Sanierputzsystem ermöglicht Verzicht auf nachträgliche Horizontalsperre

Das Mauerwerk und der Putz der Klosteranlage Rathausen in der Schweiz waren durch Feuchtigkeit und Salze geschädigt. Bei der Sanierung wurde das Feuchteregulierungsputzsystem „Exzellent STP“ eingesetzt, dessen Wirkmechanismus es erlaubte, auf den Einbau einer Horizontalsperre zu verzichten.

Das Mauerwerk der aus dem Jahre 1254 stammenden, denkmalgeschützten Klosteranlage Rathausen nahe Luzern war strukturell stark angegriffen. Sowohl innen als auch außen mussten erhebliche Schädigungen an Putz und Mauerwerk saniert werden, um eine fortdauernde, bedürfnisgerechte Nutzung des Gebäudekomplexes durch die in Luzern ansässige Stiftung für Schwerbehinderte SSBL sicherstellen zu können. Zum Schutz des Mauerwerks vor Salzen und Feuchtigkeit wurde in der anfänglichen Ausschreibung eine Injektion von Paraffin und zusätzlich die Applikation eines Sanierputzes vorgesehen. Der hohe Arbeits- und Kostenaufwand sprach letztendlich gegen diese Variante. Da die hohen Kosten der Sanierung des Klosters eine erhebliche Belastung für den Bauherrn, die Stiftung für Schwerbehinderte in Luzern SSBL, darstellten, war man auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Gemeinsam mit dem Kanton Luzern und der Denkmalpflege suchte man also nach einer möglichen Alternativlösung und entschied sich schließlich für den Feuchteregulierungsputz „Exzellent STP“ der MC-Bauchemie.

Innovativer Salztransportputz

„Exzellent STP“ ist ein Feuchteregulierungsputz, der eine sehr hohe Kapazität für die Aufnahme und den Transport in der Feuchtigkeit gelöster Salze nach außen an die Oberfläche bietet. Über die Quecksilberdruckporosimetrie wurde nachgewiesen, dass der Putz im ausgehärteten Zustand bei einem Gesamtporenvolumen von mehr als 50 Prozent zu nahezu gleichen Teilen Makro- und Kapillarporen beinhaltet. Der hohe Anteil an Makroporen ist in einem Putzsystem ausschließlich über spezielle Porenbildner und optimierte Sieblinien zu erreichen. Aus diesem Grund setzt MC-Bauchemie nur auf ausgewählte hochwertige Rohstoffe und einen Harburger Kalkstein-Edelbrechsand. Durch ihre gleichmäßige Verteilung findet im Putz eine umfassende Vernetzung der unterschiedlich großen Poren statt. Das sorgt für eine optimale Verknüpfung der wichtigen Eigenschaften beider Porenarten. Der Sanierputz wurde so konzipiert, dass Feuchtigkeit samt darin gelöster Salze schadenfrei aus dem Mauerwerk an die Umgebungsluft abgegeben wird. Das Kürzel STP steht für „Salztransportputz“: Durch die Vernetzung von Makro- und Kapillarporen werden die wasserlöslichen Salze zuverlässig und in großer Menge nach außen an die Putzoberfläche transportiert. Dort kristallisieren die Salze aus, ohne den Putz zu schädigen, und können problemlos abgebürstet oder abgewaschen werden. In Trockenperioden kristallisieren die Salze schadenfrei im Inneren des Putzquerschnittes, so dass die sonst bei Sanierputzen auftretende kristallisationsbedingte Zerstörung der Putzstruktur dauerhaft vermieden wird.

Außen und innen

Jede der Mauern des Klosters Rathausen, innen wie außen, setzte die ausführende Baufirma Knöchel + Pungitore AG vom Boden bis zur Fensterunterkante mit „Exzellent STP“ instand. Dazu befreiten die Handwerker zunächst die Sockel rund um das Gebäude vom Altputz. Der anschließende Putzaufbau erfolgte mit „Exzellent STP 540“ als Vorspritzputz, den Oberputz „Exzellent STP 500“ brachten die Handwerker maschinell auf, bevor der Feinputz „Exzellent STP 750“ das Finish bildete. Gerade bei hoch salzbelasteten Gebäudesockeln ist es wichtig, dass die ständig nachkommenden Salze ohne Widerstand vom Mauerwerk an die Putzoberfläche geleitet werden, damit der Gebäudesockel dauerhaft vor Schädigungen geschützt ist.

Die Fassade über dem Sockel wurde partiell instandgesetzt, die komplette Fassade zudem mit einem hoch diffusionsoffenen Farbanstrich versehen. Innen wurde ein „STP-Streifen“ samt neuem Boden mit Dampfsperre eingebaut. So wird die Feuchtigkeit über den Bereich im Boden-Wandanschluss durch „Exzellent STP“ reguliert. Auch der Kreuzgang wurde innen und außen komplett saniert.

Einfach in der Anwendung

Das Putzsystem „Exzellent STP“ kann direkt auf das feuchte Mauerwerk aufgetragen werden und ist beständig gegen alle in Bauwerken vorkommenden wasserlöslichen Salze. Daher sind vor Beginn der Putzarbeiten weder aufwändige Trocknungsmaßnahmen, noch spezifische Salzanalysen notwendig. Zudem kann das System mit kurzen Standzeiten aufgebracht werden. Das ermöglicht eine schnelle und effektive Instandsetzung feuchter und salzbelasteter Mauerwerke. Nicht einmal ein Farbanstrich ist zwingend erforderlich, da der Putz auch in pigmentierten Varianten angeboten wird. Sollte eine andere Farbgebung gewünscht sein, kann der Anstrich mit allen nicht filmbildenden Systemen erfolgen, deren sd-Wert ≤ 0,01 m ist.

Vielseitig einsetzbar

Typische Anwendungsgebiete sind Sanierungen von Kirchen, Schlössern, Altbauten, freistehenden Mauerwerken und Kellern. Insbesondere für Gebäude unter Denkmalschutz eignet sich die vollkommen zementfreie Variante, basierend auf einem Natürlich Hydraulischen Kalk (NHL). Dabei eignet sich der Sanierputz sowohl für außen, als auch für innen. Allerdings sollte in Innenräumen immer für eine ausreichende Belüftung gesorgt werden. Insbesondere in geschlossenen Räumen wie Kellern wirkt sich – wie bei allen Feuchteregulierungsputzsystemen – eine zu hohe Luftfeuchtigkeit negativ auf das Klima und die schimmelhemmenden Eigenschaften aus. Schließlich bestimmt der Grad der ankommenden Mauerwerksfeuchte auch die Anreicherung der relativen Luftfeuchtigkeit im Innenraum.

Fazit

Der Feuchteregulierungsputz „Exzellent STP“ überzeugte Bauherren und Planer nicht nur wegen seiner einfachen Applikation und seines Wirkmechanismus, sondern vor allem dadurch, dass es so möglich war, auf zusätzliche kostenintensive Maßnahmen zur Abdichtung gegen Feuchtigkeit wie die Einbringung einer nachträgliche Horizontalsperre zu verzichten.

Autor

Jonas Hallmann arbeitet im Global Product Management Masonry Systems bei der MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG in Bottrop.

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