz wird mit Reisigbesen oder selbstgebauten Werkzeugen (zum Beispiel gebündelte Rundhölzer mit Zwischenräumen) gleichmäßig gestupst. Auftragsdicke, Konsistenz, Intensität und Werkzeugart bestimmen den Charakter – von fein bis sehr markant.
8. Lämmerschwanz: Die Oberfläche wird so bearbeitet, dass geschwungene, leicht überlappende Strukturen entstehen. Diese erinnern optisch an die Form eines Lämmerschwanzes. Die Struktur entsteht mit der Kelle oder dem Glätter. Typisch sind halbkreisförmige oder fächerartige Kellenzüge, die rhythmisch nebeneinander gesetzt werden.
Werkzeugfreiheit als Chance
Historische Strukturen leben vom Werkzeug – und „CreativClassico“ spielt hier seine Stärke aus: Jeder Gegenstand kann zum Strukturwerkzeug werden. Klassischer Putzerkamm, Besen, Kellen-Varianten oder selbst hergestellte Hilfen eröffnen eine große Bandbreite feinkörniger Oberflächen. Das erleichtert es, regionale oder objektspezifische Handschriften nachzubilden – und macht das Material besonders interessant für Sanierung, Rekonstruktion und bewusste Gestaltung.
Bei sehr feinen Körnungen (< 2 mm) empfiehlt sich im Außenbereich eine Armierung (zum Beispiel mit „multiContact MC 55 W“ mit „StarTex Fein“), um Spannungen sicher aufzunehmen. Und wie bei mineralischen Oberputzen üblich gilt: Ein Anstrich beziehungsweise Schutzanstrich erhöht Robustheit, Farbbrillanz und Langzeitbeständigkeit.
Fazit
„CreativClassico“ verbindet mineralische Beständigkeit mit einem seltenen Plus: der Fähigkeit, historische Putzstrukturen praxisnah auf die Baustelle zu holen. Wer den Untergrund sauber vorbereitet, eine Probefläche anlegt und im richtigen Timing strukturiert, erzielt reproduzierbare, handwerklich geprägte Oberflächen – von traditionell bis modern. So wird Baukultur nicht nur erhalten, sondern sichtbar weitergebaut. Der Standard-Farbton ist weiß, es gibt weitere Farbtöne nach dem Baumit- Farbprogramm-Life. Darüber hinaus ist er nach dem ECO-Label zertifiziert.
Praxis-Tipp: Bei allen Techniken gilt – lieber eine halbe Stunde Probefläche als zwei Tage Nacharbeit. Konsistenz, Werkzeugwinkel und das Ansteif-Timing einmal sauber festgelegt, dann läuft die Fläche gleichmäßig.
Kurze Videos zum Stippputz, Weidengeflecht, Uchiwa und Lämmerschwanz gibt es auf: www.youtube.com/@Bauhandwerk/shorts und www.instagram.com/bauhandwerk_magazin.
AutorenBarbara Wiedemann ist als Produktmanagerin und Dominik Diehl als Anwendungstechniker bei der Firma Baumit in Bad Hindelang tätig.
