Sanierungssprint in Herford: Coach Klaus Barkmann modernisiert Bungalow von 1974
Komplette Gebäudesanierungen in nur 25 Tagen: Das ist das Ziel von Klaus Barkmann, Energieberater und Sanierungscoach aus Bielefeld. Er hat den ursprünglich vom Hamburger Ingenieur Ronald Meyer entwickelten Sanierungssprint jetzt für Ostwestfalen übernommen. Im Herforder Stadtteil Elverdissen läuft sein zweites Turbo-Objekt: die Kernsanierung eines Bungalows aus den 1970er-Jahren.
„Ich möchte zeigen, dass ein Haus deutlich schneller fertig werden kann und nicht erst in mehreren Monaten oder gar Jahren“, sagt Klaus Barkmann. 2024 gründete er Nexecon, sein Beratungsunternehmen für energetische Gebäudesanierung und Energieberatung mit Sitz in Bielefeld.
Barkmanns erstes Projekt im vergangenen Jahr war ein Zweifamilienhaus in Bielefeld-Ummeln von 1957. Dort setzte er bereits den klaren Fokus auf eine extrem kurze Sanierungszeit von 30 Tagen. Nexecon übernimmt dabei die vollständige Koordination: Projektentwicklung, Erstellung individueller Sanierungsfahrpläne (iSFP) und Baubegleitung.
Sanierungssprint in Herford: Der Bungalow im Stadtteil Elverdissen ist das zweite Projekt von Sanierungscoach Klaus Barkmann
Foto: Michaela Podschun
Damit punktete der Sanierungscoach beim Ehepaar Mandl aus Herford. „Wir haben uns einen zentralen Ansprechpartner für eine schnelle Sanierung unseres Bungalows gewünscht. Denn wir haben kaum handwerkliche Expertise und wollten uns um die Arbeiten so wenig wie möglich kümmern“, schildert Dr. Attila Mandl. Das Gebäude haben die Großeltern seiner Frau 1974 gebaut. Damals entstand in Herford rund um das Freibad in Elverdissen eine ruhige Siedlung mit guter Verkehrsanbindung an die Innenstadt und die Nachbarkommune Bielefeld. „Wir haben die Großeltern oft besucht. Von daher hängen wir an dem Haus und wollen es wieder herrichten. Nach dem Tod des Großvaters stand es zwei Jahre leer“, erzählt Dr. Mandl.
Sanierungs-Bedarf ist groß: Undichtes Dach, nasser Keller, veraltete Elektrik
Der Aufwand ist erheblich. In all den Jahren sei der Bungalow kaum renoviert beziehungsweise modernisiert worden. Nur das Bad war vor einigen Jahren erneuert worden. Das Dach ist undicht, der Keller komplett nass aufgrund eines Wasserschadens. Heizung, Fenster und sämtliche elektrische Leitungen sind veraltet. „Das ist nicht in 25 oder auch 30 Tagen zu schaffen. Wir mussten zuerst den Keller trocken kriegen“, war Klaus Barkmann von Anfang an klar. Und so veranschlagte er rund drei Monate Sanierungszeit.
Dabei greift er auf ein Netzwerk aus rund 30 regional ansässigen Handwerksbetrieben zurück, die sich den Herausforderungen eines Sanierungssprints stellen. „Wir haben keine großen zeitlichen Spielräume, alles ist eng getaktet. Das klappt nicht mit jeder Firma. Alle müssen sich der drastisch kurzen Zeit im Klaren sein“, betont Barkmann. Sprich: Mannschaft und Material müssen parat stehen, etwaige Krankheitsausfälle müssen schnell kompensiert werden. Sämtliche Kommunikation läuft über WhatsApp. Abstimmungen zwischen den verschiedenen Gewerken laufen täglich übers Handy oder vor Ort.
Trotz sorgfältiger Planung passieren Pannen
Obwohl Barkmann sorgfältig plant, kommt doch etwas dazwischen. Beim Objekt in Bielefeld stieg plötzlich ein Betrieb aus. Als eine neue Firma gefunden war, kam die Winterpause dazwischen. Das Haus in Bielefeld war aber dennoch in drei Monaten bezugsfertig.
Größte Herausforderung: Der Keller des Bungalows war extrem nass. Die Feuchtigkeit zog sich an den Wänden hoch
Foto: Klaus Barkmann / Nexecon
Auch in Herford läuft nicht alles glatt: Die Trockenlegung des Kellers, wo es seit 30 Jahren Feuchtigkeitsprobleme gibt, dauerte doch länger als gedacht. Ab Anfang April liefen schon die Trocknungsmaschinen. Die Mitarbeiter von RückbauPro aus Steinhagen fingen daher zuerst mit der Entkernung der anderen Räume - Küche, Wohnzimmer, Badezimmer und Kinderzimmer - an. Um den Zeitplan zu halten, ging es nach Ostern aber doch schon nach unten. „Normalerweise hätten wir das alte Mauerwerk in zwei Tagen abgeschlagen. Aber hier stand die Feuchtigkeit so hoch an den Wänden, dass wir fast zwei Wochen gebraucht haben. Der Altputz war so nass, dass wir ihn nur langsam in breiiger Masse abtragen konnten“, berichtet Sergej Schulz, Geschäftsführer von RückbauPRO. Zum Glück habe man im Gebäude aber kein Asbest gefunden, so dass es keine weiteren Probleme und Zeitverzögerungen bei der Entkernung gab.
Womit aber keine gerechnet hat waren die schadhaften Zwischenwände. Da das Mauerwerk etliche Risse und Löcher aufwies und nicht mehr standsicher war, entschieden sich Bauherr und Sanierungscoach für Trockenbauwände mit Gipskartonplatten. Diese wurden im Flur, im Eltern-Schlafzimmer, zwischen den Kinderzimmern sowie in der ehemaligen Küche montiert.
„Ich kriege so einen Sanierungssprint hin. Auch bei dem ersten Projekt in Bielefeld war ich dabei. Man muss einfach flexibel sein. Und wir Handwerker kennen uns untereinander und wissen, wie wir alle arbeiten“, sagt Sergej Schulz. Auch er will zeigen, dass Sanierungen schnell gehen können. „Es ist doch schön, wenn wir Gebäude erhalten und die Menschen nicht entwurzeln müssen. Sie können weiterhin in ihren Immobilien leben, die aber dann energetisch auf dem neuesten Stand sind“, betont er.
Da eine Abdichtung von außen nicht infrage kam, wurden Vertikalsperren in den Kellerwänden eingesetzt. Zudem nimmt ein Feuchtigkeitsputz überschüssige Nässe aus dem Mauerwerk auf
Foto: Michaela Podschun
Auch er lässt sich wegen des nassen Kellers nicht aus der Ruhe bringen. Da eine Abdichtung von außen bei dem Reihenendhaus nicht infrage kam, wurde eine neue Abdichtung von innen in Form einer Vertikalsperre installiert. Dies übernahm das Team von Sicco.Bauwerksabdichtung aus Steinhagen. Darauf folgte ein Feuchtigkeitsputz.
Die Sanierung des Flachdachs mit Einbau neuer Lichtkuppeln liegt in der Verantwortung von Robag Dachbau aus Blomberg. Die Dämmfüchse aus Steinhagen bringen eine Einblasdämmung aus Glaswolle als Zwischensparrendämmung auf.
Neue Fenster mit 3-Fach-Verglasung
Im Wohnzimmer wurden neue Fenster eingebaut
Foto: Michaela Podschun
Im April wurden bereits neue Fenster mit 3-Fach-Verglasung und elektrische Rollläden eingebaut. Danach entfernten die Handwerker von RückbauPRO den Kamin in der Mitte des Wohnzimmers samt des einen Meter dicken Schornsteins aus Stahlbeton. Dadurch entsteht mehr Platz, um eine offene Küche im Wohnzimmer zu integrieren. Auch die Wand zwischen ehemaliger Küche und Wohnzimmer wurde entfernt.
Geplant sind außerdem: Ein neuer Estrich im Keller- und Erdgeschoss inklusive einer Fußbodenheizung, Erneuerung der Eingangs- und Kellertür, die Sanierung des Bads und des WCs inklusive aller Wasser- und Abwasserleitungen, Installation einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, Sanierung der Hauselektrik, Erneuerung der Decken im Erdgeschoss, Verlegung von Design-PVC im gesamten Haus, Aufbereitung der Terrasse, Sanierung des Kellerzugangs inklusive neu gegossener Treppenstufen und Abdichtung, eine neue Küche, Montage neuer Zimmertüren und Sockelleisten sowie Malerarbeiten (Spachtel, Spachtelvlies, Streichen aller Wände und Decken im Erdgeschoss).
Offener Wohn-Küchenbereich mit direktem Zugang zur Terrasse
Ein Handwerker von RückbauPRO entfernt die alte Deckenverkleidung im Wohnzimmer. Zu sehen ist auch der Kamin, der abgetragen wurde
Foto: Michaela Podschun
Der Grundriss des Bungalows mit 5 Zimmern hat dem Ehepaar Mandl schon von Anfang an gefallen. Die Wohnfläche beträgt 142 m2, die Nutzfläche insgesamt 266 m2. Das Grundstück ist 439 m2 groß. Der offene Wohn-Küchenbereich mit direktem Zugang zur Terrasse erhält genügend Licht durch eine Reihe bodentiefer Fenster. Auch die beiden Kinderzimmer haben jeweils eine Terrassentür, die zum Garten hinausführt. Das Ehepaar möchte mit seinen zwei kleinen Kindern aber dennoch im eigenen Haus leben, das nur zehn Minuten vom Bungalow entfernt ist. „Als Altersruhesitz können wir uns den Bungalow aber dennoch gut vorstellen. Daher wollen wir ihn nach der Sanierung auch nicht verkaufen, sondern vermieten“, sagt Mandl. Ab 1. August soll er bezugsfertig sein.
Und Klaus Barkmann hat schon längst mit den Planungen seines dritten Sprints begonnen: Es geht ins Lipperland nach Lemgo. Auch wenn er die 25 beziehungsweise 30 Tage noch nicht geschafft hat, bleibt er ehrgeizig: „Ich möchte pro Jahr 12 Gebäude sanieren.“
Die Berichterstattung zum Sanierungssprint in Herford wird laufend aktualisiert und ist in der November-Ausgabe der bauhandwerk als Top Thema zu finden.
AutorinMichaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.
Klaus Barkmann für Sanierungssprint ausgezeichnet
Sanierungscoach Klaus Barkmann gehörte im Dezember 2024 zu den Preisträgern des vom NRW-Wirtschaftsministerium und NRW.Energy4Climate ausgelobten Wettbewerbs „Sanierungssprint.NRW“. Die Jury hob insbesondere die Übertragbarkeit seines Ansatzes hervor. Das ausgezeichnete Bielefelder Projekt sollte zeigen, wie sich energetische Komplettsanierungen standardisieren und beschleunigen lassen. Klaus Barkmann ist mit Herzblut dabei: „Die Sanierungsquote in Deutschland liegt derzeit bei 0,67 Prozent. Drei bis fünf Prozent seien nötig, damit Deutschland die Klimaziele bis 2045 erreicht“, stellt er heraus. Er möchte dazu beitragen. Zudem wolle kein Eigentümer bis zu zwei Jahre auf einer Baustelle leben. Klaus Barkmann ist Industriemechaniker, hat eine Weiterbildung zum Maschinenbautechniker und arbeitete drei Jahre als Qualitätsmanager in der Industrie. 2024 machte er sich mit seiner Beratungsfirma Nexecon selbstständig.
Mit dem Wettbewerb, an dem Barkmann teilnahm, möchte NRW einen ersten großen Schritt in Richtung Skalierung des Sanierungssprints machen. Ute Czylwik, Leiterin des Gebäudebereichs bei der DENEFF und Mitglied der Wettbewerbsjury, erklärt: „Mit dem Sanierungssprint-Wettbewerb geht NRW voran. Wir bei der DENEFF freuen uns besonders darüber, dass dieser innovative Ansatz nun mit den Projekten in Köln, Bonn und Bielefeld in Breite getragen wird. Der Wettbewerb trägt dazu bei, das enorme Potenzial des Ansatzes für den Sanierungsmarkt zu erschließen und die Sanierungsquote in Deutschland zu steigern.“
Die DENEFF ist die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz. Sie wurde 2010 gegründet und versteht sich als Interessenvertretung für Energieeffizienz in Deutschland. Mitglieder sind Unternehmen und Organisationen aus verschiedenen Bereichen, beispielsweise Gebäudesanierung, Heizungs- und Gebäudetechnik, Energieberatung, Mess- und Regeltechnik, Forschung und Beratung. Die DENEFF setzt sich politisch für mehr Energieeffizienz ein.
Das Motto des Landes NRW heißt: „Der Sanierungssprint: Einfach. Effizient. Innovativ.“
