Sicheres Arbeiten mit der japanischen Ryoba Zugsäge

Zugsägen, die in Japan Nokogiri heißen, haben dort eine lange Tradition. Ihre hohe Qualität liegt in der japanischen Metallverarbeitung begründet. Die Sägeblätter – insbesondere das der Ryoba Zugsäge – sind sehr dünn und bedürfen bei der Arbeit einer sauberen Führung.

Japanische Zugsägen besitzen überaus aufwendige Schneidgeometrien und sorgsam gestaltete Griffe. Im Gegensatz zu ihrer europäischen Verwandtschaft arbeiten sie auf Zug. Ein Sägeblatt, das nur auf Zug beansprucht wird, kann sehr viel dünner ausgeführt werden. Die meist auswechselbaren, aber nicht nachschärfbaren Blätter aus Kohlenstoffstahl haben gehärtete Zahnspitzen, die rasiermesserscharf geschliffen sind. Die Sägezahnung ist in der Regel aber nur in einer Richtung angeschliffen, wodurch ein präziserer Schnitt im Vergleich zu Fuchsschwanz oder Bügelsägen möglich wird. Zudem sind die Zähne leicht geschränkt und ermöglichen so minimale Schnittverluste und glatte, ausrissfreie Schnittflächen.  

Drei Gruppen japanischer Zugsägen

Japanische Zugsägen lassen sich in drei Gruppen unterteilen: Die Dozuki ist eine einseitig verzahnte Säge mit Rückenschiene, die zur Stabilisierung des Schnitts beiträgt. So können für diese Sägen sehr dünne Sägeblätter für präzise Schnitte, zum Beispiel für Zinkungen, verwendet werden. Allerdings begrenzt der Rücken die Schnitttiefe, so dass die Dozuki nur für Schnitte mit geringer Tiefe eingesetzt werden kann. Die Kataba ist ebenfalls eine nur einseitig verzahnte Säge, allerdings ohne den Rücken. Sie wird für große und tiefe Schnitte verwendet. Aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten gilt die Kataba als die meistverbreitete Zugsäge.

Das Besondere an der Ryoba Zugsäge ist die zweiseitige Zahnung für Schnitte längs und quer zur Faser
Fotos: Thomas Wieckhorst

Das Besondere an der Ryoba Zugsäge ist die zweiseitige Zahnung für Schnitte längs und quer zur Faser
Fotos: Thomas Wieckhorst
Für unseren Praxistest haben wir uns für die dritte Gruppe, die Ryoba entschieden. Das Besondere an ihr ist die zweiseitige Zahnung: Auf der einen Seite die Dreieckszahnung für Schnitte längs zur Faser und auf der anderen die feinere Trapezzahnung für Schnitte quer zur Faser.

Die Ryoba Zugsäge im Praxistest

Bei unserer Testsäge ist das 240 mm lange Sägeblatt nur einen halben Millimeter dick. Das verspricht schon mal exakte und saubere Schnitte. Auf der anderen Seite ist das dünne Sägeblatt ohne Rücken recht flexibel, so dass man gerade beim Ansetzen der Säge besonders aufpassen muss. Wir beginnen mit Schnitten quer zur Maserung, verwenden also die Trapezzahnung.

Mit der Trapezzahnung arbeitet man quer zur Faser
Foto: Thomas Wieckhorst

Mit der Trapezzahnung arbeitet man quer zur Faser
Foto: Thomas Wieckhorst
Für das Einarbeiten einer Kerbe auf der abgewandten Werkstückseite erweist es sich zunächst als günstig, den mit Rattern umwickelten Holzgriff möglichst weit vorne, unmittelbar hinter dem Sägeblatt zu greifen, damit die Säge beim Ansetzen nicht zu springen beginnt. Man kann zunächst die Daumenkuppe als Führung verwenden. Für das Einarbeiten der Kerbe bewegt man die Säge mit leichten kurzen Bewegungen auf der Werkstückkante ohne Druck hin und her. Wenn die Kerbe entstanden ist, ist das der richtige Zeitpunkt die Hand in Sicherheit zu bringen, denn Zugsägen sind extrem scharf. Nun kann man die Säge in der Mitte des Holzgriffs fassen und den Sägeschnitt horizontal 2 bis 3 mm tief ins Werkstück treiben. Dann führt man den Schnitt zu sich hin zur unteren Kante des Werkstücks. Die Säge arbeitet sich dabei rasant durch das Holz. Danach das Holz um 90 Grad von sich wegdrehen, neu einspannen und erneut den Schnitt zu sich hin zur unteren Kante des Werkstücks führen. Auf diese Weise entsteht eine saubere Führung für den letzten abschließenden Schnitt, der nun horizontal nach unten geführt werden kann. Das Ergebnis ist eine saubere Schnittfläche.

Mit der Dreieckszahnung arbeitet man längs zur Faser
Foto: Thomas Wieckhorst

Mit der Dreieckszahnung arbeitet man längs zur Faser
Foto: Thomas Wieckhorst
Der Schnitt längs zur Maserung läuft nach dem gleichen Prinzip ab, nur dass man hier die Dreieckszahnung verwenden muss. Wenn man ganz genau hinsieht, kann man feststellen, dass die Dreieckszahnung von der Spitze des Sägeblatts bis zum Griff hin kontinuierlich feiner wird. Das soll das Ansetzen der Säge und den Schnittkraftverlauf erleichtern. Wir empfehlen trotzdem einen kleinen Trick: Für das Einarbeiten der Kerbe sollte man ruhig die deutlich feinere Trapezzahnung verwenden. Danach kann man das Sägeblatt um 180 Grad drehen und für die weitere Arbeit die Dreieckszahnung nehmen. Aber Achtung: Das Sägeblatt läuft konisch zu. Das muss man vor allem dann berücksichtigen, wenn zwei Sägeschnitte exakt im rechten Winkel sauber aufeinander treffen sollen.

Der Schnitt wird auf der zugewandten Werkstückseite an die untere Werkstückkante geführt
Foto: Jannis Wieckhorst

Der Schnitt wird auf der zugewandten Werkstückseite an die untere Werkstückkante geführt
Foto: Jannis Wieckhorst
Wir haben den Schnitt längs zur Maserung auch mit der Trapezzahnung versucht. Man kommt dann deutlich langsamer voran, denn richtig eingesetzt, arbeitet sich die Ryoba Zugsäge enorm schnell durchs Holz. Das Ergebnis sind sehr saubere Schnittflächen. So konnte uns die Ryoba mit ihren zwei unterschiedlichen Zahnungen und dem dünnen Sägeblatt überzeugen.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Web-Service

youtube.com/bauhandwerk

Die japanische Ryoba Zugsäge erlaubt mit ihrem zweiseitigen Sägeblatt sehr saubere Schnitte sowohl schnitt längs als auch quer zur Faser. Ob uns dies wirklich so sauber und exakt gelingt, haben wir ausprobiert und davon ein Video gemacht.

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