Das klügere Fensterbrett bewegt sich

Wenn Fenster zum Lüften geöffnet werden, stehen oft Hindernisse wie Blumentöpfe im Weg, die erst abgeräumt und nach dem Lüften wieder neu platziert werden müssen. Die Fraunhofer-Institute IVV und IBP wollen ein Fensterbrett zur Marktreife bringen, das sich beim Öffnen mit dem Fenster bewegt.

Zunächst wurde das Projekt am Fraunhofer IVV in der institutseigenen Werkstatt umgesetzt. Die Wissen­schaftler um Dr. Carolin Hauser setzten zwei handelsübliche Demonstratorfenster in eine nachgeahmte Mauerlaibung ein, um sowohl eine Variante für den Neubau als auch eine für eine Nachrüstung in bereits bestehenden Gebäuden zu erproben. Dabei war es wichtig, sich von den bisher patentierten Lösungen anderer Erfinder abzusetzen, die stets das Problem hatten, dass das Fensterbrett bei zunehmender Öffnung des Fensters an der Laibung der Anschlagseite reibt und diese Kante durch eine Verblendung geschützt werden muss.

Um den Prototyp des Fraunhofer IVV zu perfektionieren, wandte sich die Erfinderin an das Fraunhofer IBP. Dieses beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit allen Aspekten der Bauphysik und somit auch mit Fenstern als Teil der Gebäudehülle.

Die Funktionsweise des Fensterbretts

Das Fensterbrett ist direkt am Flügelrahmen angebracht. Verstärkte Kunststoffstreben bei Kunst­stofffenstern oder Metallschienen bei Holz- beziehungsweise Alumini­um­fenstern, diee waagerecht aus dem Fenster­rahmen ragen, dienen als Halterung für das Fensterbrett. Zusätzlich ist das Fensterbrett über eine Führungs­schiene direkt mit dem Flügel verbunden. Deren Funktionsprinzip beruht nicht nur auf Druck, wie bei herkömmlichen Schubladen, sondern auch auf Zug. Diese Schienenkonstruktion bewährte sich vor allem, um das Fensterbrett beim Öffnen des Fensters nach vorne ausfahren zu können. Somit lässt sich das Fenster mit dem sich mitbewegenden Fensterbrett genauso weit öffnen wie herkömmliche Fenster – auch ein Kippen ist möglich. Eine Feder zieht das Ganze beim Schließen automatisch wieder zurück. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler an einer Lösung, die das Fenster in verschiedenen Öffnungswinkeln einrasten lässt und dass diese Position nur durch eine erhöhte Bedienkraft wieder verändert werden kann. Dieser Mechanismus soll verhindern, dass das Fenster beispielsweise durch einen Windstoß unkontrolliert aufgedrückt oder zugeschlagen wird, was das Fenster selbst oder die Gegenstände auf dem Brett beschädigen könnte.

Das Fensterbrett kann also optimal in seiner kompletten Länge zum Abstellen von Blumentöpfen oder anderen Utensilien verwendet werden. Bei einem Neueinbau müssen keine weiteren baulichen Maßnahmen getroffen werden, und auch bereits bestehende Fenster könnten mit dem Fensterbrett problemlos umgerüstet werden. Somit ist die Marktfähigkeit durch ein nicht wesentlich teureres Fenster beziehungsweise Fensterbrett gegeben.

Autorin

Tanja Fleck leitet die Unternehmenskommunikation beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Valley.

Hintergrundinformationen

Die Fraunhofer-Gesellschaft nimmt im Vergleich zu den anderen Forschungseinrichtungen sowohl bei den Erfindungen, den neu angemeldeten Patenten als auch bei der Gesamtzahl der Patente eine Spitzenposition ein. Um die Kreativität ihrer Wissenschaftler zu fördern und zu belohnen, werden unter anderem interne Ausschreibungen und Wettbewerbe initiiert, innerhalb derer die Mitarbeiter ihre Ideen vorstellen und im besten Falle prämieren lassen können. So wurde auch das »Sich-mit-öffnende Fensterbrett – Open With« von Dr. Carolin Hauser, Forscherin am Fraunhofer IVV im Rahmen des Ideenwettbewerbs des Fraunhofer Symposiums »Netzwert« ausgezeichnet.


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