Wetterschutzdächer auf Baustellen: Welche Systeme sich wofür eignen

Regen, Schnee oder Hitze können Bauarbeiten verzögern und Materialien schädigen. Wetterschutzdächer schaffen geschützte Arbeitsbedingungen und ermöglichen einen weitgehend wetterunabhängigen Bauablauf. Je nach Bauaufgabe kommen unterschiedliche Systeme infrage.

Wetterschutzdächer ermöglichen das Bauen bei Wind und Wetter und sind heute ein zentrales Instrument für termin- und qualitätssicheren Bauablauf. Sie schützen Bauwerke sowie Handwerkerinnen und Handwerker. „Regen, Schnee, UV-Strahlung oder Hitze können den Baufortschritt verzögern. Mit Wetterschutzdächern und beheizbaren Einhausungen ist es beispielsweise möglich, bei Minusgeraden zu betonieren“, erläutert Werner Portugall, Referent der Hauptabteilungsleitung Prävention. Zudem wird für die Mitarbeiter eine geschützte Arbeitsumgebung geschaffen. Es gibt weniger rutschige Bedingungen, noch sind die Handwerker der prallen Sonne im Sommer ausgesetzt. 

Wetterschutzdächer ermöglichen einen ungestörten Bauablauf
Foto: Peri Deutschland

Wetterschutzdächer ermöglichen einen ungestörten Bauablauf
Foto: Peri Deutschland
Außerdem werden das Gebäude sowie die Werkzeuge und Materialien vor Feuchtigkeit, Hitze und eventuell weiteren Folgeschäden geschützt. „In Skandinavien sind Wetterschutzdächer sehr verbreitet. Bei uns kommen sie verstärkt im Holzbau oder einer Sanierung im Bestand zum Einsatz“, so Werner Portugall.  Allgemein gilt: Ein Wetterschutzdach wird immer auf eine Stützkonstruktion (zum Beispiel bestehende Bauwerkteile, Stahlkonstruktion, Stützgerüst) aufgelagert. Wetterschutzdächer zählen oft zum Spezialgerüstbau, daher ist ein individueller Standsicherheitsnachweis erforderlich. Dieser kann durch einen statischen Nachweis im Einzelfall oder gegebenenfalls eine Typenberechnung des Herstellers erfolgen.

Zu beachten ist auch die richtige Dimensionierung. Denn ein zu großes System verursacht Kosten und kann den Bauablauf verhindern statt erleichtern. In der Praxis haben sich drei Grundsysteme etabliert, die sich vor allem in Tragstruktur, Eindeckung und Einsatzbereich unterscheiden.

1. Kederdach-Systeme (Planendächer)

Die Konstruktion besteht aus einem leichten Aluminium- oder Stahlgitterträger, bespannt mit PVC-Planen, die über ein Kedersystem in Führungsschienen eingezogen werden. Kederdächer gelten als Standardlösung im Gerüstbau. Die Planen lassen sich vergleichsweise schnell montieren und bei Bedarf öffnen oder verschieben. Sie haben allerdings eine begrenzte Tragfähigkeit bei Schnee. Zu den typischen Einsatzbereichen gehören Dachsanierungen, Wohnungsbau sowie kurzfristige Maßnahmen.

2. Kassettendächer / Trapezblechdächer

Das sind stabile Tragwerke mit fest montierten Dachschalen (zum Beispiel Trapezblech oder Kassettenelemente). Diese Systeme sind deutlich robuster und für höhere Lasten ausgelegt. Sie kommen häufig bei längeren Bauzeiten oder exponierten Lagen zum Einsatz. Sie haben allerdings ein höheres Eigengewicht und eine aufwendigere Montage. Oft ist ein Kran erforderlich.

3. Einhausungen (komplett geschlossen)

Die Einhausung aus dem „Peri Up“-Gerüstbaukasten ist lichtdurchlässig und dennoch blickdicht
Foto: Peri Deutschland

Die Einhausung aus dem „Peri Up“-Gerüstbaukasten ist lichtdurchlässig und dennoch blickdicht
Foto: Peri Deutschland
Einhausungen sind eine Kombination aus Wetterschutzdach und seitlicher Verkleidung (Planen, Kassetten oder Paneele), teilweise ergänzt durch Heiz- oder Klimasysteme. Diese Systeme schaffen eine nahezu geschlossene Bauumgebung und ermöglichen Arbeiten unabhängig von äußeren Bedingungen. „Es ist hier beispielsweise möglich, eine hohe Staubentwicklung abzusaugen“, so Werner Portugall. Ein sehr hoher Material-und Montageaufwand und eine erhöhte Anforderung an Lüftung und Sicherheit gehören hier zu den Nachteilen. Typische Einsatzbereiche sind Denkmalpflege und Schadstoffsanierung.

Die Gerüsthersteller bieten Wetterschutzdächer mit verschiedenen Spannweiten an. Der Aufbau des Daches ist zudem so angelegt, das einzeln verschiebbare Binderpaare das Öffnen des Daches für Materiallieferungen ermöglichen.

Weitere Infos gibt es bei der BG Bau unter:

www.bgbau.de/service/angebote/medien-center-suche/medium/wetterschutzdaecher

Autorin

Michaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 12/2021

Sicher bauen bei jeder Witterung

Nach der VOB/B gehört es zu den Pflichten von Bauunternehmen, dass sie in ihr Angebot die Witterungseinflüsse während der Ausführungszeit kalkulatorisch mit einrechnen. Referenzwerte dafür werden...

mehr
Ausgabe 04/2015

Kederdach XL für Arbeiten am Schloss Vincennes

Das südöstlich von Paris gelegene Schloss Vincennes (Château de Vincennes ) wird seit Anfang 2014 umfangreich renoviert. Die Festungsanlage aus dem 14. Jahrhundert gilt als die größte noch...

mehr
Ausgabe 11/2017

Wetterschutz während der Sanierung der Würzburger Festung Marienberg

Die Festung Marienberg ist durch ihre Erscheinung nicht nur ein eindrucksvolles Bauwerk aus alter Zeit, sondern auch ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt Würzburg. Blickten Interessierte...

mehr
Ausgabe 10/2020

Berufsbekleidung schützt gegen Regen, Wind und Schnee

Auf der Baustelle kein Dach ?ber dem Kopf? Kein Problem: Das Outdoor-Kleidungskonzept von Planam zum Schutz gegen k?hle Temperaturen und N?sse umfasst w?rmende Fleece- und wasserdichte Regenschutz-Jacken Foto: Panam

In der Baubranche wird rund ums Jahr gearbeitet. Daher sind viele Beschäftigte den Launen der Natur ausgesetzt, die im Herbst als Dauerregen vom Himmel herunterprasseln und als Sturm um die Mauern...

mehr
Ausgabe 12/2023

Wetterschutzdach für die Kapelle St. Antonius in Raunertshofen

Die Vormontage der LGS Binderelemente erfolgt sicher am Boden

Wenn man von Sanierungsarbeiten bei Kulturbauten spricht, denkt man unweigerlich an solch bedeutende Bauwerke wie das Ulmer Münster, Schloss Neuschwanstein oder die Burg Hohenzollern. Und auch an...

mehr