Restaurierung einer Bleiverglasung

Die Bielefelder Süsterkirche geht mit ihren Maßwerkfenstern bis auf die Spätgotik zurück. Die Bleiverglasung stammt allerdings aus den Jahren 1950/51. Die Firma Knack restauriert diese und baute sie nach innen versetzt ein. In der Ebene der Bleiverglasung montierte sie eine Schutzverglasung.

Glaskunst gibt es bereits seit etwa 7000 Jahren. Seit dem 8. Jahrhundert kommen darin auch Farbigkeit und figürliche Darstellungen vor. Ab dem 12. Jahrhundert erlangte die Glasmalerei in der Gotik letztendlich Weltruhm. Es handelt sich dabei um Mosaikstücke aus Glas, die mit Bleistreifen und zusätzlichen Außenrahmen zusammengehalten werden, also eine „Glasscheibe“ bilden. Solche Glaskunst wird von begabten Handwerkern bis heute gepflegt.

Sanierungsbedürftige Bleiverglasung
der Bielefelder Süsterkirche 

Eine solche für Kirchen typische Bleiverglasung findet sich auch in der Bielefelder Süsterkirche. Der Bau geht auf die Gründung des Klosters Mariental im Jahr 1491 zurück. Die Kirche besaß damals spätgotische Maßwerkfenster. Mehrfach umgebaut und erweitert wurden die heutigen Kirchenfenster allerdings erst 1952 eingebaut, nachdem das Gebäude im Zweiten Weltkrieg zu etwa 70 Prozent zerstört wurde.

Durch Witterungseinflüsse war diese Verglasung mittlerweile stark gewölbt, weshalb eine Restaurierung erforderlich wurde. Im Januar vergangenen Jahres wurde das Büro DenkmalCheck vom evangelischen Kirchenkreis Bielefeld mit einer Schadensanalyse und Kostenschätzung und nach Genehmigung des Landesdenkmalzuschusses im Mai 2018 auch mit der Durchführung beauftragt. Ein viertel Jahr später begannen die Arbeiten, die bis Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein sollen. Schon jetzt ist absehbar, dass der Finanz- und Zeitrahmen eingehalten werden wird.

Die denkmalgeschützte Süsterkirche des ehemaligen Augustinerinnenklosters Mariental ist heute die Pfarrkirche der evangelisch-reformierten Gemeinde in Bielefeld. Sie liegt in der nördlichen Altstadt am gleichnamigen Süsterplatz und damit im Bezirk Mitte und im Zentrum der Stadt.

Schäden und Bestandsanalyse an der Bleiverglasung 

Die Kirche besitzt 15 Maßwerkfenster mit einer zurückhaltend farbigen Bleiverglasung aus Echt-Antikgläsern. Laut Kostenangebot vom 18.8./30.11.1950 wurden die Fenster mit Ausnahme des Westfensters von den Glaswerkstätten Waldemar Heberle in Hagen-Haspe nach Entwürfen des Grafikers Friedrich Christian Hüffner aus Münster-Wolbeck 1950/51 erstellt. Dies bestätigt die Inschrift im unteren Teil des rechten Chorfensters.

Seit dem Einbau der neuen Bleiverglasung 1952 hat keine Sanierung mehr stattgefunden. Die Windeisen waren stark verrostet, zum Teil fehlten die Befestigungsstifte. Die Glasscheiben auf der Südseite waren stark konvex beziehungsweise konkav verzogen. Die Verkittung unter den Bleiprofilen war abgängig, so dass hier Feuchtigkeit ins Kircheninnere eindringen konnte.

An Chor und Nordseite waren die Fenster zur Straße durch außen in die Gewände eingehängte Drahtgitter vor Vandalismus geschützt. Auf der Südseite hatte man die oberen halbkreisförmigen Maßwerke mit Taubengittern versehen. Mit Ausnahme der Chorfenster (senkrechte, im Bereich der Schriftfelder waagerechte Windeisen), der halbkreisförmigen Maßwerke und der Lüftungsöffnungen hatten die Scheibenfelder keine zusätzliche Stabilisierung durch Windeisen.

Trotz der starken Ausbauchungen war das Bleinetz im Wesentlichen intakt, in den Gläsern fanden sich kaum Sprünge und Fehlstellen. Die Gläser klapperten nicht.

Die Scheiben waren verschmutzt, die Setzeisen, Deckschienen, Windstangen und Rahmen der Lüftungsöffnungen stark verrostet. Das Maßwerk ist in weiten Teilen intakt, die Mörtelfugen zu den Fenstern hin sind nur stellenweise defekt. In der Sohlbank außen befanden sich kreisrunde Wasserablauföffnungen.

Es handelt sich um sieben Fenster mit einem und sieben Fenster mit zwei Maßwerken aus Sandstein als Unterteilung, im oberen Bereich mit Dreipassmaßwerk, die man innen und außen mit Mörtel eingefasst hatte.

Restaurierung der Bleiverglasung 

Die Verglasung wurde komplett ausgebaut und in der Werkstatt in Münster restauriert. Die Maßwerkfenster erhielten eine „Notverglasung“ aus OSB-Platten, um die Kirche gegen Einbruch zu sichern. Die Farbverglasung wurde von den Mitarbeitern der Firma Knack fachgerecht gereinigt. Durch Auflegen von Gewichten und durch vorsichtiges Erwärmen wurden die Verwölbungen/Ausbauchungen der Bleiglasscheiben soweit wie möglich minimiert. Bleibende Ausbauchungen werden toleriert. Sprünge in den Scheiben wurden verklebt, fehlende Scheiben passend ergänzt. Die restaurierte Verglasung wurde dann in einen Messingrahmen gefasst.

Alle Eisenteile wurden entrostet und neu beschichtet, durchgerostete Eisenteile jedoch durch neue beschichtete VA-Stähle ersetzt.

Einbau einer Schutzverglasung 

Zum Schutz vor Wettereinflüssen und Vandalismus bauten die Mitarbeiter der Firma Knack zusätzlich eine innenbelüftete Schutzverglasung ein, die sie anschließend mit Trass-Kalk-Mörtel abgefugten. Dabei bauten sie das Schutzglas an der Stelle der Farbverglasung ein und hängten letztere innen mit einem Abstand von etwa 4 bis 5 cm hinterlüftet und in Messingrahmen gefasst davor. Der Messingrahmen erhält zusätzlich einen Bleistreifen zum Naturstein um störende Lichteinfälle zu verhindern. Das Schutzglas besteht aus Verbundsicherheitsglas (VSG), wobei die äußere Scheibe der besseren Optik wegen ein leicht bewegtes beziehungsweise strukturiertes, maschinengezogenes Goetheglas ist. Goetheglas ist eine Glassorte, die für die Restaurierung historischer Glasfenster eingesetzt wird. Es ist nach der historischen Verglasung des Goethe-Hauses in Frankfurt benannt.

Die vorhandenen Steinrinnen wurden mit Walzblei und Verstärkungsprofil aus Aluminium ausgekleidet, um das Schwitzwasser aus dem Scheibenzwischenraum aufzufangen und durch eine Öffnung nach außen abzuleiten. Die vormals vorhandenen Gitter wurden ersatzlos entfernt. Alle oberen Maßwerke bekamen einen Taubenschutz aus einem anthrazit beschichteten Stahlnetz aus VA.

Autor

Ing. (grad.) FH Hans-Peter Beyer ist zertifizierter Architekt in der Denkmalpflege und Geschäftsführer von DenkmalCheck, Sachverständigenbüro Beyer & Simon, in Bonn und Bielefeld.

Knack – Bleiverglasung Glasmalerei Restaurierungen

 

Die Firma Knack in Münster restauriert historische Bleiverglasungen in enger Zusammenarbeit mit den Behörden der Denkmalpflege und fertigt künstlerisch gestaltete Bleiverglasungen neu an. Der 1936 von Franz Knack gegründete Betrieb besteht mit Lorenz Weckermann und Thomas Weckermann als Geschäftsführer in dritter Generation.

Knack – Bleiverglasung

Glasmalerei Restaurierungen

Nienkamp 86

48147 Münster

Tel.: 0251-293016

Baubeteiligte (Auswahl)

 

Bauherr Evangelisch-Reformierte Kirchengemeinde Bielefeld, www.reformierte-gemeinde-bi.de

Architekt DenkmalCheck,

Sachverständigenbüro Beyer & Simon,

Bonn und Bielefeld, www.denkmalcheck.de 

Behörden Untere Denkmalbehörde Stadt Bielefeld, www.bielefeld.de

Landschaftsverband Westfalen-Lippe,

Münster, www.lwl.org

Bezirksregierung Detmold,

www.bezreg-detmold.nrw.de 

Restaurierungsarbeiten Firma Knack, Münster

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