Neue Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb auf der IAA Transportation in Hannover

Die IAA Transportation ist zweifellos der weltweit wichtigste Branchentreff in Sachen Nutzfahrzeuge. Die internationale Messe fand in diesem Jahr vom 20. bis 25. September in Hannover statt. Wir haben uns dort umgesehen und eines der wichtigsten Themen war – wen wundert es? – die Elektromobilität.

Man konnte auf der IAA Transportation (vormals IAA Nutzfahrzeuge) in Hannover wirklich nicht übersehen, dass es den Ausstellern wichtig war, ihre neuesten elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeuge zu präsentieren. Darunter auch einige Prototypen. Vor allem im Umfeld der so genannten „Last Mile Area“ gab es allerlei Kurioses zu sehen, von dem wir auch Einiges im Folgebeitrag über Lastenräder mit Wetterschutz vorstellen. Hier soll es nur um eine ganz kleine Auswahl elektrisch angetriebener leichter Nutzfahrzeuge gehen, denn das Angebot in Hannover war enorm.

„ID. Buzz Cargo“ von Volkswagen

Der „ID. Buzz Cargo“ von Volkswagen mit Kastenaufbau Der „ID. Buzz Cargo“ von Volkswagen mit Kastenaufbau
Foto: Thomas Wieckhorst

Der „ID. Buzz Cargo“ von Volkswagen mit Kastenaufbau
Foto: Thomas Wieckhorst
Allen voran zeigte Platzhirsch VW mit seinem „ID. Buzz“ neben dem klassischen, nun elektrisch angetriebenen Bulli (Pro) seine Cargo-Variante und noch einen interessanten Prototyp dazu. Mehr als 12 500 Bestellungen liegen für den elektrisch angetriebenen VW Bus bereits vor. Die Hälfte davon betrifft die Cargo-Variante, womit man bei Volkswagen so wohl nicht gerechtet hatte – eher mit nur 30 Prozent Vorbestellungen für den Cargo-Bulli. Ab Herbst wird ausgeliefert.

Man darf wohl sagen, dass mit dem „ID. Buzz Cargo“ bei Volkswagen eine neue Ära der Transporter beginnt, was vor allem für das Handwerk von großem Interesse sein dürfte, denn so ein „ID. Buzz“ sieht nun einmal cool aus. Jetzt aber zu den harten Fakten: 150 kW (204 PS) stark ist die E-Maschine beider Modelle. Tief unten im Sandwichboden befindet sich die 77-kWh-Batterie. Damit kommt der „ID. Buzz Cargo“ (laut WLTP-Norm) bis zu 425 km weit. Sehr gut! Das ist wichtig, denn Reichweite zeigt sich auch bei den elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen als eines der wesentlichsten Kriterien. Geladen wird die Batterie an AC-Ladepunkten mit 11 kW. An DC-Schnellladesäulen steigt die Ladeleistung auf bis zu 170 kW. Mit dieser Power ist das Laden in 30 Minuten erledigt (5 auf 80 Prozent).

Und dann gab es auf der Messe bei VW noch einen Hybrid aus „ID. Buzz Pro“, also dem Elektro-Bulli für den Personentransport, und dem „ID. Buzz Cargo“ zu sehen: Der VW-Bus mit der elektrisch verfahrbaren Sitzbank mit Abschottung zur Decke hin ist zurzeit noch ein Prototyp, aber wenn er auf den Markt kommt, wäre er vor allem für Handwerksbetriebe, die zwischen Personen- und Materialtransport auf die Baustelle möglichst flexibel sein wollen, fast schon so etwas wie die berühmte „eierlegende Wollmilchsau“.

„Logistar 260“ und „Logistar 100“ von Cenntro

Der kompakte und leichte Kastenwagen „Logistar 100“ von Cenntro bietet eine Nutzlast von 525 kg bei einem Ladevolumen von 2 m3 Der kompakte und leichte Kastenwagen „Logistar 100“ von Cenntro bietet eine Nutzlast von 525 kg bei einem Ladevolumen von 2 m3
Foto: Thomas Wieckhorst

Der kompakte und leichte Kastenwagen „Logistar 100“ von Cenntro bietet eine Nutzlast von 525 kg bei einem Ladevolumen von 2 m3
Foto: Thomas Wieckhorst
Die Cenntro Electric Group Limited stellte gemeinsam mit ihrer Tochtergesellschaft Cenntro Automotive Europe GmbH zwei neue vollelektrische Nutzfahrzeuge auf der Messe in Hannover vor. Der „Logistar 260“ (kurz „LS260“) definiert eine neue Größe im Transportersegment des Herstellers (Fahrzeugklasse N1). Mit einer Länge von 5,50 m, einer Breite von 1,85 m und einer Höhe von 2 m bietet er eine Ladekapazität von 7,5 m3. Über die beiden seitlichen Ladetüren und über die Hecktüren mit einer Ladeöffnung von bis zu 270° lassen sich Werkzeuge und Baustoffe bequem verladen. Zusammen mit einer Nutzlast von rund 1280 kg und einer Reichweite von bis zu 270 km zielt der „LS260“ zuallererst auf das Handwerk, aber auch auf Kurier-, Express- und Paketdienste. Ausgeliefert wird in Europa im ersten Quartal des kommenden Jahres. Cenntro geht davon aus, dass der „Logistar 260“ alle Normen und Anforderungen erfüllt und damit spätestens Ende des Jahres die EU-Typgenehmigung erhält.

Der „Logistar 100“ (kurz „LS100“) hat bereits im Juli dieses Jahres alle Homologationstests abgeschlossen und im August die EU-Typgenehmigung erhalten. Damit ist er für den Verkauf in allen EU-Mitgliedstaaten zugelassen. Mit einer Reichweite von 120 km, einer Nutzlast von 525 kg und einem Ladevolumen von 2 m3 ist der kompakte und leichte Kastenwagen mit seiner Kombination aus Laderaum und mehreren Einstiegsmöglichkeiten an der Seite und am Heck ebenfalls für Handwerksbetriebe gedacht. 

„Evetta Cargo“ und „XBUS S“ von ElectricBrands 

Wie beim historischen Vorbild, der „Isetta“ von BMW, steigt man auch in die „Evetta Cargo“ von ElectricBrands über die Fronttür ein Wie beim historischen Vorbild, der „Isetta“ von BMW, steigt man auch in die „Evetta Cargo“ von ElectricBrands über die Fronttür ein
Foto: Thomas Wieckhorst

Wie beim historischen Vorbild, der „Isetta“ von BMW, steigt man auch in die „Evetta Cargo“ von ElectricBrands über die Fronttür ein
Foto: Thomas Wieckhorst
Und dann ist uns da noch die „Evetta“ ins Auge gefallen. Als ich vor Jahren im BMW-Museum in München vor der „Isetta“ stand, dachten ich: Daraus müsste man doch ein Elektroauto machen – oder? Siehe da, ein paar Jahre später gab es die ersten Prototypen: In der Schweiz den „Microlino“ – eine moderne Interpretation der „Isetta“ – und in Delbrück bei Artega den „Karo“, der sich als Retro-Variante im Wesentlichen am Original orientiert. Nun heißt der „Karo“ „Evetta“ und soll nicht mehr in Delbrück, sondern in Itzehoe bei ElectricBrands gebaut werden, die das Fahrzeug von Artega jüngst übernommen haben. Zu unserer Überraschung gab es auf der Messe auch zwei Cargo-Varianten als Prototypen des Retrofahrzeugs zu sehen, von denen eine auch als „Markenbotschafter“ fürs Handwerk geeignet wäre.

Wie auch beim historischen Vorbild steigt man in die „Evetta Cargo“ über die Fronttür ein. Geöffnet wird das Fahrzeug allerdings ganz modern per App. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 90 km/h, die Reichweite bei 150 km. Der Radstand beträgt etwa 2 m. Die „Evetta Cargo“ ist nur 1,5 m breit, 1,8 m hoch und immerhin 3,5 m lang. Das liegt am Laderaum, dessen 1950 Liter Volumen bei etwa 600 kg Zuladung das kleine leichte Fahrzeug (Gewicht inklusive Batterie etwa 800 kg) geradezu zu einem „Raumwunder“ machen. 

Neben der „Evetta Cargo“ zeigte ElectricBrands auf der Messe den Prototyp „XBUS S“, den es mit Kofferaufbau oder als Pritsche geben soll Neben der „Evetta Cargo“ zeigte ElectricBrands auf der Messe den Prototyp „XBUS S“, den es mit Kofferaufbau oder als Pritsche geben soll
Foto: ElectricBrands

Neben der „Evetta Cargo“ zeigte ElectricBrands auf der Messe den Prototyp „XBUS S“, den es mit Kofferaufbau oder als Pritsche geben soll
Foto: ElectricBrands
Ganz anders kommt der ebenfalls von ElectricBrands auf der Messe als Prototyp gezeigte „XBUS S“ daher, den es mit Kofferaufbau oder als Pritsche geben soll: Das nur 1,43 m breite, 1,73 m hohe und 3,20 m lange Fahrzeug verfügt über einen elektronisch gesteuerten Allrad-, Front- und Heckantrieb. Die Batterie hat eine Leistung von insgesamt 18,4 kWh, davon 8,4 kWh festverbaut. Optional kann man den Speicher durch tauschbare Batterien um weitere 10 kWh erweitern. Die Reichweite liegt bei bis zu 120 km. Je nach Aufbau bietet der „XBUS S“ eine Traglast mit Fahrer von ungefähr 750 kg bei einem Ladevolumen von bis zu 1656 Litern.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschrift bauhandwerk.

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