Unterirdisch Erweiterung des Städel Museums ist seit Februar offen

Ende Februar wurde die Erweiterung des sanierten Frankfurter Städel Museums eröffnet. Das mit der Planung betraute Büro schneider+schumacher entwarf jedoch keinen Anbau, sondern ging für die Erweiterung unter die Erde: Allein die so genannten Gartenhallen bieten rund 3000 m2 zusätzliche Ausstellungsfläche.

2008 ging das Frankfurter Architekturbüro schnei­der+schumacher als Sieger aus einem geladenen Wettbewerb hervor. Ihre Idee, den für die Kunst erforderlichen Raum unter der Erde zu „verstecken“, überzeugte. Der rund 34 Millionen Euro teure unterirdische Neubau dockt an den 1921 erbauten Gartenflügel an. Dieser ist die erste Erweiterung des 1878 nach Plänen von Oskar Sommer am Schaumainkai fertig gestellten Museums, dessen Sanierung weitere 18 Millionen kostete.

 

Geschwungene Stahlbetondecke mit 195 Oberlichtern

Um den 76 x 52 m großen Stahlbetonkörper für die unterirdische Erweiterung betonieren zu können, gruben sich die Rohbauer rund 10 m tief in die Erde hinein. Überspannt wird der unterirdische Baukörper in einer Höhe von 6 bis 8 m von einer geschwungenen, 35 bis etwa 60 cm dicken Stahlbetonecke, die auf nur zwölf Stahlbetonstützen und den umlaufenden Außenwänden ruht. In der Mitte ist die Decke auf einer Fläche von etwa 26 x 26 m bis zu 2,20 m kuppelförmig nach oben gewölbt. Die umlaufende, horizontale Decke steift die Kuppel aus.

In der Decke befinden sich insgesamt 195 kreisrunde Oberlichter mit einem Durchmesser von 1,5 bis 2,5 m, die in die unterirdischen Ausstellungsräume Tageslicht hineinlassen. Dafür, dass das Tageslicht nicht direkt auf die Kunstwerke scheint, sorgen in die Oberlichter eingebaute Verschattungen.

Die Gründung des Baukörpers erfolgte auf einer 40 cm dicken Bodenplatte, die dort verstärkt ist, wo die Stützen ihre Lasten übertragen. Damit der Neubau nicht „aufschwimmt“, wird er durch Betonzugpfähle gesichert. Alle außen liegenden Bauteile betonierten die Rohbauer als weiße Wanne und dichteten sie außen zusätzlich mit Bitumenbahnen ab.

 

Abstieg in die Tiefen der Kunst

Durch die Öffnung zweier Bogenfelder rechts und links der Treppe im Hauptfoyer des Museums gelangt man auf das Niveau des so genannten Metzler-Foyers. Von dort aus führt eine Treppe in den unter dem Garten gelegenen unterirdischen Neubau. Da sich dieser einige Meter unterhalb der alten Gründungsebene befindet, mussten die Handwerker die Fundamente des Altbaus unterfangen. Der Lastabtrag erfolgt über Wände und Kleinbohrpfähle, welche die Handwerker mit Hochdruckinjektionsgeräten präzise ins Erdreich einschnitten. Der Altbau musste während dieser Bauarbeiten mit einer Stahlkonstruktion versteift und abgefangen werden, damit die Rohbauer den Verbindungsbau errichten konnten.

Daten und Fakten

Hier finden Sie eine Liste der am Bau beteiligten Planer und Handwerker sowie eine Übersicht der Baudaten als PDF zum Download.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2011-10

Neue Stadtmitte Eschborn

Die „Neue Stadtmitte Eschborn“ an der Kurt-Schumacher-Straße, gegenüber dem Rathaus, ist ein Ensemble von drei Häusern mit Läden, Büros und Wohnungen, das sich am Vorbild historischer Hofreiten...

mehr
Ausgabe 2011-7-8

ECOLA-Award: Putz im Fokus der Architektur

Im März 2011 fand die dritte European Conference of Leading Architects (ECOLA) statt. 30 führende europäische Architekten diskutierten in der österreichischen Architektur-Vorzeige-Region...

mehr
Ausgabe 2015-11

Museum St. Marien in Quedlinburg erweitert

Mitte Juni eröffnete in Quedlinburg das erweiterte Museum St. Marien auf dem Münzenberg. Es besteht nun aus der Apsis, der Krypta und Teilen des Kirchenschiffs der ehemaligen St. Marienkirche. Mit...

mehr