Aufdopplung für geschädigtes WDVS

Häufig werden Handwerksbetriebe mit der Ertüchtigung eines WDVS beauftragt. Das Aufbringen einer zusätzlichen Dämmschicht ist jedoch nur bei intakten Systemen möglich. Das weber.therm retec-Verfahren stellt die Funktion beschädigter WDV-Systeme wieder her und ermöglicht so eine Aufdopplung ohne Rückbau.

Viele der heute sanierungsbedürftigen WDV-Systeme stammen noch aus den 1970er Jahren. Diese organischen Systeme der ersten Generation waren noch weit entfernt von heutigen Standards. So haben sich die durchschnittlichen Dämmstoffdicken von den damals üblichen 4 cm auf aktuell 12 bis etwa 30 cm deutlich gesteigert. 


Häufige Schadensbilder

Bei beschädigten Alt-Systemen bilden sich entlang der Dämmplattenstöße häufig Risse. Dieses Schadensbild resultiert einerseits aus der „Materialermüdung” der damals meist als Spachtelung ausgeführten etwa 2 mm dicken Armierungsschicht und andererseits aus der großen mechanischen Beanspruchung der Stöße. Im Gegensatz zu heute hatte man die Dämmplatten damals oftmals nur mit wenigen Klebebatzen am Untergrund verklebt. Eine Fixierung der Plattenränder durch eine umlaufende Verklebung war nicht üblich. Unter Temperatureinwirkung treten dann im Dämmplattenstoß größere Bewegungen auf, die auf Dauer von den dünnen Armierungsschichten nicht verkraftet werden.

Über feine Haarrisse und andere Schadstellen kann Feuchtigkeit in das System eindringen, die sich im Inneren anstaut. Aufgrund der dauerhaften Hinterfeuchtung kommt es so im Laufe der Zeit zu einer Vergrößerung der Risse und zu Putzablösungen. In diesem Zusammenhang sind auch vielfach mit Wasser gefüllte Ausbeulungen – so genannte Putzblasen – zu beobachten.

 

Mineralische Putze regulieren die Feuchtigkeit

Niederschlagswasser, das in den Putz eines WDVS eingedrungen ist, kann nur langsam wieder entweichen. Die hohe Dämmwirkung des Systems verhindert, dass Wärme aus dem Gebäudeinnern auf den Putz übertragen wird, was den Trocknungsvorgang beschleunigen würde. Die Folge ist, dass sich die Kunstharzputze quasi im dauerfeuchten Zustand befinden. Damit ist die Hauptvoraussetzung für ein Algen- oder Schimmelwachstum erfüllt. Das Resultat sind grüne und schwarze Bewüchse an den Fassaden. Abseits von diesen optischen Mängeln vermindert die Feuchtigkeit den ohnehin geringen Wärmeschutz drastisch.

 

Rückbau oder Aufdopplung des vorhandenen WDVS?

Eine Möglichkeit der Fassadensanierung besteht im kompletten Rückbau und der Entsorgung des schadhaften WDVS. Aufgrund hoher Kosten- und Schmutzbelastung stellt dieses Verfahren für die Mehrheit der Bauherren jedoch keine befriedigende Lösung dar. Eine andere Möglichkeit ist es, die Austrocknung des geschädigten Alt-Systems zu unterstützen und dadurch die ursprüngliche Dämmleistung wiederherzustellen. Der Bau­stoffhersteller Saint-Gobain Weber entwickelte bereits vor 20 Jahren ein solches spezielles Sanierverfahren für Alt-WDVS, das patentierte retec-Verfahren.

 

Schlitzen statt Rückbau

Mit diesem bauaufsichtlich zugelassenen System können geschädigte WDV-Fassaden ohne Rückbau und Entsorgung nachhaltig saniert werden. Auch eine Aufdopplung zur Ver­besserung der Dämm­leistung ist problemlos möglich. Das Verfahren wurde gezielt für die Sanierung von stark durchfeuchteten Kunstharzputzsystemen entwickelt. Nach einer gründlichen Untersuchung wird die alte Fassade mit einem Dampfstrahlgerät gründlich gereinigt. Je nach Grad der Schäden erfolgt diese Reinigung mit mäßiger Temperatur und mäßigem Druck. Danach folgt der wichtigste Arbeitsschritt: die Dämmschicht wird rasterförmig mit einer Fräse horizontal und vertikal 5 mm tief geschlitzt, wobei die Putzschicht komplett durchbrochen wird. Das Rastermaß liegt je nach Schädigung zwischen 15 x 15 cm bis 30 x 30 cm. Ein an die Fräse angeschlossener Staubsauger verhindert dabei jegliche Art der Staubbelästigung.  


Das Verfahren fördert die Haftung und Diffusion

Durch die Schlitze entsteht eine zusätzliche Fläche von bis zu 30 Prozent, was die Haftung des nachfolgend aufgetragenen Armierungsmörtels wesentlich verbessert. Der mineralische Klebe- und Armierungsmörtel weber.therm retec wurde speziell für das Verfahren entwickelt und zeichnet sich durch ein besonders gutes Fließverhalten sowie eine hohe Haftung auf Kunstharzputzen aus. Vor allem aber ist der Armierungsmörtel hoch diffusionsoffen. Somit wird sichergestellt, dass das System schnell austrocknet und auch in Zukunft trocken bleibt. Untersuchungen des Fraunhofer Institutes für Bauphysik haben ergeben, dass der m-Wert der organischen Beschichtung mit dem retec-Verfahren bis zu 50 Prozent reduziert wird. Dieser Umstand wirkt sich auch günstig auf die Austrocknung der oftmals durchfeuchteten WDVS aus.

 

Zeitgemäßer Wärmeschutz

Wurde die Funktionalität des WDVS mithilfe des retec-Verfahrens wieder hergestellt, kann eine zusätzliche Dämmschicht auf das alte System aufgebracht werden. Dies ist in den meisten Fällen auch sinnvoll, da die seinerzeit verarbeiteten Dämmplatten im Regelfall die heutigen Anforderungen an den Wärmeschutz nicht mehr erfüllen, selbst wenn die ursprüngliche Dämmleistung nach einer umfassenden Austrocknung wieder gewährleistet ist. Durch das nachträgliche Aufbringen von EPS- oder Mineralwolle-Dämmplatten lässt sich eine Dämmleistung erzielen, die den aktuellen Standards entspricht. Der alte Dämmstoff muss nicht entfernt werden, so dass eine aufwendige Entsorgung entfällt.  


Ausführung der Dämm- und Putzarbeiten im Detail

Die Dämmplatten werden unter schiebenden Bewegungen vollflächig in das Kleberbett eingedrückt. Bei Überschreitung einer Gesamtdämmstoffdicke EPS (alt + neu) von 100 mm müssen Brandschutzvorkehrungen getroffen werden. Danach erfolgt eine vollflächige Gewebearmierung. Das Armierungsgewebe wird in senkrechten und waagerechten Bahnen faltenfrei eingebügelt. Die Gewebebahnen müssen an den Stößen mindestens 10 cm überlappen und das Gewebe muss im oberen Drittel des Armierungsmörtels liegen. Die anschließende Verdübelung mit vier Dübeln pro Quadratmeter erfolgt grundsätzlich durch das Gewebe. Dieser Arbeitsgang muss ausgeführt werden, solange der Armierungsmörtel noch frisch ist. Anschließend wird ein diffusionsoffener mineralischer Edelputz maschinell oder von Hand aufgebracht. Hier kann zwischen Edelkratzputz, Scheibenputz, Reibeputz oder freien Strukturen gewählt werden.

 

Enorme Kostenersparnis

Das beste Argument für eine Sanierung mit dem retec-Verfahren ist, neben der dauerhaften Wiederherstellung der ursprünglichen Dämmleistung, sicherlich die enorme Kostenersparnis im Vergleich zu einer konventionellen Sanierung mit einem neuen WDVS. Dies veranschaulicht der konkrete Kostenvergleich: So beträgt der Quadratmeterpreis für eine konventionelle Sanierung mit Rückbau und Entsorgung der Altfassade bis zu 200 Euro pro Quadratmeter. Dem gegenüber steht eine Kostenersparnis von rund 65 Prozent beim Schlitzverfahren, inklusive einer Zusatzdämmung von 60 mm. Ohne Zusatzdämmung liegen die Einsparungen sogar bei etwa 80 Prozent.

Weitere Informationen zum retec-Verfahren finden Sie im Internet unter www.sg-weber.de/retec


 

Autor

Georg Kolbe ist Leiter Produktmarketing Fassade/Wand bei der Saint-Gobain Weber GmbH in Düsseldorf.

Die organischen Systeme der ersten Generation waren noch weit entfernt von heutigen Standards
Das rotec-Verfahren wurde für die Sanierung stark durchfeuchteter Kunstharzputzsysteme entwickelt

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