Den richtigen Ton getroffen
Sanierung und Farbgestaltung der Musikschule Moers im Martinstift

Das Martinstift, der heutige Sitz der Musikschule Moers, besteht aus drei um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum entstandenen, klassizistischen Gebäuden. Die dringend erforderliche Sanierung der denkmalgeschützten Bauten betont mit einem sandfarbenen Fassadenbild die Einheit des Ensembles.

Seit 1981 befindet sich die Musikschule Moers unter Leitung von Georg Kresimon im Martinstift, das aus drei als Baudenkmal geschützten spätklassizistischen Gebäuden besteht. Heute mehr denn je gilt das Ensemble als städtebauliches Aushängeschild der Stadt Moers. Der Zustand der Fassaden wie auch der Innenräume aller drei Gebäude, deren Grundsteinlegung auf die 1840er Jahre zurückgeht, ließ in jüngster Vergangenheit allerdings immer mehr zu wünschen übrig. „Die letzte Baumaßnahme liegt rund 30 Jahre zurück“, weist Verwaltungsangestellte Petra Menges auf den offenkundigen Nachholbedarf hin. Der Sanierungsstau war – wie vielerorts – der kommunalen Finanzknappheit geschuldet. Darauf, dass eine Stadt oder Gemeinde nur selten genügend Mittel für die kontinuierliche bauliche Instandhaltung ihrer öffentlichen Einrichtungen zurücklegen kann, nimmt der Zahn der Zeit keine Rücksicht. Besonders deutlich zeigten sich Schädigungen der Bausubstanz am 1838 errichteten Haus Rheinland: Tiefe Risse klafften in den Wänden, die Putzfassade wies zudem Abplatzungen auf. Vom Dachstuhl hatten bereits Hausbock und Hausschwamm Besitz ergriffen, so dass die Statik des Dachgebälks erheblich in Mitleidenschaft gezogen war. Der Dachstuhl musste daher zu drei Vierteln erneuert werden.

Ähnlich sanierungsbedürftig präsentierte sich das 1842 erbaute Haus Wartburg. Selbst um den Kammerkonzertsaal von 1890 mit seinem gediegenen Parkett, den imposanten Kronleuchtern, den kunstvoll gearbeiteten Stuckornamenten an der Decke und den Wänden stand es nicht viel besser. Alles in allem wurde es höchste Zeit, die alterungsbedingten Schäden fachgerecht zu beheben und dem Martinstift damit wieder zu einem angemessen würdevollen Erscheinungsbild zu verhelfen.

 

Dem historischen Erscheinungsbild auf der Spur

Projektleiter Theo Meiners, der für das beauftragte Architekturbüro Heinz-Jürgen Falk die Bauleitung übernahm, hatte eine komplexe Aufgabe zu meistern: „Die Instandsetzung umfasste über die denkmalpflegerischen Arbeiten hinaus auch die Schadstoffsanierung, den behindertengerechten Umbau aller drei Gebäude, die räumliche Erweiterung des Foyers durch Anbau eines Glaskubus zur Gartenseite hin sowie diverse Brandschutzmaßnahmen.“ Die konkreten Planungen begannen im März 2009, die Sanierung konnte Ende Juni 2010 abgeschlossen werden.

Bei der baulichen Instandsetzung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten arbeiteten die Handwerker in Moers vorrangig mit dem Histolith-Produktprogramm von Caparol, das zahlreiche Silikatprodukte speziell für Gebäude unter Denkmalschutz umfasst. Auch im Inneren der drei denkmalgeschützten Gebäude setzten die Handwerker hochwertige Lacke und Farben aus Ober-Ramstadt zu Restaurierungszwecken ein. Dabei mussten sie auch den besonderen Erfordernissen eines geordneten Musikschulbetriebs mit 26 Unterrichtsräumen in drei Gebäuden für rund 2000 Schülerinnen und Schüler Rechnung tragen.

Der vielschichtige Auftrag stellte eine besondere Herausforderung für den ortsansässigen Maler- und Lackierermeister Thomas Schütten wie auch für das seit über 120 Jahren bestehende Malerunternehmen Johannes Bongartz aus Duisburg dar – galt es doch, auf fast 3000 m2 Fassadenfläche und nochmals rund 7500 m2 Innenwand- und Deckenflächen ein den Vorstellungen des Rheinischen Amtes für Denkmalschutz entsprechendes historisches Erscheinungsbild sowohl detail- als auch weitestgehend originalgetreu wiederherzustellen. Dem Anforderungsniveau entsprechend fiel das erforderliche Finanzvolumen aus: Projektierung, bauliche Instandsetzung und malertechnische Gestaltung schlugen mit insgesamt 1,9 Millionen Euro zu Buche.

 

Kulturausschuss legte die Farben fest

Die genaue Farbwahl wurde unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten vom Kulturausschuss der Stadt Moers festgelegt und den beauftragten Malerbetrieben zur Umsetzung aufgegeben. „Bei der Auswahl passender Farben kommen immer auch persönliche Geschmacksvorlieben ins Spiel. Insofern bin ich sogar froh, dass uns die Entscheidung für den einen oder anderen Entwurf von der Behörde abgenommen wurde“, resümiert Musikschul-Rektor Georg Kresimon. In der Tat war die farbliche Gestaltung eine knifflige Angelegenheit. Denn unter dem rissigen Altputz des Martinstifts war Mitarbeitern des Malerbetriebs Schütten im Zuge der Sanierungsarbeiten ein rötlicher Farbton aufgefallen, der bei näherer Betrachtung durchaus die historische Ursprungsfarbe aus den 1840er Jahren hätte sein können.

 

Sandfarbiges Fassadenbild

Nach reiflichen Überlegungen entschied sich der Kulturausschuss der Stadt Moers auf der Grundlage einer fachlichen Stellungnahme der Denkmalschutzbehörde für ein dezentes sandfarbiges Fassadenbild mit abgestuften hellen Grautönen. Der letztlich gewählte Anstrich in hellen Pastelltönen zeichnet sich durch ein harmonisches, feinsinniges Understatement aus, das dem fertig restaurierten Martinstift heute und in Zukunft ein besonders würdevolles Aussehen verleiht. „Das realisierte Farbgebungskonzept passt sehr gut zu den klassizistischen Strukturen der Fassade“, zeigt sich Georg Kresimon mit dem Ergebnis der Sanierung aller drei Gebäude zufrieden.

Das Wirkungsprinzip der eingesetzten Silikatfarben beruht auf ihrer Fähigkeit, mit anderen mineralischen Baustoffen „zu verkieseln“, das heißt eine unlösbare Verbindung einzugehen: „Silikatfarben sind das einzige Farbsystem, das sich aufgrund der Wirkungsweise des flüssigen Kaliumsilikates chemisch mit dem Untergrund verbindet“, erklärt Caparol-Fachberater Herbert Derks. Histolith verkrallt sich dabei nicht nur im Untergrund, sondern geht ebenso mit den quarzitischen Bestandteilen in seiner Füllstoffkombination eine Verbindung ein. Das ergibt eine nochmals verbesserte Haltbarkeits- und Kreidungsstabilität.

 

Malertechnische Nachbildung der historischen Fassade

Bei der malertechnischen Nachbildung des historischen Fassadenbildes gingen die Maler in Moers wie folgt zu Werke: Zunächst wurde der historische Untergrund einer behutsamen Wasserstrahl-Hochdruckreinigung per Rotationsdüse unterzogen, nachdem Moos und Algen mit Histolith-Algenentferner vorbehandelt worden waren. Anschließend folgte die Grundierung des freigelegten, relativ weichen Mauerwerksuntergrundes mit Histolith-Fixativ. Im Anschluss war die Spachtelung mit dem Histolith-Renovierspachtel an der Reihe, der grundsätzlich zweilagig aufgebracht und anschließend gründlich gefilzt werden muss. „Wir arbeiten seit geraumer Zeit mit dem Renovierspachtel und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, hebt Malermeister Thomas Schütten, Geschäftsführer des gleichnamigen Malerbetriebs aus Moers, die praxisgerechten Eigenschaften des speziellen Denkmalschutz-Produkts hervor. Danach erfolgte der Auftrag der Grundierfarbe. Zu guter Letzt wurde die Fassadenfarbe in den von der Denkmalschutzbehörde bestimmten Farbtönen zweifach per Rolle und Pinsel aufgetragen.

Die bauliche Instandsetzung und die farbliche Gestaltung schlugen mit insgesamt 1,9 Millionen Euro zu Buche

Übersichtsplan

Hier finden Sie einen Übersichtsplan der drei Gebäude des Martinstifts in Moers als PDF.

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