Brandschutz und Sicherheit bei der Erweiterung des Sprengel Museums Hannover

Das Sprengel Museum Hannover zählt bundesweit zu den bedeutendsten Museen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Anbau nach Plänen des Schweizer Büros Marcel Meili, Markus Peter Architekten verknüpft Alt und Neu. Für Brandschutz und Sicherheit sorgen im Museum Türlösungen von Schörghuber.

Nahe dem Zentrum liegt in Hannovers Südstadt das Gebäudeensemble des Sprengel Museums Hannover. Drei Architekturzeitschichten treffen hier aufeinander: Der jüngste Erweiterungsbau von Meili & Partner, eröffnet im September 2015 und bespielt seit Mai 2016, ergänzt Bestandsbauten von 1979 und 1992. Ihren Anfang nahm die Geschichte des Sprengel Museums aber schon 1969 mit der großzügigen Schenkung des gebürtigen Hannoveraners und Spross der namhaften Schokoladendynastie Bernhard Sprengel. Zu seiner Sammlung der klassischen Moderne zählen Arbeiten von Marc Chagall, Franz Marc, Emil Nolde, Pablo Picasso, Paul Klee und vielen anderen namhaften Künstlern. 1972 startete das Museumsprojekt mit der Auslobung eines internationalen Wettbewerbs in drei Etappen. Für die jüngste Erweiterung gewannen Meili & Peter Architekten 2011 den Wettbewerb. Mit ihrem ersten Museumsbau schufen sie insgesamt 5250 m2 Fläche, unterteilt in Ausstellungsbereiche, Werkstätten, Depots und Sonderräume auf zwei Geschossen. Die Herausforderung war, den eigenständigen Neubau mit dem kleinteiligen Bestandsgebäude zu verbinden und dabei die horizontal unterschiedlich angeordneten Ebenen miteinander zu vereinen.

 

Außen schlicht und kühl

Die Fassade des 75 m lange und 20 m breite anthrazitfarbenen Blocks wurde vor Ort aus Beton gegossen. Die Architekten gaben der Fassade so die Anmutung eines „teilweise bearbeiteten Werkstücks“. Verschiedene Schleifgänge waren nötig, um diese spezielle Optik zu erzeugen. Sie wurden im Vorfeld durch Handwerker anhand eines Modells im Maßstab 1:1 erprobt.

Ein poliertes Reliefband umfasst den Baukörper. Durch das verglaste Sockelgeschoss scheint der Quader zu schweben. In der Höhengestaltung übernimmt der Neubau die Traufhöhe des Hauptgebäudes und nutzt den wegen des niedrigen Grundwasserspiegels aufgeschütteten Wall aus dem ersten Bauabschnitt für den Zugang zum Foyer.

 

Doppelgeschossige Halle ist Herzstück des Neubaus

Vom Kurt-Schwitters-Platz aus führen Pflastersteine aus Porphyr auf die Museumstraße. Als zentrale Passage des Museums leitet sie auf einer gedachten Parallele zur Uferpromenade durch das Bestandsgebäude und endet im Untergeschoss vor dem Calder-Saal, dem Herzstück des Neubaus. Dieser ist als doppelgeschossige Halle gestaltet. Er verbindet Bestand und Erweiterung durch eine prägnante, großzügige Rampen- und Treppenspirale. Die Rampe spannt sich mit etwa 17 x 20 m frei über den gesamten Bereich, der für Veranstaltungen genutzt werden kann. Das Multitalent, benannt nach dem Künstler Alexander Calder, dessen Mobile von der Decke hängen, ist durch Akustikelemente an der Stirnwand auch für Konzerte geeignet.

 

10 m hohe Schnittstelle zwischen Alt und Neu

Gegenüber der komplett verglasten Front zum Hof findet sich eine großzügig gestaltete Tür. Für die 10 m hohe Wandfläche entwickelte Schörghuber als Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau eine Sonderlösung. Die zweiflügelige T30 Brand- und Schallschutztür ist flächenbündig, gut 3 m breit und 3,60 m hoch. Darüber setzen sieben F90 Brandschutz-Festverglasungen an, jede mit einem Gewicht von 240 kg und sorgen oberhalb der Tür für Brand- und Schallschutz sowie eine lichtdurchflutete Sichtverbindung zwischen Alt und Neu. Im Ausstellungsbereich des Neubaus sorgt eine raumhohe Nischentür des Herstellers für baulichen Brandschutz. Diese liegt im Normalbetrieb flächenbündig in der Wand, so dass sie die volle Durchgangsbreite gewährt. Im Brandfall schließt die Tür automatisch und trennt die Gebäudeteile voneinander ab.

Sichere Brand- und Schallschutztüren im Museum

Darüber hinaus kamen in dem Gebäude weitere T30 und T90 Brand- und Schallschutztüren von Schörghuber zum Einsatz. Aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen des Museums wurden diese zum Teil mit einer Sicherheitsausstattung, wie Mehrfachverriegelungen, Stiftsicherungen und Riegelschlössern ausgestattet. So ist ein Teil der Türen bis zur Widerstandsklasse RC 3 zertifiziert. Dass es eine Stärke von Schörghuber ist, Türen jeglicher Art besonderen Anforderungen anzupassen, zeigt der Hersteller im Sprengel Museum unter anderem mit besonders großen Abmessungen der dort verbauten Türelemente. Diese waren notwendig, um auch große Kunstwerke in die verschiedenen Räume bewegen zu können. Eine großflächig verglaste Massivholz-Rahmentür sorgt für Transparenz und Tageslichteinfall.

 

„Tanzende Räume“ die „Bilder in Farbe tauchen“

Im südlichen Gebäudeteil des Erweiterungsbaus begibt sich der Besucher im Obergeschoss auf einen Rundgang durch die so genannten „tanzenden Räume“. Die Architekten setzen dazu bewusst auf Brüche in der Raumwahrnehmung durch leichte Achsverschiebungen und springende Deckenhöhen zwischen 4,80, 5,10 oder 5,70 m. Wie lose aneinander gewürfelt stehen die Grundflächen diagonal zueinander. Der Rundgang beginnt in hellen, pastelligen Raumfarben und steigert sich mit Gelb und im Themenraum „Der Blaue Reiter“ zum intensiven Rot. Museumsdirektor Reinhard Spieler nennt diese Gestaltung „Bilder in Farbe tauchen“ und setzt auf ein neues Seherlebnis alter Motive, das die Emotionalität der Kunst des Expressionismus ins Raumerlebnis umsetzt. Große Oberlichter versorgen die Räume über die Lichtdecke mit Tageslicht.

 

Autorin

Kascha Lemke ist als Projektmanagerin und Redakteurin bei der Agentur für Architektur, Stadt und Gesellschaft Einsateam in Berlin tätig.

Baubeteiligte (Auswahl)

 

Bauherr und Projektsteuerung Landeshauptstadt Hannover

Entwurf und Planung Meili & Peter Architekten,

Zürich, www.meilipeter.ch

Bauleitung BAL Bauplanungs- und Steuerungs,

Berlin, www.bal-berlin.de

Statik Drewes + Speth, Hannover,

www.drewes-speth.de

Werner Sobek, Stuttgart,

Fassadenplanung Glas AMP Fassadentechnik, Neuss, www.ib-amp.de

Montagearbeiten Jens Dunkel Glas- und Bauelemente, Biederitz, www.dunkel-bauelemente.de

Beratung Andreas Varelmann, Lohne, Schörghuber, Ampfing, www.schoerghuber.de

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2021-12

Erweiterung des MKM Museums Küppersmühle in Duisburg nach Plänen von Herzog & de Meuron

Zwischen den Silos verbinden Stahlbr?cken im MKM Museum K?ppersm?hle in Duisburg die Ausstellungsr?ume in der Industriem?hle mit denen im Erweiterungsbau

Den Ursprung der Küppersmühle bildet eine 1860 vom Industriellen Wilhelm Vedder errichtete Getreidemühle. Rund ein halbes Jahrhundert später wurde diese bereits wieder abgerissen und 1908 durch...

mehr
Ausgabe 2012-04

Unterirdisch Erweiterung des Städel Museums ist seit Februar offen

2008 ging das Frankfurter Architekturbüro schnei­der+schumacher als Sieger aus einem geladenen Wettbewerb hervor. Ihre Idee, den für die Kunst erforderlichen Raum unter der Erde zu „verstecken“,...

mehr
Ausgabe 2017-7-8

Mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum wurde deutschlands ältestes Kunstmuseum saniert

Häufig sind die Wände zur Präsentation von Kunst auch in historischen Museumsbauten weiß, damit die Kunstwerke besser zur Geltung kommen. Wer aber sagt, dass ein Gemälde von Rembrandt, Vermeer...

mehr
Ausgabe 2021-06

Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums in Frankfurt von Staab Architekten

Schnitt – ?bergang Neubau / Altbau, Ma?stab 1:500 1 Atrium 2 Foyer 3 Dauerausstellung 4 Vorbereitung Wechselausstellung 5 Caf? mit Terrasse 6 Werkst?tten 7 B?ros 8 Garderobe 9 Technik

Maßstäbliche Pläne Maßstäbliche Pläne finden Sie in der gedruckten Ausgabe der Zeitschrift bauhandwerk Hier geht es zum Heft -> Oder entscheiden Sie sich gleich für ein Abonnement->...

mehr
Ausgabe 2016-04

Erweiterungsbau des Museums Unterlinden in Colmar aus gebrochenen Ziegeln

Das Museum Unterlinden ist in einem ehemaligen Dominikanerinnenkloster aus dem 13. Jahrhundert untergebracht. Als in den Räumen des Klosters 1852 ein Museum einzog, fand auch der in Colmar...

mehr