Feuchte Außenwand und Schimmel

Bisher standen vor allem Gebäude mit Wärmedämmverbundsystemen im Verdacht, besonders anfällig für Schimmelbildung im Innenraum zu sein. Jetzt treten auch vermehrt Schimmelbildungen in unsanierten Gebäuden auf. Wir sagen, was zu tun ist.

Auch monolithische Gebäude können Probleme mit feuchten Außenwänden und oftmals daraus resultierender Schimmelbildung in Innenräumen bekommen, und das nicht nur am kritischen Sockel. Oft sind es kaum sichtbare Risse, Hagelschäden oder Konstruktionsmängel in der Gebäudeaußenhaut, die aus einer ursprünglich wasserabweisenden Schicht eine wasserdurchlässige Schicht werden lassen.

Damit Außenputzsysteme die Wand vor eindringendem Wasser schützen, werden wasserabweisende Mittel dem Putzmörtel zugegeben. Darüber hinaus sollen Außenputze natürlich auch dekorativ sein. Problematische Anschlussdetails, Dampfdiffusion und Konvektion – oft an Fenster- und Fenstertürbereichen sowie an Rollladenkästen und Be- und Entlüftungsrohrdurchführungen zu beobachten – tun ihr übriges. Nach Stark- und Schlagregen sind solche vorgeschädigten Fassaden oberflächlich feucht. Übersteigt die Mengen des eingedrungenen Regenwassers die natürliche Verdunstungsmenge der Fassade nimmt die Mauerwerksfeuchte in Masseprozent zu.

Einsatz von Simulationsprogrammen

Diese Feuchtezunahmen können mit Hilfe von hygrothermischen Simulationsprogrammen wie WUFI pro realitätsnah je nach Himmelsrichtung nachgestellt werden. Dabei wird durch eine Mehrjahresberechnung bei realen Witterungs- und Temperaturverhältnissen berechnet, ob die Außenwandkonstruktion nach Schädigungen trocken bleibt oder permanent feuchter wird. Parallel hierzu wird vom Programm auch die Zunahme der Wärmeleitfähigkeit berechnet. Meist kommt es dabei zu einer drastischen Verschlechterung des U-Wertes, also des Wärmedurchgangskoeffizienten. Dies kommt einer künstlich hervorgerufenen Wärmebrücke gleich.

Aufgrund dieses erhöhten U-Wertes und der daraus resultierenden geringeren Außenwandtemperaturen im Innenraum, kommt es in vielen Fällen zu allmählichen Schimmelpilzbildung, obwohl sich die Lüftungsgewohnheiten der Bewohner nicht geändert haben. Die Verwunderung der Bewohner mit dem Ausdruck: „So was haben wir doch noch nie gehabt, und wir wohnen schon 20 Jahre im Haus“, ist also mehr als verständlich. Der oft gut gemeinte Ratschlag mehrfach am Tag Stoßlüftungen durchzuführen, ist in diesen Fällen wenig zielführend.

Das nicht selten beobachtete Szenario hat aber noch kein Ende, denn mit zunehmendem Feuchtegehalt der Außenwandkonstruktion nimmt auch die Gefahr von Putz- und Außenwandschäden durch Frost zu. Kleinflächige, schieferartig abplatzende Außenputzteile sind ein erstes Indiz für eine nachhaltige Schädigung der Außenwandkonstruktion. Freiliegendes Außenmauerwerk als Folge beschleunigt die Wassermengenzunahme in der Fassade. Deshalb unser Hinweis an alle Betriebe, die sich mit Schimmelsanierung befassen: Im Zuge von Schadensanalysen bei Schimmelbefall in Innenräumen muss die Untersuchung der Außenwandkonstruktion in die Kontrolle einbezogen werden. Ist die Außenwand feucht und nicht mehr wasserabweisend, muss diese vor der Innensanierung wieder wasserabweisend hergestellt werden.

Um Feuchteschäden zu erkennen ist als erstes eine Inaugenscheinnahme der Fassadenflächen und eine Vergleichsfeuchtemessung notwendig. Sind diese Ergebnisse zu ungenau und nicht zu differenzieren, können Aufnahmen mit der Thermografiekamera hilfreich dabei sein, Schadensflächen einzugrenzen. Mittlerweile gibt es auch Geräte, die U-Werte einer Außenwandkonstruktion messen können. Durch Vergleichswerte an trockenen Gebäudeseiten – da diese Seite nicht schlagregenbelastet ist – kann das Schadensausmaß abgeschätzt werden.

Risssanierung an Fassaden

Die Risssanierung selbst und die meist notwendige Putzüberarbeitung wird nach dem WTA- Merkblatt „E-02-04-08/D Beurteilung und Instandsetzung gerissener Putze an Fassaden“ durchgeführt. Das Merkblatt beschreibt, wie man Rissursachen ermittelt, hilft zu beurteilen, ob Risse einen technischen oder optischen Mangel darstellen, beschreibt wie der Untergrund vor einer Instandsetzung zu prüfen ist und hilft bei der Auswahl des Instandsetzungssytems. Unterschieden werden unter anderem Putz- und ausführungsbedingte Risse, also Schwindrisse, Sackrisse usw. und konstruktionsbedingte Risse beziehungsweise putzgrundbedingte Risse, also Schubrisse, Kerbrisse und Fugenrisse. Beschrieben wird darüber hinaus, wie man Untersuchungen durchführt, um zerstörungsfrei beziehungsweise zerstörungsarm festzustellen, ob Risse statisch, also zur Ruhe gekommen sind oder ob Risse dynamisch, also in permanenter Bewegung sind.

Die Ursachen für dynamische Risse sind vielfältig; so können schon allein unterschiedliche Grundwasserstände die Dynamik verursachen, oft aber auch Schwerverkehr, der in unmittelbarer Nähe der Fassade vorbeiführt. Zur Feststellung der Rissbewegungen kommen Rissmonitore oder Gipsmarken zu Einsatz.

Nach Sammlung aller Informationen stehen je nach Schadensbild 14 unterschiedliche Verfahren zur sachgerechten Risssanierung zur Auswahl, die im Merkblatt detailliert beschrieben sind. Dabei erstreckt sich die Sanierung bei geringen Schäden vom Reißverschluss mit gefüllter Beschichtung bis hin zum Einbau von Dehnungsfugen mit Profil.

Schimmelsanierung in Innenräumen

Die Feuchteprobleme im Innenraum werden auch nach erfolgreicher Sanierung der Außenwandkonstruktion für längere Zeit bleiben. Beidseitig verputztes durchfeuchtetes Mauerwerk benötigt je nach Himmelsrichtung und den verwendeten Baustoffen zum Erreichen der sogenannten Ausgleichsfeuchte mitunter Jahre. Diese Ausgleichsfeuchte der Außenwand stellt sich allmählich wieder ein, wenn die Verdunstungsmenge aus dem Mauerwerk im Jahresmittel wieder größer geworden ist, als die Menge des aufgenommenen Wassers.

Dies ist wichitg, denn Schimmelpilze benötigen für ihr Wachstum immer eine gewisse Menge an Feuchtigkeit, wobei hier oft schon eine kurze Zeitspanne an Kondensat ausreicht, um sie am Leben zu erhalten. Sind Sporen erst einmal auf der Oberfläche vorhanden, kann auch nach einer Austrocknungsphase der Schimmelpilz wieder an der gleichen Stelle wachsen. Die Temperaturbedingungen sind nicht ausschlaggebend, da bei den üblichen Wohntemperaturen immer ein Wachstum möglich ist. Auch organische Nahrung ist meist ausreichend auf Wand- und Fliesenfläche vorhanden. Ziel einer Sanierung sollte immer sein, den Feuchtehaushalt in den Innenräumen langfristig zu reduzieren, um den Schimmelpilzen die Lebensgrundlage zu entziehen.

Bei Schimmelsanierungen werden saugfähige Oberflächen favorisiert, wie sie ein Kalkputz zur Verfügung stellt. Aufgrund seiner hohen Kapillarität wird Oberflächenwasser schnell aufgenommen und in den Putz abgeführt. Hierbei muss man durch ausreichende Lüftungszyklen sicherstellen, dass dem Putz auch genügend Zeit bleibt, dieses Wasser wieder zu verdunsten, da es ansonsten zu einer Durchfeuchtung kommt. Ausschlaggebend für die Materialwahl ist aber die hohe Alkalität frischer Kalkputze (pH > 10), da auf diesem Untergrund ein Schimmelwachstum nicht möglich ist. Mit fortschreitender Karbonatisierung (Umwandlung des freien Kalks in Kalkstein) geht dieser Effekt aber weitestgehend verloren. Schon nach wenigen Monaten kann Kalkputz vollständig karbonatisiert sein. Dieser Schutzmechanismus ist also nicht von Dauer. Die Erfolge von Kalkputz sind deshalb nicht der Alkalität, sondern dem guten Saugverhalten geschuldet.

Als noch wirkungsvoller sind hier Kalziumsilikatplatten zu bewerten, deren Saugeigenschaft um ein mehrfaches höher als die von Kalkputzen ist – und das bei ebenfalls hohem, aber lange andauerndem pH-Wert. Zusätzlich wirken sie als gemäßigte Innendämmung, so dass in vielen Fällen eine Kondensatbildung durch höhere Innenwandtemperaturen an der Oberfläche vermieden wird. Im Zusammenspiel mit der besonders schnellen Verarbeitung und der daraus resultierenden schnellen Benutzbarkeit der Räume, haben Handwerker damit ein „Werkzeug“ an der Hand, mit dem sich sehr einfach gute Ergebnisse erzielen lassen.

Zur Bedeutung der Schimmelentfernung

Schimmel sollte erst dann entfernt werden, wenn die Ursache der Entstehung erkannt und abgestellt wurde. Als Grundlage für die Schimmelsanierung dient die „Handlungsanleitung Gesundheitsgefährdung durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung“ der BG-Bau, die im Rahmen der BG-Information (BGI 858) erschienen ist. Somit haben Handwerksbetriebe einen umfassenden Leitfaden an der Hand, um sich mit diesem Thema vertraut zu machen.

Die Entfernung von Schimmelpilzen wird oftmals auf die leichte Schulter genommen. Man ist sich offenbar nicht darüber im Klaren, dass es sich um gesundheitsschädigende Substanzen handelt, die gerade bei ständig in der Schimmelsanierung tätigen Handwerkern zu Langzeitschädigungen führen können.

Sind die Wandflächen gereinigt, können die Kalziumsilikatplatten verklebt werden. So sicher die Platten in ihrer Verarbeitung und in ihrer Wirkung sind, es kann auch zu  Fehlschlägen kommen, wenn bauphysikalische Grundsätze nicht beachtet werden. Der Planer ist hier besonders gefragt, wenn es um die Beachtung von Wärmebrücken geht. Je nach Plattentyp und Dicke sind diese unterschiedlich stark dämmend. Je besser die Dämmung, umso sensibler muss den Anschlüssen Beachtung beigemessen werden. Auch bei der Verarbeitung können Fehler entstehen: Hohlräume hinter den Platten, Acrylat- und Siliconfugen bei Anschlüssen oder überhaupt ausgesparte Flächen sind dabei die häufigsten Fehler.

Da die gesundheitliche Gefährdung, die von Schimmelpilzen ausgehen kann, bedeutend höher zu bewerten ist, als allein die optische Beeinträchtigung an der Wandoberfläche, sollte generell auf eine Sanierung gedrängt werden. Kalziumsilikatplatten bieten dem Planer eine sichere und dem Handwerker eine einfache Möglichkeit dem Schimmel zu begegnen. Wie in den meisten Fällen kommt es aber auch hier auf das die Erfahrung an, damit die Sanierung fachgerecht ausgeführt wird.

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