Workwear-Trends auf der Baustelle: Stretch, Passform und neue Materialien

Im rauen Arbeitsumfeld des Bauhandwerks trägt die richtige Berufskleidung entscheidend dazu bei, körperliche Belastungen abzumildern und Bewegungsabläufen den nötigen Raum zu geben. Wichtige Faktoren sind optimierte Passformen für Damen und Herren sowie elastische Materialien.

Haix setzt für seine „Flextreme“-Kollek-
tion auf angepasste Schnitte, integrierte Stretcheinsätze und abriebfeste Materialien, die der Workwear Flexibilität und Robustheit verleihen
Foto: Haix

Haix setzt für seine „Flextreme“-Kollek-
tion auf angepasste Schnitte, integrierte Stretcheinsätze und abriebfeste Materialien, die der Workwear Flexibilität und Robustheit verleihen
Foto: Haix
Komfortable Kleidung aus Stretch-Materialien ist bei Berufs- und Schutzkleidung längst Standard, obwohl elastische Eigenschaften bei der Arbeit nicht in jeder Situation zwingend notwendig sind. Trotzdem haben Hosen und Oberteile mit mehr Bewegungskomfort die klassischen Polyester-Baumwoll-Mischgewebe und Baumwollmaterialien immer weiter verdrängt. Inzwischen macht sich ein neuer Trend breit: Workwear wird aus Vollstretch-Materialien gefertigt, die nach Herstellerangaben den Tragekomfort noch weiter verbessern.Dank der hoch flexiblen Textilien folgt die Kleidung fließend den Bewegungen des Körpers, was den Aktionsradius vergrößert und die Anfälligkeit für Materialrisse verringert. Sie reduziert Einschränkungen bei knienden, kletternden oder über Kopf ausgeführten Tätigkeiten. Dadurch kann sie auch Ermüdungserscheinungen entgegenwirken, die im Lauf eines Arbeitstags durch schlecht sitzende Workwear auftreten können.

Die Art der Arbeit bestimmt die richtige Kleidung

Eine ergonomische Passform sowie funktionale Details, wie vorgeformte Knie- und Ellbogenpartien oder Entlastungsfalten im Schulterbereich, sind für Blåkläder entscheidende Kriterien für Berufskleidung mit hohem Tragekomfort
Foto: Blåkläder

Eine ergonomische Passform sowie funktionale Details, wie vorgeformte Knie- und Ellbogenpartien oder Entlastungsfalten im Schulterbereich, sind für Blåkläder entscheidende Kriterien für Berufskleidung mit hohem Tragekomfort
Foto: Blåkläder
Die Entscheidung für besonders dehnbare Arbeitskleidung sollte sich nach ihrem Nutzen im Arbeitsalltag und ihrem Preis richten. Bei Abbrucharbeiten etwa soll der Körper in erster Linie gegen Schmutz und mechanische Verletzungen geschützt werden, was eine robuste, schwerere Workwear, vorzugsweise aus Mischgeweben, voraussetzt. Stretch-Materialien sind bei solchen Arbeiten ungeeignet; sie sind leichter und verschleißen schneller bei mechanischer Beanspruchung. Trotzdem kann auch „klassische“ Arbeitskleidung komfortabel gearbeitet sein. Vorgeformte Knie- und Ellbogenpartien, Entlastungsfalten im Schulterbereich oder Rücken gleichen die Zug- und Druckbelastungen aus, die auf den Nähten lasten und verringern deren vorzeitige Abnutzung. Aber auch ein so genannter Autofahrer-Bund in Bundhosen oder elastische Einsätze in beanspruchten Zonen wie dem Schritt- oder Taillenbereich von Latzhosen verleihen einer Workwear mehr Bewegungsfreiheit. Dabei hängt der Grad der hinzugewonnenen Ungezwungenheit von der verarbeiteten Stretchkomponente ab:  2-Wege-Stretch wird eingesetzt, wenn überwiegend Quer- beziehungsweise seitliche Elastizität benötigt wird, 4-Wege-Stretch-Material sorgt für Hoch- und Querflexibilität.

Entscheidend: Die richtige Konstruktion

Ein weiteres Merkmal für den Komfort ist die Passform der Workwear, die der individuellen Schnittgestaltung der Hersteller unterliegt. Aus diesem Grund fallen Kollektionen mit identischer Konfektionsgröße bei verschiedenen Anbietern sehr unterschiedlich aus. Wer einen Wechsel seiner Arbeitskleidung plant, sollte daher unbedingt die Maßtabellen der in Frage kommenden Produzenten anschauen und mit seinen eigenen Körpermaßen vergleichen – oder gegebenenfalls zu einem Mietservice-Anbieter wechseln. Die textilen Dienstleister führen verschiedene Sortimente im Programm und übernehmen neben einer Beratung auch eine Anprobe der Kleidung im Betrieb.

Dassy verfolgt ein Stufenkonzept, das Handwerkern Lösungen für ihr Budget und ihre Anforderungen ermöglicht. Workwear mit einem guten Komfortniveau hat sinnvoll platzierte Stretchelemente. Das Premium-Segment besteht aus Vollstretch-Geweben
Foto: Dassy

Dassy verfolgt ein Stufenkonzept, das Handwerkern Lösungen für ihr Budget und ihre Anforderungen ermöglicht. Workwear mit einem guten Komfortniveau hat sinnvoll platzierte Stretchelemente. Das Premium-Segment besteht aus Vollstretch-Geweben
Foto: Dassy
Zur Dienstleistung gehören, sofern notwendig, auch Änderungsarbeiten wie das Kürzen der Hosenbein- oder Ärmellänge, das Applizieren des Firmenlogos und vieles mehr. Zum Selbstverständnis moderner, bequemer Berufskleidung gehört längst auch ein ganzheitliches Konzept aus Damen- und Herrenmodellen.

Hosen und Oberteile in Damenschnitten (und mit Stretch) erleichtern Mitarbeiterinnen die Arbeit, weil die Kleidung gut sitzt, nicht kneift oder sie in der Bewegung einschränkt. Und da die Linien für Männer und Frauen nach identischen Designkriterien gestaltet sind, ist auf der Baustelle ein einheitliches Auftreten beider Geschlechter gegeben.

Der Komfortgrad ist auch eine Frage des Budgets

Ein spezielles 4-Wege-Stretch-Material verleiht der „e.s.dynashield“-Reihe von Strauss Bewegungskomfort in alle Richtungen. Zudem ist es weich auf der Haut, abriebfest, wasserabweisend und schnelltrocknend
Foto: Strauss

Ein spezielles 4-Wege-Stretch-Material verleiht der „e.s.dynashield“-Reihe von Strauss Bewegungskomfort in alle Richtungen. Zudem ist es weich auf der Haut, abriebfest, wasserabweisend und schnelltrocknend
Foto: Strauss
Die Stretch-Komponente und deren Ausführungsstufe haben Workwear verändert, und mit ihr auch den Preis. Standardkleidung ohne „Schnickschnack“ findet sich im günstigeren Preisniveau. Hybride Kleidungsstücke mit strategisch platzierten Stretch-Einsätzen in bewegungsintensiven Bereichen sind teurer. Der Preis steigt weiter, wenn Stretch-Elemente mit robusten, abriebfesten Materialien (zum Beispiel Cordura, Stretch-Cordura oder keramisch beschichtete Gewebe) für die beanspruchten Partien einer Kleidung kombiniert werden.

Kollektionen aus hochwertigem, belastbarem Vollstretch-Material zählen zum Premium-Preissegment. Damit Komfort in verschiedenen Preisklassen verfügbar ist, bieten einige Hersteller ihre Kollektionen in aufeinander aufbauenden Ausführungsstufen an. Sie wollen sicherstellen, dass Handwerkerinnen und Handwerker eine zu ihrem Budget und ihren Bedürfnissen passende Lösung wählen können.

Die richtige Pflege entscheidet über den Erhalt der Elastizität

Auch wenn flexible Materialien mehr Freiheitsgrade in die Berufskleidung bringen, sind die Pflegebedingungen für die Kleidung deutlich strenger. Denn elastische Materialien reagieren sensibler auf häufiges Waschen und Trocknen. Damit die Elastizität der Gewebe über die gesamte Lebensdauer des Kleidungsstücks erhalten bleibt, muss die Pflegeanleitung genau befolgt werden. Üblicherweise sind Stretchprodukte von bekannten Herstellern problemlos bei 60 °C waschbar; Ausnahmen bilden Softshelljacken.

Aus Gründen der längeren Haltbarkeit setzt Mewa elastische Elemente ein und übernimmt die komplette Pflege der Kleidung
Foto: Mewa

Aus Gründen der längeren Haltbarkeit setzt Mewa elastische Elemente ein und übernimmt die komplette Pflege der Kleidung
Foto: Mewa
Wer die vom Produzenten angegebenen Wasch- oder Trocknertemperaturen jedoch überschreitet, riskiert ein frühes Aus für seine Workwear: Bei hohen Temperaturen kommt es zu negativen Veränderungen in der Materialstruktur und der Passform, die Kleidung leiert aus und sitzt nicht mehr richtig. Dieses Schicksal teilen übrigens auch Teile, die regelmäßig bei intensiver UV-Strahlung getragen werden sowie Artikel aus minderwertigen Textilien, die bei den extremen Belastungen im Bauhandwerk und nach wenigen Wäschen in die Knie gehen. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, hilft auch hier ein Blick aufs Pflegeetikett: Langlebige Stretch-Gewebe enthalten 3 bis 10 Prozent Elastolefin- oder Elastomultiesterfasern (offizielle Kürzel sind EOL und EME), die sogar eine industrielle Wäsche aushalten.

Mehr Freiheitsgrade in Details

Komfort spiegelt sich nicht mehr nur in der Passform und dem Material, sondern seit Neuestem auch in der individuellen Form und Funktion von Hosentaschen wider. Anstelle fest aufgenähter Holstertaschen werden Hosen quasi „nackt“ ausgeliefert und können nach Bedarf flexibel um gewerkespezifische Taschen ergänzt werden.

Durch partielle Stretcheinsätze im Knie-, Gesäß- und Schrittbereich passt sich die hybride Stretchhose von Kübler an die Bewegungen der Trägerinnen und Träger an, was einen guten Tragekomfort bringt und modische, körpernahe Schnitte zulässt
Foto: Kübler

Durch partielle Stretcheinsätze im Knie-, Gesäß- und Schrittbereich passt sich die hybride Stretchhose von Kübler an die Bewegungen der Trägerinnen und Träger an, was einen guten Tragekomfort bringt und modische, körpernahe Schnitte zulässt
Foto: Kübler
Für die Anbringung wählen die Hersteller unterschiedliche Haltekonzepte – diese reichen von Click- Pocket- über Schlitten- bis zu Magnetsystemen, mit denen seitlich hängende Werkzeugtaschen am Hosenbund befestigt werden können. Auffällig ist auch ein neuer Komfortanspruch bei hochsichtbarer Schutzkleidung, die bei Arbeiten in der Dunkelheit oder im fließenden Verkehr für mehr Sicherheit sorgen soll. Das in den Normen EN 17 353 für mittlere Risikosituationen und der Warnschutznorm EN ISO 20 471 definierte fluoreszierende Hintergrundmaterial hat inzwischen längst denselben Stretch-Effekt wie Workwear. Damit der Komfort nicht durch die bisher verwendeten steifen Reflexstreifen eingeschränkt wird, werden diese – wo es sinnvoll ist – durch segmentierte Reflexelemente ersetzt. Sie sind leichter, sehen sportlicher aus und gewähren eine höhere Flexibilität. Allerdings können sie, falls sie defekt sind, nicht einfach ausgetauscht werden – in diesem Fall muss der Arbeitgeber die defekte Schutzkleidung ersetzen.

Im Gegensatz dazu ermöglichen die klassischen Reflexstreifen einen Tausch, was die Nutzungsdauer der Kleidung verlängert. Bei zertifizierter Schutzkleidung muss eine solche Reparatur fachgerecht – in der Regel vom Hersteller selbst  –  durchgeführt werden.

Wer sich diese Umstände ersparen will, kann ein Mietservice-Unternehmen mit der Versorgung seines Teams beauftragen. Der textile Dienstleister erledigt nicht nur Reparaturen, sondern tauscht bei Bedarf eine defekte gegen eine funktionsfähige Hi-Vis-Kleidung aus und entlastet einen Betrieb von vielen weiteren Aufgaben, die im Zusammenhang mit der Kleidung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen.

Bewährte Farbpalette bleibt, Firmenfarben kommen

In seiner Kollektion „Entire“ hat Engel neue, von nordischen Landschaften inspirierte Details entwickelt. Die blaue Variante hat es innerhalb kurzer Zeit unter die Top 3 der meistverkauften Farben geschafft
Foto: Engel

In seiner Kollektion „Entire“ hat Engel neue, von nordischen Landschaften inspirierte Details entwickelt. Die blaue Variante hat es innerhalb kurzer Zeit unter die Top 3 der meistverkauften Farben geschafft
Foto: Engel
Die Farben Schwarz und Anthrazit dominieren weiterhin die Arbeitskleidung für das Bauhandwerk. Diese Farben sind unempfindlich, zeitlos, lassen sich optimal mit anderen Tönen und Hi-Vis-Farben kombinieren und sind seit Jahren in der Branche etabliert. In der jüngsten Zeit gewinnt aber auch dunkles Marineblau wieder an Bedeutung.

Neben den klassischen Tönen setzen Unternehmen aber auch auf Corporate-Design- beziehungsweise Team-Farben, um das Wir-Gefühl zu betonen. Dadurch wird die Farbpalette insgesamt vielfältiger. Unterstrichen wird diese Entwicklung durch stärker verschwimmende Grenzen zwischen Mode und Arbeitskleidung. Sie führt nicht nur hoch-funktionelle Materialien, sondern auch neue Trendfarben in den Bausektor ein.

Autorin

Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach ist Te­x­ti­l-Veredlungs­in­ge­nieu­rin und Inhaberin der Textilberatung Ham­burg. Sie arbeitet als Be­raterin und Journalistin.

www.textilberatung.com 

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