Pfusch am Bau

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

… ist nicht der einzige Grund für die zunehmenden Schäden an Gebäuden, aber ein entscheidender auf jeden Fall. Laut dem von der Dekra im vergangenen Jahr erneut veröffentlichten Bauschadensbericht sind die durch Pfusch am Bau verursachten Schäden im Vergleich zum Vorjahr um satte 34 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt wurden darin 32 Mängel pro Haus festgestellt. Das sind 11 mehr als im Vorjahr. Insgesamt entstanden im vergangenen Jahr durch Pfusch am Bau in Deutschland Schäden in einer Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Diese Summe hat sich gegenüber 2007 damit insgesamt nicht verändert, obwohl die Mängelanzahl und die Mängelbeseitigungskosten zugenommen haben.

Mängel wurden im Bauschadensbericht in allen Fällen festgestellt, in denen das Gebäude oder ein Teil davon nicht die vereinbarte Beschaffenheit hatte oder nicht den anerkannten Regeln der Technik entsprach. Natürlich ist ein Mangel noch kein Schaden, aber meist die profunde Voraussetzung dafür. Wie Dr. Josef Maier ab Seite 38 in dieser Ausgabe der BAUHANDWERK beschreibt, entstehen Schäden erst dann, wenn Wasser und zum Teil auch darin gelöste Salze durch die unzureichend geschützte Oberfläche in das Bauteil beziehungsweise in die Konstruktion – was noch viel schlimmer ist – eindringen können. Dies muss nicht zwingend aufgrund einer mangelhaften Ausführung geschehen, es kann sehr wohl auch auf einem Fehler in der Planung beruhen. Gleichwohl haben Handwerker die Pflicht, auf solche Fehler hinzuweisen.

Baufehler sind darüber hinaus Wegbereiter für Schädlinge. Mit so mancher undichten Stelle in der Gebäudehülle öffnet man dem Getier Tür und Tor. Es gibt Tiere, die haben sich auf bestimmte Baufehler geradezu spezialisiert. Die Diplom-Biologin Eva Scholl erklärt ab Seite 43 in diesem Heft, worauf man bei der Schädlingsbekämpfung und auch danach als Handwerker achten sollte.

Insbesondere bei einer energetischen Sanierung, wie ab Seite 4 in dieser Ausgabe der BAUHANDWERK beschrieben, wartet der Bestand so manches Mal mit baulichen Gegebenheiten und undurchschaubaren konstruktiven Details auf, die Handwerkern unter wirtschaftlichen Zwängen und gestalterischen Vorgaben die Vermeidung von Wärmebrücken erschweren, was beim vorgestellten Einfamilienhaus in Oberhausen zum Glück nicht der Fall war. Worauf man bei Dämmarbeiten zur Vermeidung von Wärmebrücken aber unbedingt achten sollte, erklärt Nikolaus Schneider ausführlich ab Seite 32 in diesem Heft.

Fehler begeht niemand gern und schon gar nicht mit Absicht. Im Bauhandwerk geht es darum, sich die Ursachen solcher Fehler bewusst zu machen und entsprechend zu handeln. Gerade der allzu leicht heraufbeschworene Pfusch am Bau schädigt das Image des Handwerks. Alle am Bau Beteiligten sollten gemeinsam daran arbeiten, solche Fehler im Gesamtinteresse des Bauens in Deutschland zu vermeiden.

 

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

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