Positive Energie
Umnutzung eines Zisterzienserinnenklosters in Schweinheim

Im Zuge der Säkularisierung wurden Anfang des 19. Jahrhunderts die Nonnen und Mönche aus den Klöstern vertrieben und die Gebäude einer profanen, meist landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Dieses Schicksal ereilte auch das Zisterzienserinnenkloster Schweinheim. 2005 kaufte der Architekt Frank Zurawski die Klosteranlage, wo im Rahmen umfangreicher Sanierungsarbeiten neben seinem Architekturbüro gerade acht moderne Wohneinheiten sowie ein Seminarzentrum entstehen.

Das Nonnenkonvent war 1238 als Stiftung des Grafen Gottfried von Tomberg in einem stillen Talkessel in der Voreifel errichtet worden. Auf den Ländereien des Klosters befand sich in früheren Zeiten eine Königsburg, in der nach Überlieferung eines gewissen Abtes Regino im Jahr 870 König Ludwig der Deutsche (843 bis 876) übernachtete. Im Laufe der Nacht habe jedoch das Gebälk des königlichen Schlafraums im Obergeschoss nachgegeben, worauf der Monarch seine Reise mit zwei gebrochenen Rippen fortsetzen musste ...

Da es überwiegend Frauen aus dem begüterten Landadel waren, die im Kloster Schweinheim Aufnahme fanden, brachte es das Konvent zu beachtlicher wirtschaftlicher Stärke. Zum Klosterbesitz gehörten in den folgenden Jahren mehrere Höfe, Renten sowie Häuser in Bonn und Sinzig. Über die weitere Geschichte des Klosters ist heute nur noch wenig bekannt. Sicher ist jedoch, dass die gesamte Klosteranlage Anfang des 18. Jahrhunderts komplett zerstört und in den Jahren 1726 bis 1728 wieder aufgebaut wurde. Über einem ovalen Fenster am Haupteingang ist die Jahreszahl 1726 auch heute noch zu sehen, zusammen mit der lateinischen Inschrift „Porta Coeli“, was Himmelstor bedeutet und der ursprüngliche Name des Klosters war. Im Rahmen der Säkularisierung wurde das Kloster 1803 schließlich durch die Franzosen aufgelöst und die 12 Nonnen, die noch im Konvent lebten, vertrieben. Die Gebäude wurden verkauft und fortan profan genutzt – wahrscheinlich für landwirtschaftliche Zwecke. Dieser Nutzung fielen zahlreiche Gebäude des Klosters zum Opfer: Die Klosterkirche ist wohl um 1840 endgültig abgerissen worden, und auch der Kreuzgang ist nicht mehr vorhanden. Erhalten blieb lediglich das Haupthaus, ein zweistöckiges Bruchsteingebäude auf L-förmigem Grundriss, das ehemalige Refektorium (der Speisesaal) sowie die entkernte Mühle am nahe gelegenen Steinbach, das wohl schon zu Klosterzeiten zum Backhaus umgenutzt worden war. Das heutige Ensemble wird komplettiert von einer großen Fachwerkscheune, deren älterer Teil wohl unmittelbar nach der Auflösung des Klosters errichtet wurde (siehe Lageplan auf Seite 28).

Neue Nutzung


Die landwirtschaftliche Nutzung des Klosters trat in den jüngeren Vergangenheit immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen entstanden im Hauptgebäude nach und nach Wohnungen. Die Scheune und das Refektorium wurden für die Pferdehaltung genutzt, während die Mühle leerstand. So fand Architekt Frank Zurawski die Klosteranlage vor, als er sie 2005 zum ersten Mal besichtigte. Von einer Bewohnerin hatte er erfahren, dass die Gebäude inklusive 17 000 m2 Grundbesitz zum Verkauf standen, woraufhin er sich noch am selben Tag mit dem Besitzer traf und das Anwesen erwarb. „Ich bin hier angekommen und habe mich sofort wohlgefühlt“, erzählt der Architekt. „Diese Gebäude haben eine Ausstrahlung, die man mit einem Neubau niemals erreichen kann.“ Neben der positiven Energie des Ortes hatte den neuen Besitzer natürlich auch die Substanz der Bruchsteingebäude überzeugt: Die Wände des Haupthauses waren trocken, das Dach dicht, der Dachstuhl und die Holzbalkendecken bis auf kleinere Schäden intakt.

„Ich hatte eine außergewöhnliche Immobilie gesucht, die genug Platz zum Wohnen und Arbeiten bietet“, so Frank Zurawski, der die alte Mühle zu seinem zukünftigen Wohnhaus auserkor. Sein Architekturbüro mit zwölf Mitarbeitern sollte hingegen im Haupthaus einziehen, dass mit jeweils 400 m2 Nutzfläche im Erd- und Obergeschoss sowie weiteren 260 m2 im Dachgeschoss dafür allein jedoch viel zu groß war und daher weiterhin acht Wohneinheiten beherbergen soll. „Mir war von Beginn an klar, dass man auch nach der grundlegenden Sanierung des Klosters immer wieder große Geldmengen investieren muss, um die denkmalgeschützte Anlage zu erhalten“, erklärt der Architekt. „Daher war es mir wichtig, dass man die Gebäude einigermaßen wirtschaftlich betreiben kann.“ Eine Naturheilpraxis mit Seminarraum im ehemaligen Refektorium komplettiert die neue Nutzung des ehemaligen Klosters.


Umbau der Mühle zum Wohnhaus


Die Mühle am Steinbach wurde, wie auch das Haupthaus, aus bis zu 120 cm dicken Bruchsteinwänden aus Grauwacke gebaut. Im Gegensatz zum Haupthaus befand sie sich jedoch in einem relativ schlechten Zustand, was wohl daran lag, das sie schon vor langer Zeit ihrer technischen Ausstattung beraubt und seitdem ungenutzt geblieben war. Für einen Umbau zum Wohnhaus galt es jedoch nicht nur, das defekte Dach und die zerstörten Fenster zu erneuern, sondern vor allem Decken in den bis ins Dachgeschoss offenen Mühlraum einzuziehen.

Obwohl die Mühle direkt am Bach, also praktisch „im Wasser“ steht, verzichtete der Architekt auf eine nachträgliche horizontale Abdichtung des unverputzten Mauerwerks. Die Wände sind mittlerweile trotzdem trocken, was nicht nur an der konsequenten Durchlüftung, sondern vor allem an der neuen Heizanlage liegt: Ein Stubenkessel mit integriertem Pellet-Modul zieht die für die Verbrennung notwendige Luft aus dem Kellerraum und sorgt so für eine permanente Luftumwälzung. Dieser moderne Stubenkessel (Modell HKD 4  SK 1 von Brunner) wirkt wie eine Zentralheizung, kann jedoch wahlweise mit Holzpellets oder mit klassischen Holzscheiten betrieben werden. „Dieser Ofen macht mich von schwankenden Preisen weitgehend unabhängig“, so Frank Zurawski. „Wenn Holzpellets gerade teuer sind, heize ich eben mit Brennholz, das aus dem zum Kloster gehörenden Wald stammt.“

Als große Herausforderung erwies sich die Wärmedämmung der Außenwände. Da das Sichtmauerwerk natürlich erhalten bleiben sollte und aufgrund der Auflagen der Denkmalbehörden auch musste, kam nur eine Innendämmung in Frage. Wie sollte man diese jedoch auf dem extrem unregelmäßigen Mauerwerk mit Unebenheiten von bis zu 15 cm befestigen? Außerdem wollte der Architekt die Dämmplatten auch nicht direkt im Naturstein befestigen, da die Dübel in den zahlreichen breiten Fugen nicht halten. Die Lösung war eine Unterkonstruktion aus Holzlatten, die von den Handwerkern mit so genannten Jamo-Schrauben (Würth) im ersten Arbeitsschritt direkt im tragfähigen Mauerwerk verankert wurden. Diese Schrauben verfügen über zwei unterschiedliche Gewinde, eines ohne Steigung am Kopf und eines mit Steigung an der Spitze. Das Gewinde am Kopf hält die Holzlatte und verändert die Position nach einmaligem Einschrauben nicht mehr. Die Schraubenspitze hingegen wird in einen Dübel in den Naturstein geschraubt. Durch die Steigung des zweiten Gewindes lässt sich die Lage im Dübel durch ein und ausdrehen nach wie vor verändern, während die Holzlatte dabei jedoch in der gewünschten Position bleibt. In die Felder zwischen den Holzlatten brachten die Handwerker Lehmputz ein, so dass trotz großer Unebenheiten im Mauerwerk eine ebene Fläche zur Montage der Innendämmung entstand. Zudem übernimmt der Lehm im diffusionsoffenen Wandaufbau die Funktion eines Feuchtigkeitspuffers, der eventuell anfallendes Tauwasser aufnehmen und später wieder abgeben kann. Für die Innendämmung wählte Architekt Frank Zurawski eine 50 x 50 cm große und 8 cm dicke Holzweichfaserplatte (Inthermo), die von den Handwerkern mit Spax-Schrauben in den zuvor im Plattenraster angebrachten Holzlatten verankert wurden. Auf die Innendämmung wurde dann ein Lehm-Unterputz aufgebracht, in den die Wandheizung eingebettet ist. Ein abschließender Lehm-Feinputz komplettiert den Wandaufbau. Deutlich einfacher gestaltete sich die Dämmung des neuen Dachstuhls, wo die Handwerker eine Einblasdämmung aus Zellulose einbrachten. Zudem erhielt die alte Mühle neue moderne Fenster mit Gewänden aus Holz sowie neue Holzbalkendecken, die teilweise mit einem Versprung montiert wurden und so im Obergeschoss einen Split-Level-Grundriss ergeben (siehe Foto auf Seite 32, oben links).

Sanierung des Hauptgebäudes

Während die Arbeiten an der Mühle schon weit fortgeschritten sind, haben die Handwerker bei der Sanierung des Haupthauses noch Einiges zu tun. Verfahren wird dabei analog zu den bereits fertig gestellten Räumen des Architekturbüros im Obergeschoss: Überall dort, wo keine Stuckdecken vorhanden sind, wird – wie in der Mühle – eine Innendämmung aus Holzweichfaserplatten montiert. Zuvor müssen alte Anstriche entfernt, der originale, gut erhaltene Lehmputz an einigen Stellen ausgebessert und partiell vorhandener Gipsputz entfernt werden. Die einfach verglasten Holzfenster des Hauptgebäudes sollen erhalten und zur Verbesserung des Wärmeschutzes durch isolierverglaste Innenfenster ergänzt werden, was angesichts der enormen Laibungstiefe kein Problem darstellt.

Der Fußboden im Erdgeschoss musste zum Einbau einer kapillarbrechenden Schicht komplett entfernt werden – für die Handwerker war dies zum großen Teil harte Handarbeit, die nur teilweise von einem speziellen Minibagger, der dank variabler Kettenweite durch die Eingangstür in das Gebäude fahren konnte, unterstützt wurde. Der neue Fußbodenaufbau wird aus einer 16 cm dicken Bodenplatte aus Beton, einer bituminösen Abdichtung, einer Dämmschicht und einer Fußbodenheizung bestehen. Als Bodenbelag wählte der Architekt einen seltenen, grünen Schiefer aus Brasilien (Malta Grey, Import durch Zaun Baustoffe).

Das Dachgeschoss war zuvor schon zu 60 Prozent ausgebaut, wobei es Frank Zurawski auch belassen wollte. Die restliche Fläche soll als Abstellraum dienen. Der bewohnte Teil des Dachraums erhält eine Sparrenaufdopplung (12 cm Bestand plus 12 cm Aufdopplung), welche die Aufnahme einer ausreichend dicken Dämmschicht ermöglicht.


Fazit


Die Umnutzung einer Klosteranlage ist einer umfassende Bauaufgabe, bei der die Handwerker mit unterschiedlichen Gebäudetypen – in Schweinheim von der alten Bruchsteinmühle bis zur stark sanierungsbedürftigen Fachwerkscheune – konfrontiert werden. Daher werden Planung und Ausführung der historischen Gebäude in enger Zusammenarbeit mit Corinna Relles von der Unteren Denkmalbehörde sowie der Landeskonservatorin Octavia Zanger durchgeführt.

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