Bezahlbarer Klimaschutz

Die Modernisierung einer Doppelhaushälfte aus den 1920er Jahren wurde mit den Budgetvorgaben des sozialen Wohnungsbaus durchgeführt. Das Modellprojekt im Rahmen des Velux-Projektes „Model Home 2020“ soll als Vorbild für die Modernisierung von zunächst 86 ähnlichen Häusern dienen.

Bei Modernisierungsprojekten im sozialen Wohnungsbau steht meist die Energieeffizienz und dabei insbesondere die Reduzierung des Heizwärmebedarfs im Fokus. Hierfür wird in der Regel die Fassade nachträglich gedämmt und die Heizung erneuert. Das von Dachfensterhersteller Velux gemeinsam mit der sozialen Wohnungsbaugesellschaft Le Foyer Anderlechtois umgesetzte „RenovActive“ Projekt in der belgischen Gemeinde Anderlecht geht einen Schritt weiter und schließt darüber hinaus Wohngesundheit, Wohlfühlklima und minimale Umweltbelastung mit ein. Zudem wurde die Modernisierung einer Doppelhaushälfte aus den 1920er Jahren mit den Budgetvorgaben des sozialen Wohnungsbaus durchgeführt und dient „Le Foyer Anderlechtois“ als Vorbild für die Modernisierung von zunächst 86 ähnlichen Häusern.

Nachhaltiger Wohnkomfort zu einem erschwinglichen Preis

Als völlig neues Renovierungskonzept berücksichtigt das „RenovActive House“ nicht nur die klassischen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, sondern gewährleistet auch die Bezahlbarkeit, denn das Sanierungsprojekt wurde mit den Budgetvorgaben des sozialen Wohnungsbaus durchgeführt. Damit dient das für zwei- und dreigeschossige Häuser entwickelte Konzept als Vorbild für weitere Projekte im sozialen Wohnungsbau. Darüber hinaus kann das Konzept leicht adaptiert werden und ermöglicht dadurch auch privaten Bauherren und Modernisierern mit knappen Budgets die klimafreundliche Sanierung ihrer Eigenheime.

Energetische Modernisierung und Erweiterung als Basis

Den Ausgangspunkt bildete eine im Anderlechter Stadtteil „Bon Air“ gelegene unsanierte Doppelhaushälfte aus den 1920er Jahren. Mit einer Wohn- beziehungsweise Nutzfläche von rund 80 m2 und der geschlossenen, kleinteiligen Raumstruktur entsprach das Haus nicht mehr den aktuellen Ansprüchen an Raumgrößen und Wohnqualität.

Um zusätzliche Wohnfläche zu gewinnen und mehr Freiheiten für individuelle Bedürfnisse zu schaffen, wurde das Gebäude um einen Flachdach-Anbau erweitert.  Außerdem verwandelten die Handwerker den ehemals ungenutzten Dachboden in ein lichtdurchflutetes Spielzimmer. Für die energetische Ertüchtigung des Bestandsgebäudes dämmten sie die Außenwände und das Dach des alten Hauses und setzten in die vorhandenen Maueröffnungen neue Fenster mit Isolierglas ein. Darüber hinaus bauten sie zusätzliche Fenster in Dach und Fassade ein, um im Inneren des Gebäudes ein gesundes Raumklima mit viel Tageslicht und frischer Luft zu schaffen. Zudem wurden die installationstechnischen Anlagen saniert und die alte Heizung durch einen modernen Gas-Brennwertkessel ersetzt. Insgesamt kann so der jährliche Heizenergiebedarf von ursprünglich 700 kWh/m² auf 25 kWh/m² gesenkt werden. Für eine Reduzierung des Wasserverbrauchs sorgt eine 5000 Liter fassende Zisterne.

Helle Räume sorgen für Wohlbefinden

Im Erdgeschoss befinden sich neben dem Eingangsflur und Gästebad das große Wohnzimmer und die offene Küche. Diese geht nahtlos in den angrenzenden Essbereich über, der die gesamte, durch den Anbau gewonnene Fläche einnimmt. Bodentiefe Fenster und ein in das Gründach des Anbaus integriertes Flachdach-Fenster von Velux versorgen diesen großzügigen Wohn-, Ess- und Kochbereich mit viel Tageslicht und die angrenzende Terrasse erweitert im Sommer den Wohnraum nach draußen. Ein neues offenes Treppenhaus erschließt das Gebäude mit einer gewendelten Treppe bis unter das Dach. Über diese gelangt man vom Wohnzimmer aus zunächst ins Obergeschoss. Hier befinden sich ein Kinderzimmer, das Elternschlafzimmer und ein großes Familienbad. In diesem sorgt ein Tageslicht-Spot als Ergänzung zum Fassadenfenster für Helligkeit. Darüber liegt die neu entstandene, großzügige Spielgalerie. Sie wird von automatischen Dachfenstern auf beiden Seiten des Giebels sowie der über dem Treppenhaus positionierten „Systemlösung Duo“ – zwei direkt nebeneinanderliegende, automatische Dachfenster – mit viel Tageslicht versorgt. Dank des offenen Treppenhauses gelangen die Sonnenstrahlen zudem bis in den Flur des Mittelgeschosses und sorgen auch hier für ausreichende Helligkeit. Dabei tragen die ausgewogenen Lichtverhältnisse nicht nur zum angenehmen und gesunden Wohnklima bei, sondern reduzieren gleichzeitig den Bedarf an künstlichem Licht. Zusätzlich sorgen die wärmenden Sonnenstrahlen durch die Fenster dafür, dass die Bewohner in den kalten Jahreszeiten weniger heizen müssen.

Hitzeschutz und natürliche Lüftung sorgen für gesundes Raumklima

Innenliegender Sonnenschutz an allen Dachfenstern sowie am Flachdach-Fenster des Anbaus ermöglicht es, das einfallende Tageslicht ganz nach Wunsch zu regulieren. Zudem wurde das nach Süden ausgerichtete Dachfenster in der Spielgalerie und die nach Osten ausgerichtete „Systemlösung Duo“ über der Treppe mit außenliegenden Hitzeschutz-Markisen ausgestattet, so dass es an heißen Sommertagen nicht zu warm unter dem Dach wird. Dabei öffnen und schließen sich die sensorgesteuerten Elemente in Abhängigkeit von Sonnenlicht und Außentemperatur und sorgen damit im Sommer automatisch für angenehme Temperaturen im Inneren. Darüber hinaus spielen die Dachfenster eine zentrale Rolle bei der Be- und Entlüftung des Gebäudes. In der aus energetischen Gründen luftdichten Bausubstanz öffnen und schließen sich die Fenster automatisch je nachdem welche Temperatur, CO2-Konzentration und Luftfeuchtigkeit im Gebäude herrscht. Dabei sorgen Wind und Temperaturunterschiede zwischen außen und innen für eine gute Frischluftzufuhr. Zudem verstärkt die unterschiedliche Höhe der im offenen Treppenhaus positionierten Dach- und Fassadenfenster die Wirkung des so genannten Kamineffekts. Dabei steigt die warme, verbrauchte Luft nach oben und zieht durch die Dachfenster ab, während von unten frische Luft durch die Fassadenfenster nachströmt. Diese besonders effektive und schnelle natürliche Lüftung gewährleistet nicht nur eine gute Raumluftqualität, sondern sorgt in Verbindung mit den äußeren Sonnenschutzvorrichtungen auch an heißen Sommertagen für hohen Wohnkomfort. Nach Sonnenuntergang sorgt die natürliche Lüftung zudem schnell für angenehme Temperaturen im Inneren. Am Abend und in der Nacht zieht die warme Luft durch die Dachfenster ab und die kühle Nachtluft wird gespeichert. Dadurch wirkt das gesamte System von Sonnenschutzelementen und Fenstern wie eine natürliche Klimaanlage und sichert ein gesundes und behagliches Raumklima. Unterstützt wird diese natürliche Ventilation durch eine dezentrale, bedarfsgesteuerte mechanische Lüftungsanlage.

Austausch von Know-how

Das Gebäude wird im Sommer von einer dreiköpfigen Familie bezogen. Im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten „Wohn-Experiments“ wird danach ermittelt, wie sich das sanierte Gebäude in der Praxis bewährt. Dabei werden Energieverbrauch und Innenraumklima laufend gemessen und die Ergebnisse dokumentiert. Auch das individuelle Wohn- und Wohlfühlgefühl der Familie wird regelmäßig erfasst und ausgewertet. Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie eine umweltverträgliche Wohnlösung konzipiert sein sollte, um das Konzept auf Basis dieser Erkenntnisse weiterzuentwickeln. Darüber hinaus dient das „RenovActive“ Projekt der Wohnungsbaugesellschaft Le Foyer Anderlechtois, die insgesamt 3600 Wohneinheiten in Anderlecht besitzt, als Vorbild für die Modernisierung von zunächst 86 ähnlichen Häusern im Wohnviertel „Bon Air“. Die hierfür erforderlichen Genehmigungen der zuständigen Behörden liegen bereits vor, und der Start der Sanierungsarbeiten ist ab Mitte dieses Jahres vorgesehen.

Autorin

Barbara Nauerz ist studierte Innenarchitektin und im Team Architektur und Planung der Velux Deutschland GmbH in Hamburg für Referenzen und Objekte zuständig.

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