Gipsplatten in 3D für die Kongresshalle am Zoo Leipzig

Mit komplexen Gipsformteilen wurde die Kongresshalle am Zoo Leipzig saniert. Die Gesimse, Bögen und Säulenkonstrukte basieren auf Falttechnikbauteilen, die, ab Werk mit Stuck vollendet, die dritte Dimen­sion in Perfektion meistern.

Die Kongresshalle am Zoo Leipzig hatte man zwischenzeitlich fast vergessen. Einer Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass hier nun wieder Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. Das Gebäude wurde 1899 nach Plänen des Architekten Heinrich Rust im Jugendstil als Gesellschaftshaus errichtet und 1900 direkt am Zoologischen Garten Leipzig eröffnet. Der Saalbau umfasste neben dem Großen Saal mehrere kleinere Säle und eignete sich für Tanzveranstaltungen ebenso wie für Konzerte. 1945 durch Bombeneinschlag beschädigt, wurde das Gebäude 1947 weitgehend ohne Jugendstilelemente rekonstruiert, umgebaut und erweitert. Unter anderem spielte hier das Gewandhaus-Orchester unter Prof. Kurt Masur. 1989 wurde die Kongresshalle nach einem Brand in einem Teil des Gebäudekomplexes als Ganzes geschlossen. Im Zuge der Deutschen Einheit geriet die Konzerthalle in Vergessenheit und drohte zu verfallen. 2001 gründete sich die Bürgerinitiative „Kongreßhalle Leipzig“. Der daraus entstandene Verein setzte sich ab 2006 für die Sanierung der Gebäude ein. Schritt für Schritt kehrte wieder Betrieb in Teilen des Bauwerks ein. 2009 fiel die Entscheidung, die Kongresshalle wieder komplett instand zu setzen. Mitte 2015 nahm man das Congress Center Leipzig als modernes Tagungszentrum wieder in Betrieb.

3D-Gipsformteile ab Werk

Dreidimensionale Gipsformteile direkt ab Werk ergänzen in der komplett sanierten Kongresshalle den klassischen Trockenbau. Mit den Knauf Sonderkonstruktionen wird der Trockenbauer mit der dritten Dimension einer Bauaufgabe nicht mehr allein gelassen. Bisher waren mit der Falttechnik zwei Dimensionen machbar und mit kombinierten Falttechnik-Bauteilen auch eine dritte Dimension. Aber es waren immer scharfe Kanten, keine dreidimensionalen Rundungen. Dies gelingt erst durch die Kombination von Falttechnik und Stuck. Das Ergebnis sind qualitativ hochwertige, glatte und formvollendete dreidimensionale Gipsformteile ab Werk.

Während gerade Gesimse aus klassischer Falttechnik mit Stuckergänzung bestehen, entstehen runde Gesimse mit Hilfe von CNC-rundgefrästen Platten. Diese Platten besitzen einerseits eine 45°-Fräsung, andererseits sind sie am Rand mit passend gefrästen GKB-Streifen hinterlegt. Gegen diese Randverstärkungen werden unter 45° gefräste Plattenstreifen gebogen, eingeklebt und mit Klammern fixiert. Abschließend folgt auf die so vorbereiteten Falttechnikteile werkseitig in den gewünschten Radien der von den Architekten vorgegebene Stuck.

Die Mitarbeiter vom Büro HPP Hentrich-Petschnigg & Partner ließen sich vor Beginn der Bauarbeiten von Ekkehard Scholz, Projektmanager Deckensysteme bei Knauf, beraten. Außer den kunstvollen Stuckarbeiten im Bühnenbereich und den in Stuck ausgeführten umlaufenden Brüstungen der Balkone konnte das Iphofener Unternehmen weitgehend alle übrigen historischen Gesimse und Zierelemente ab Werk vorgefertigt liefern. Gab es anfangs noch die Idee, Falttechnik-Bauteile vor Ort mit Stuck zu vollenden, entschied sich der mit dem Trockenbau betraute Betrieb Bilfinger R&M Ausbau für die komplette Vorfertigung seitens Knauf. Vor Ort wurden die Bauteile nur noch montiert, verspachtelt und gefinisht.

In den Fertigungszeichnungen ist gut zu erkennen, wie der Stuck in einem abschließenden Arbeitsgang auf das aus mehreren Lagen kombinierte Falttechnik-Bauteil aufgetragen wurde. Zur Aufnahme der Gipsformteile am Mauerwerk des Großen Saals integrierten die Mitarbeiter der Bilfinger R&M Ausbau vorab statisch bemessene Hilfskonstruktion aus Stahl. Daran wurden die bis zu 60 kg schweren Gesimse von den Trockenbauern in Position gebracht und mithilfe der im Bauteil integrierten Stahlwinkel an den Wänden ausgerichtet und montiert. Zu diesem Zweck waren die Gesimse von oben offen und wurden erst nach der Justierung der Bauteile mit passenden Gipsplatten verschlossen.

Akustik überall

Ebenfalls zu den Sonderkonstruktionen zählt die Bekleidung der Rückwand im Großen Saal. Die Vorsatzschale mit Pfeilernachbildungen und aufgesetzten Bögen ist komplett in CNC-gefräster Falttechnik ausgeführt und zwischen den Säulenkonstrukten mit Akustikplatten mit gerader Quadratlochung 8/18 Q beplankt. Die gesamte Rückwand im Großen Saal ist bis unter die runde Decke als Schallabsorber ausgebildet. Die runde Decke selbst besteht ebenfalls komplett aus einer speziellen Mineralwolle-Putz-Schallabsorberkonstruktion und reicht bis zu den Gesimsen der Seitenstützen. Unter den Gesimsen sind zwischen den Stützen nochmals Akustikplatten angeordnet. Dieser umfangreiche Einsatz von Akustikflächen sorgt im umgebauten Großen Saal für einen sehr guten Klang.

Während die komplex geformten Balkonbrüstungen in Stuck entstanden, ist die Unterseite der Balkone wieder komplett in Trockenbautechnik ausgeführt. Bedingt durch die relativ großen Radien führten die Trockenbauer diese Deckenkonstruktionen auf klassischer Unterkonstruktion mit gebogenen Platten aus.

Der umfangreiche Einsatz moderner Trockenbautechniken und weitgehend vorgefertigter Sonderkonstruktionen erlaubte auch in dem historischen Gebäudekomplex in Leipzig einen zügigen Baufortschritt. Der Große Saal ist seit Juni 2015 wieder in Betrieb und wird vom Congress Center Leipzig betrieben. In der Kongresshalle sind neben dem dargestellten Großen Saal weitere 14 Säle in Betrieb genommen worden.

Autor

Andreas Gabriel ist Leiter der Presse- und Öffentlichkeits­arbeit bei der Knauf Gips KG in Iphofen.

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