Natursteinfassade der Zwiebelturmkirche in Niedersprockhövel saniert
Die Evangelische Kirche mit ihrer barocken Turmhaube ist das Wahrzeichen von Niedersprockhövel – einer Kleinstadt im südlichen Ruhrgebiet. Im Zuge ihrer Sanierung wurde auch die geschädigte Natursteinfassade instandgesetzt. Zum Einsatz kamen dabei Restaurier-Systeme von Remmers.
Mitten im Zentrum von Niedersprockhövel steht die Evangelische Kirche mit ihrem weithin sichtbaren Turm. Errichtet wurde das heutige Gotteshaus 1785 auf den Fundamenten der alten St.-Januarius-Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Aufgrund knapper finanzieller Mittel erhielt der Turm zunächst ein einfaches Pyramidendach. Die bis heute charakteristische barocke Turmhaube im Stil des Historismus folgte erst 1892 – eine so genannte „welsche Haube“ oder Zwiebelhaube, die dem Gebäude seinen bekannten Namen einbrachte. Mit ihrem markanten Erscheinungsbild ist die Kirche nicht nur ein wichtiges Zeugnis der lokalen Baugeschichte, sondern auch ein identitätsstiftendes Wahrzeichen für die Gemeinde. Im Eingangsbereich zeugen eingelassene Schlusssteine und die Glocke „Romanus“ von 1527 von der langen Historie des Ortes. Mit rund 600 Sitzplätzen ist die „Zwiebelturmkirche“ bis heute ein zentraler Ort für Gottesdienste und Begegnungen.
Die Evangelische Kirche – genannt „Zwiebelturmkirche“ – prägt mit ihrer barocken Turmhaube seit Jahrhunderten das Ortsbild von Niedersprockhövel
Foto: Hollerung Restaurierung
Aufgrund der exponierten Lage und der Gesteinsstruktur des verbauten Ruhrsandsteins war das Natursteinmauerwerk der Kirche im Laufe der Jahrzehnte zunehmend der Witterung ausgesetzt – mit erheblichen Folgen für Substanz und Erscheinungsbild. Eine umfassende Sanierung war unumgänglich. Ein detailliertes Schadensgutachten im Vorfeld zeigte ein vielschichtiges Bild: Hauptproblem waren oberflächenparallele Schalenbildungen am Ruhrsandstein, die sich in drei Typen mit unterschiedlicher Tiefe und Ausdehnung zeigten – von feinen, flächigen Ablösungen über hohle Partien bis zu tiefgreifenden und daher potenziell gefährlichen Abplatzungen, insbesondere an Leibungen, Eckquadern und Gesimsen.
Zusätzlich wurden unter den Schalen weiche, mürbe Zonen festgestellt, vereinzelt sogar Gefüge-Zerstörungen. Risse – insbesondere an der Westfassade – wiesen auf Gebäudesetzungen hin, während einzelne gelockerte Werkstücke auf mangelhafte frühere Reparaturen zurückzuführen waren. Auch das Fugennetz zeigte deutliche Mängel: Viele Bereiche waren mit hartem, dichtem Zementmörtel überfugt worden – oft nur als dünne Auflage über altem Mörtel – was zu Sekundärschäden durch Feuchtestau und fehlende Bewegungsaufnahme führte.
Fachgerechte Sanierung mit System
Abgestimmt auf das vorliegende Schadensbild entwickelte das Büro Anding Schiffers Architekten Part GmbB aus Bochum gemeinsam mit der Hartmann von Rüden Restaurierung GmbH & Co. KG und der Remmers-Fachplanung ein individuelles Sanierungskonzept mit speziellen Systemlösungen. „Gerade bei Natursteinfassaden ist es wichtig, nicht nur material-
gerecht, sondern auch denkmalverträglich zu arbeiten. Unsere Systeme ermöglichen eine passgenaue Ergänzung und Instandsetzung – funktional und ästhetisch integriert in das historische Gesamtbild“, betonen die Remmers-Fachplaner.
Reinigung der Fassade
Der Restauriermörtel „RM Pro“ von Remmers wurde in die gereinigten Fugen eingebracht
Foto: Hollerung Restaurierung
Nach der sorgfältigen Bestandsaufnahme entfernten die Handwerkerinnen und Handwerker zunächst sämtliche losen Gesteinsschalen manuell. Zudem wurden Fremdkörper wie Eisenteile und Dübel entnommen und das Fugennetz vollständig geöffnet sowie lokal aufgeweitet. Es folgte eine fachgerechte Reinigung der Fassadenflächen mit dem JOS-Verfahren – ein Niederdruck-Wirbelstrahlverfahren, das besonders materialschonend wirkt. Stark geschädigte Natursteinbereiche – darunter zahlreiche Flächen, Profilteile und Simse – wurden durch präzise gearbeitete Vierungen ersetzt. Kleinere Fehlstellen und Ausbrüche konnten mit dem speziell für die Baudenkmalpflege entwickelten Restauriermörtel „RM Pro“ ergänzt werden. Der vielseitig einsetzbare Mörtel kam sowohl bei der Reprofilierung von Steinoberflächen als auch für Kittungen zum Einsatz – stets optimal abgestimmt auf die Substanz und Farbigkeit des Bestandssteins.
Ein weiterer zentraler Arbeitsschritt war die umfassende Neuverfugung. In den tieferen Fugen wurde zunächst der objektspezifisch rezeptierte „FM Historic“-Fugenmörtel vorgelegt, bevor anschließend die Deckverfugung – ebenfalls mit dem Restauriermörtel „RM Pro“ – erfolgte. Die hohe Dampfdurchlässigkeit, die zum Bestandsmörtel passende Struktur und die Dauerhaftigkeit beider Mörtelsysteme sorgten für eine technisch wie gestalterisch überzeugende Lösung.
Silikatlasur und Schlusswäsche
Zur optischen Harmonisierung erhielten alle neu eingebrachten Steinvierungen eine passende Silikatlasur, um die Oberflächen farblich stimmig in das bestehende Fassadenbild einzubinden. Eine Schlusswäsche rundete die Arbeiten ab. „Für ein Ergebnis auf diesem Niveau braucht es neben handwerklicher Erfahrung vor allem die richtigen Materialien. Die Kombination aus ,RM Pro‘ als Deck-Fuge und ,FM Historic‘ für die Tiefenverfugung hat sich als ideal erwiesen – funktional, optisch und im Handling“, fasst Martin Hollerung, Restaurator und Projektleiter der ausführenden Fachfirma, zusammen.
Fazit
Durch sorgfältige Planung, eine gründliche Bauzustandsanalyse, fachliche Präzision, baubegleitende Beratung sowie die Verwendung hochwertiger Materialien konnte die denkmalgeschützte „Zwiebelturmkirche“ in Niedersprockhövel dauerhaft instandgesetzt werden. Ein gelungenes Beispiel für denkmalgerechte Bauwerkserhaltung, die Tradition und Technik auf gelungene Weise verbindet.
AutorChristian Hecker arbeitet in der Market Unit Baudenkmalpflege bei der Firma Remmers in Löningen.
