Datev unterstützt Betriebe während der Pandemie

Datev ist gut durch die Pandemie gekommen. Das ist das Fazit, das Dr. Robert Mayr als Chief Executive Officer (CEO) bei der Jahrespressekonferenz zog. Die DATEV eG ist ein Softwarehaus und IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, aber auch für deren Mandanten, wie mittelständische Unternehmen. Datev sitzt in Nürnberg. „Wir haben in der Pandemie erlebt, dass unsere Transformation funktioniert. Dank unseres Ansatzes, die Arbeit konsequent an den Bedürfnissen der Wertschöpfung auszurichten, konnten wir schnell und flexibel auf die neue Situation reagieren und unseren Mitgliedern wie auch der mittelständischen Wirtschaft in der Krise eine große Hilfe sein“, sagte er.

2020 sei definitiv ein sehr herausforderndes Jahr gewesen: Praktisch alle Unternehmen seien in der ein oder anderen Form von Corona betroffen gewesen, hätten mit Kontaktbeschränkungen, Betriebsschließungen, Lieferproblemen und ähnlichen Herausforderungen zu tun gehabt. „Das hat natürlich auch unsere Mitglieder und uns selbst getroffen, gleichzeitig waren wir – der Berufsstand und seine Genossenschaft – auch besonders gefragt als Partner der mittelständischen Wirtschaft“, so Mayr.

Befürchtete Insolvenzwelle nicht zu spüren

Um frühzeitig ein Gespür für die Entwicklungen zu erhalten, habe Datev die Mitglieder seit Beginn des ersten Lockdowns regelmäßig zur wirtschaftlichen Situation bei ihnen und ihren Kunden befragt. „Gleich vorab: Bei den mittelständischen Unternehmen verzeichnen wir aktuell eine sich verbessernde Entwicklung. Nachdem mit dem erneuten Lockdown im Winter zunächst die Insolvenzgefahr wieder sprunghaft angestiegen war, hat sich die Lage nun, wieder deutlich entspannt – sowohl mit wie ohne staatliche Hilfen. Gegenüber der vorherigen Befragungswelle im März haben sich die Anteile an insolvenzgefährdeten Unternehmen jeweils halbiert.“ Auch die befürchtete Insolvenzwelle sei bislang nicht zu erkennen: Seit dem Ende der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht hat es gerade mal bei zwei Prozent der Kanzleien Insolvenzanträge unter ihren Kunden gegeben und hier jeweils auch nur für vereinzelte Unternehmen. „Das sind zwar in Summe noch immer unerfreuliche Ergebnisse, aber der Trend ist deutlich positiv. Und wir hoffen natürlich, dass er hält“, betonte Mayr.

Mobile Arbeitsfähigkeit sicher stellen

Schwieriger sei für viele die Aufrechterhaltung der Qualität ihrer Leistungserbringung: Die Kanzleien seien mit dem ersten Lockdown aus dem Stand gefordert, neue Prozesse zu etablieren, die mobile Arbeitsfähigkeit sicherzustellen. Ein guter Indikator für Mayr: Allein Datev habe phasenweise pro Woche über 10.000 mobile Arbeitsplätze bei Kunden eingerichtet. „Mit dem Konjunkturpaket II und den nachfolgenden Maßnahmen ist die Arbeitsbelastung in den Kanzleien jedoch erheblich angestiegen. Die vielen gesetzlichen Änderungen und der damit verbundene große Informationsbedarf haben es den Kanzleien erschwert, ihren Qualitätsstandard zu halten. Mit dem Abflauen der Pandemie hat sich die Lage in den Kanzleien seit März wieder spürbar entspannt. Und ich bin überzeugt davon: Der steuerberatende Berufsstand wird gestärkt aus dieser Krise hervorgehen“, so Mayr.  

Trotz aller Herausforderungen hat Datev im Pandemiejahr 2020 den Umsatz um 5,1 Prozent auf 1,156 Milliarden Euro gesteigert. Das sei in dieser Ausnahmesituation großartig, zieht Mayr Bilanz und betont: „Dieses ökonomisch nachhaltige Wachstum ist nicht die einzige Dimension der Nachhaltigkeit, die uns antreibt: Wir haben auch in Sachen Ökologie und soziale Nachhaltigkeit wichtige Weichen gestellt und Fortschritte gemacht. So bin ich zum Beispiel sehr stolz auf unseren Beschluss, dass wir bis 2030 klimaneutral sein wollen. Damit haben wir unserem Engagement für Umwelt- und Klimaschutz ein wichtiges und sehr konkretes Ziel gesetzt.“

801 neue Mitarbeiter eingestellt

Die Pandemie habe das Leben aller Menschen stark verändert. Bei allem Veränderungsdruck, der auf den Einzelnen bis heute wirkt, sei es Datev wichtig, ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein. Seit Beginn der Pandemie wurden 801 Mitarbeitende neu eingestellt. Darunter sind auch 74 Auszubildende und Dual Studierende. „Wir sind bis heute weitgehend im Mobil-Modus. Konkret heißt das: Knapp 90 Prozent der Belegschaft arbeiten nicht im Büro. Unsere Erfahrungen sind sehr positiv – allerdings haben wir gleichzeitig festgestellt, dass unsere bisherigen betrieblichen Regelungen dafür nicht ganz perfekt eingerichtet sind“, sagte der CEO. Gemeinsam mit dem Betriebsrat wurde daher eine neue Gesamtbetriebsvereinbarung verabschiedet, in der das Thema „mobiles Arbeiten“ neu geregelt wurde. Dabei ist der Grundgedanke: Die Teams gestalten ihren Arbeitsmodus selbst.

Gewaltiger Info-Bedarf der Wirtschaft

Auch die vielen gesetzlichen Änderungen im Zuge der Corona-Unterstützungsmaßnahmen durch die Politik hätten praktisch alle Betriebe intensiv beschäftigt. Phasenweise wurden Gesetze erst wenige Stunden vor ihrem Inkrafttreten final verabschiedet. „Der steuerberatende Berufsstand wie auch die gesamte mittelständische Wirtschaft haben hier Partner wie uns gebraucht, um sich in dieser Flut an Regularien zu orientieren und verlässliche, rechtssichere Lösungen für die betriebswirtschaftlichen Abläufe verfügbar zu haben – ich erinnere nur an die Mehrwertsteuersenkung vor einem Jahr. Ich möchte den gewaltigen Informationsbedarf der Wirtschaft illustrieren: Unsere Info-Dokumente mit ständig aktualisierten Corona-relevanten Inhalten wurden zwischen Juni 2020 und Mai 2021 insgesamt fast 1,9 Millionen Mal aufgerufen“, blickte Mayr zurück. „Wenn wir uns die vier relevanten Dokumente zur Mehrwertsteuersenkung herausgreifen, dann wurden diese allein im Juli und August letzten Jahres über 500.000 Mal abgerufen, bis heute über 800.000 Mal. Die Informationen zu den Corona-Wirtschaftshilfen wurden in den vergangenen zwölf Monaten rund 560.000 Mal eingesehen. Diese Beispiele veranschaulichen, was die Wirtschaft in diesem Zeitraum gebraucht hat: verlässliche Informationen und gesetzeskonforme Lösungen, die rechtzeitig verfügbar sind.“

Automatisierungsservice Rechnungen

Ein Highlight für Datev sei die Automatisierungsservice Rechnungen, der seit April verfügbar ist. Damit hätte Datev das Tor zu einer Zukunft aufgestoßen, in der Künstliche Intelligenz Teile der Buchführung automatisiere. In der Datev-Cloud werden dazu aus den in Unternehmen online hochgeladenen Belegen und dem Wissen aus früheren Vorgängen Buchungsvorschläge erstellt. Gibt es neben den sicheren Vorschlägen auch noch Belege, die nachzubearbeiten oder zu kontrollieren sind, werden die Anwender über einfache Symbole in Kanzlei-Rechnungswesen intuitiv zu den relevanten Buchungsfeldern geführt. Aus den Bestätigungen und Korrekturen lernt die KI kontinuierlich weiter und erhöht die Qualität der Buchungsvorschläge. Die zur Erfassung und Überwachung der Finanzbuchführung erforderlichen Tätigkeiten lassen sich so zunächst im Bereich der Ein- und Ausgangsrechnungen nachhaltig optimieren.

Dieser positive Effekt werde gleichzeitig noch durch die digitale Verarbeitung von Massendaten, wie zum Beispiel bei Nutzung der Paypal-Schnittstelle oder der für dieses Jahr noch geplanten Amazon-Schnittstelle, verstärkt. Das habe auch zur Folge, dass die Informationen in der Buchführung zunehmend aktueller beziehungsweise schneller verfügbar seien, beispielsweise in Form von Auswertungen. Hier pilotiere Datev aktuell ein Tool, das Kanzleien und Mandanten einen tagaktuellen Überblick rund um das Thema Liquidität auf Basis der Daten aus Kanzlei-Rechnungswesen und der Bankkontoumsätze bietet. Mayr: Ich denke, spätestens seit der Corona-Pandemie ist deutlich geworden, wie wichtig die kontinuierliche Überwachung der Liquidität ist.“

Datev trieb strategische Projekte weiter voran. Unter anderem: die DATEV Cloud Welt. Die Digitalisierung und das Zusammenwirken in digitalen Ökosystemen verändern die Tätigkeit der steuerlich Beratenden und mittelständischen Unternehmen. „Wir möchten mit unseren Lösungen künftig noch effizienter Prozesse und besser die Entwicklung und Umsetzung von neuen Geschäftsmodellen unterstützen. Das geht nur sinnvoll, wenn wir perspektivisch auch unsere noch bestehenden On-Premises-Lösungen in die Datev-Cloud-Welt überführen und so noch besser ineinandergreifende Prozesse mit umfangreichen Kollaborationsszenarien und zunehmender Automatisierung verbinden. Bei dieser Umstellung orientieren wir uns an den aktuellen und künftigen Bedürfnissen unserer Kunden, was zu einer neuen Anwendungslandschaft führen wird.“

 

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