Perfekte Akustikdecken in der Willehadi-Kirche

In Garbsen entstand eine Kirche nach Plänen des Architekten Gerd Lauterbach, deren Kirchenraum sich vielseitig nutzten lässt. Dazu trägt die Raumakustik der Decke bei, die von der Firma Germerott Innenausbau technisch perfekt umgesetzt wurde.

Im Juli 2013 brannte die Willehadi-Kirche in Garbsen ab. Die Gemeinde entschied  sich für einen Neubau. Die neue Kirche sollten vielseitig nutzbar sein – für Gottesdienst genauso wie für Konzerte. Am Ort der alten Kirche entstand durch den Architekten Gerd Lauterbach ein Gebäude, das einerseits für Transparenz und Offenheit steht, andererseits Schutz und Geborgenheit vermittelt. Wesentlichen Anteil an der einzigartigen Atmosphäre hat die besondere Raumakustik im großen Kirchenraum. Mit den hierfür notwendigen Akustik- und Trockenbauarbeiten war die Germerott Innenausbau GmbH & Co. KG beauftragt. Für eine umfassend geplante und technisch perfekt realisierte Deckenkonstruktion wurde das Unternehmen im Rahmen der 11. Rigips Trophy 2017 I 2018 mit dem Sieg in der Kategorie Akustiksysteme belohnt.

In der Entgegennahme von Preisen hat Frank Fenselau inzwischen Übung. Bereits zweimal stand der Geschäftsführer von Germerott Innenausbau bei der Rigips Trophy auf der Bühne und nahm die Auszeichnung für die beste Raumakustikleistung entgegen. Auch bei seiner dritten Teilnahme legte die enge Zusammenarbeit mit den Raumakustikexperten von Szynajowski Akustik aus Frankfurt am Main den Grundstein für den Erfolg.  

Klare Vorgaben

Akustikplaner Vladimir Szynajowski führte zunächst umfassende raumakustische Berechnungen durch, aus denen in Abstimmung mit dem Architekten die konkreten bauakustischen und gestalterischen Planungsvorgaben abgeleitet werden konnten: Das Raumvolumen im großen, rund 6 m hohen Kirchenraum sollte idealerweise mindestens 2000 m3 aufweisen. Der Ruhegeräuschpegel durfte nach Ausbau maximal 30 dB(A), die Nachhallzeit T30 im besetzten Zustand etwa 1,8 s betragen. Das Klarheitsmaß C80 sollte je nach Schallquellenposition (Orgelempore / Altarbereich) auf allen Hörplätzen zwischen - 2 dB und + 2 dB liegen. Die Zielgröße für den Sprachübertragungsindex STI (Sprachverständlichkeit mit Verstärkung) lag bei 0,6. 

Konkrete Vorgaben für die Raumakustik, deren Einhaltung komplexe Vorarbeiten von Frank Fenselau und seinem Team erforderten. „Auf Grundlage der Berechnungen haben wir in Zusammenarbeit mit Vladimir Szynajowski mehrere Modellversuche in unserem hauseigenen Hallraum durchgeführt. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse ermöglichten eine gezielte Optimierung der geplanten Akustikdecke sowie eine genaue Dimensionierung der einzelnen Deckenelemente“, erläutert Frank Fenselau.  

Freitragende Brandschutzdecke

Bevor jedoch der raumakustische Ausbau starten konnte, widmeten sich die Trockenbauprofis zunächst dem Brandschutz. Nach Fertigstellung des Kirchenrohbaus wurde zum Schutz der Holzdeckenkonstruktion eine Brandschutzdecke der Feuerwiderstandsklasse F 30 eingezogen. Dabei war zu gewährleisten, dass die Unterkonstruktion die Brandschutzdecke selbst und die gesamten Lasten der später anzubringenden Akustikelemente zuverlässig trägt. Um das Zusatzgewicht für diverse Unterbauten wie Leuchten, Lautsprecher und Beamer zu gewährleisten, wurden mehrere Deckenverstärkungen verdeckt eingebaut. „Es ging hier um die Ertüchtigung eines nicht belüfteten, vollgedämmten Holzdaches. Zwischen den Kehlbalken und den Dachsparren haben wir in einem ersten Schritt eine 220 mm dicke Dämmschicht aus ,Isover Integra ZKF 1-032’-Glaswolle sowie die Klimamembran ,Vario KM Duplex UV’ als Dampfbremse eingebracht. Die Ausführung der selbstständigen Brandschutzdecke erfolgte dann nach Rigips-System SD11RF mit einer einlagigen Beplankung ,Rigips Die Dicke RF’ in 20 mm Dicke. Die Befestigungs- und Achsabstände der Unterkonstruktion wurden exakt nach den Angaben der von Rigips durchgeführten statischen Vorbemessung ausgeführt“, so Frank Fenselau.

Schallreflektierende Deckenelemente

Die sichtbare und raumakustisch wirksame Decke der Willehadi-Kirche sollte – außer über dem Altarbereich und der Orgelempore – als diffus schallreflektierende Fläche ausgeführt werden. Hierfür wurde die rund 280 m2 große Deckenfläche in jeweils 600 mm breite und durch senkrechte Lamellen aus zwei Lagen „Rigidur H“-Gipsfaserplatten getrennte Bahnen aufgeteilt. Die Bahnen wurden in ihrer Länge wiederum alle 2 m durch eine senkrechte Gipsfaserplatte unterteilt. Aufgrund der erforderlichen Schallabsorption bei tiefen Frequenzen (unterhalb von 125 Hz) sollten die Felder zusätzlich als so genannter Helmholzresonator ausgebildet werden. Zu diesem Zweck erhielten sie in der waagerechten Verkleidung über die gesamte Läge eine mit einem Akustikvlies und einer Mineralfaserplatte hinterlegte, 50 mm breite Fuge.

„Alle Deckenelemente aus Gipsfaserplatten haben wir in unserer Werkstatt mit einer CNC-Fräse präzise vorgefertigt und für den späteren Einbau vorbereitet. Damit die Elemente der abgehängten Akustikdecke problemlos montiert werden konnten, haben wir die Deckenaufhängung mithilfe eines Linienlasers millimetergenau positioniert. Dieses exakte Ausmessen und die passgenaue Montage der in Bahnen angeordneten Deckenelemente waren auch wichtig, damit alle Aussparungen für die geplanten Leuchten und die technische Ausstattung exakt an der richtigen Stelle sitzen“, erklärt Frank Fenselau weiter.

Dreidimensionale Gipsfaserelemente

Über dem Altar und der Orgelempore sollte die Decke vorwiegend geometrisch, schallreflektierend ausgebildet werden. Das Flächengewicht der Beplankung sollte dabei mindestens 25 kg/m2 betragen. Um scharfe geometrische Schallreflexionen zu vermeiden, empfahl Akustikplaner Vladimir Szynajowski, die sichtbare Oberfläche der Decke mit unregelmäßigen Vertiefungen von 5 mm bis 25 mm Tiefe und Breite dreidimensional aufzurauen. „Auch diese Elemente haben wir mit der CNC-Fräse angefertigt. Die zu fräsenden Rohelemente bestanden aus zwei jeweils 12,5 mm dicken, miteinander verleimten Gipsfaserplatten. Die Materialdicke war notwendig, um die erforderliche Frästiefe zu erreichen und dennoch zur Montage stabile Einzelelemente zu erhalten.“ Nach der Montage aller Gipsfaserelemente folgte die Verspachtelung mit „Rigips ProMix Plus“-Feinspachtelmasse. Doch damit waren die Arbeiten im großen Kirchenraum noch nicht beendet: Für eine letzte Feinjustierung führten Akustiker und das Germerott-Team nach dem Abbau des Baugerüsts weitere akustische Messungen durch. Die daraus ermittelten Werte waren entscheidend für die Auswahl der Lochplatten, mit denen im letzten Schritt die Randbereiche der Decke verschlossen und ein sauberer Übergang zu den Wänden geschaffen werden sollte. „Die Wahl fiel auf ,Rigitone Activ’Air’-Lochplatten mit einem ,6/18 R’-Lochbild. Das Besondere: Um in den Friesbereichen ein optimales akustisches Ergebnis zu erreichen, haben wir die Lochplatten zusätzlich rückseitig mit einer Aluminiumfolie versehen“, so Fenselau.

Während die Fertigstellung des großen Andachtsraumes näher rückte, beschäftigte sich ein weiteres Trockenbauteam mit dem Ausbau des rund 45 m2 großen Foyers. Auch hier sorgen etwa 300 mm tief abgehängte „Rigitone Activ’Air“-Lochplatten für eine gute Raumakustik und dank ihres luftreinigenden Wirkkomplexes auch für „gute“ Luft. Gestalterische Akzente setzen vor allem geschwungene Lichtvouten mit verdeckt liegendem LED-Licht.

 

Autor

Dennis Pietrzyk ist Fachberater Trockenbausysteme bei der Saint-Gobain Rigips GmbH in Düsseldorf.

Baubeteiligte (Auswahl)

 

Bauherr Ev.-luth. Willehadi-Kirchengemeinde, Garbsen 

Architekt Dipl.-Ing. Gerd Lauterbach, Hannover 

Raumakustische Beratung Szynajowski Akustik, Frankfurt am Main, www.szynajowski-akustik.com

Ausbauarbeiten Germerott Innenausbau, Gehrden, www.germerott.de 

Fachberater Trockenbausysteme Dennis Pietrzyk, Saint-Gobain Rigips, Düsseldorf, www.rigips.de

 

 

Herstellerindex (Auswahl)

 

Trockenbauplatten Saint-Gobain Rigips, Düsseldorf, www.rigips.de 

Dämmung und Dampfbremse Saint-Gobain Isover G+H, Ludwigshafen, www.isover.de

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