Die Krone
Sanierung und Umbau des Hotels 1280 Die Krone in GeisingenSchwarzer Stahl, Holz und eloxiertes Aluminium setzen im Hotel „1280 Die Krone“ in Geisingen, das in
Teilen auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, moderne, puristische Akzente und vertragen sich erstaunlich gut mit der historischen Bausubstanz.
Teile der Gebäude des Hotels „1280 Die Krone“ gehen auf das 13. Jahrhundert, genauer gesagt auf das Jahr 1280 zurück. 1569 wurde hier erstmalig um das Recht zur Schankwirtschaft gekämpft. Viele Jahrhunderte fungierte „Die Krone“ als Gasthaus, dann stand sie 10 Jahre leer. 2019 wurde das Gebäude wiederentdeckt und in den folgenden vier Jahren zusammen mit seinen beiden Nachbarbauten zum Leben als Gasthaus beziehungsweise Hotel (wieder)erweckt. In den insgesamt 29 Zimmern und Suiten sowie in zwei Restaurants und einer Kellerbar wird sehr deutlich, was auch schon von außen mit der so genannten Scheune sichtbar ist: Hier gab es keine Berührungsängste zwischen der alten, traditionellen Bausubstanz auf der einen und einer ausgesprochen modernen Anmutung auf der anderen Seite.
Aus drei mach eins
Um das Hotel in seiner Struktur zu verstehen, ist es hilfreich, die Hausnummern zu Hilfe zu nehmen. In der Mitte steht die Hausnummer 33, die „Krone“ selbst, sozusagen als Haupthaus, das in erster Linie von hinten über den Parkplatz erschlossen wird. Ein Zugang über die Straße vorne ist allerdings auch möglich. Steht man auf dieser Seite vor dem Hotel an der Straße, befindet sich die Nummer 31 rechter Hand, die Nummer 35 links. Dabei stehen die 33 und die 35 traufständig und die 31 giebelständig zur Straße.
Eine Besonderheit des Gesamtensembles ist zudem die sogenannte Scheune. Tatsächlich stand hier vor langer Zeit eine Scheune. Zuletzt hatte es hier allerdings einen Anbau aus den 1950er Jahren gegeben, der im Zuge der Sanierung weichen musste. Da das Hotel barrierefrei erschlossen werden sollte und zudem ein zweiter Fluchtweg notwendig war, entstand die Idee, diesen zweiten Fluchtweg nicht in einem einfachen Treppenturm in den Hof vor das Gebäude zu setzen, sondern diesen mit dem Bild der alten Scheune mit steilem Satteldach zu kombinieren. Und so steht jetzt an der Stelle des ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäudes ein Haus quasi ohne Außenwände, sondern mit offenen Loungebereichen als erweiterter Erschließungsturm. Das Gebäude, das maßgeblich aus einem stählernen Traggerüst besteht, ist über Stahlstege mit dem Haupthaus verbunden.
Die meisten Zimmer, nämlich 14 Stück, liegen im Haupthaus, das mit einem Mittelgang, über den jeweils links und rechts zwei Zimmer erschlossen werden, sehr klar strukturiert ist. In den beiden Dachgeschossen (also im 4. und 5. Obergeschoss) liegen nur zwei Zimmer, die sich als Maisonette-Einheiten über zwei Etagen erstrecken. Die klare Struktur und auch die Größe des Gebäudes sind vor allen Dingen der Tatsache geschuldet, dass es sich um ein ursprünglich herrschaftliches Haus handelt. Die beiden Nachbarbauten hingegen waren bürgerliche Häuser, in denen auch immer sehr viel in Eigenleistung und „frei nach Schnauze“ umgebaut worden war. Insbesondere in der Nummer 31 war der Bestand daher sehr indifferent und dementsprechend unterschiedlich sind nun die angebotenen Unikat-Zimmer mit individuellen Eigenheiten und Raffinessen.
Tunnel in der Kellerbar
Während das Haupthaus zu einem Großteil unterkellert war, handelt es sich bei der Hausnummer 31 nur um eine Teilunterkellerung. Beide Keller waren sehr niedrig, so dass man sich dazu entschied, beide um
1,5 m tiefer in die Erde zu setzen, da die Bodenplatte ohnehin gedämmt werden musste. Zudem sollte die Raumhöhe insgesamt hinreichend Platz für die Lüftung und die Sprinkleranlage bieten.
Die große Besonderheit der Kellerbar, die hier nun untergebracht ist, besteht allerdings darin, dass die beiden Kellerräume über einen 9 m langen, mit Metall ausgekleideten Tunnel miteinander verbunden sind. Dass diese Idee entstand und vor allem auch nicht gleich wieder abgetan wurde, hat sicher auch damit zu tun, dass die Firma des Bauherrn Straßen- und Tiefbauarbeiten ausführt, in der das Graben eines Tunnels quasi zum Geschäft gehört.
Bei dem Verbindungsgang handelt es sich nicht um eine Röhre mit rundem Querschnitt, sondern um eine Ellipse mit abgeschnittenem unterem Ende, so dass die Besucher auf einem 1,44 m breiten Steg durch den 1,80 m breiten Tunnel laufen. Der Tunnel war mit einem Minibagger aufgestemmt und anschließend betoniert worden. Im nächsten Schritt setzten die Handwerker eine aufwändige Unterkonstruktion aus Aluminium in den Tunnel und verkleideten sie mit Alucobond-Verbundplatten in Messing-Optik.
Die moderne Metalloptik taucht an sehr vielen Stellen im Gebäude auf. In der Kellerbar ist dies vor allem auch die Theke, die man nach demselben Prinzip wie den Tunnel mit einer Alu-Unterkonstruktion und einer Alucobond-Verkleidung mit eloxierter Oberfläche fertigte. Zudem sind hier im Keller auch zwei Stahlbetonverbundstützen in die Inneneinrichtung integriert. Die Rundstützen bestehen außen aus schwarzem Stahl und haben aus Brandschutzgründen einen Kern aus Stahlbeton.
Konstruktiv war Stahl zur Ertüchtigung der bestehenden Holzverbindung vor allem im Bereich des Gastraums im mittleren Gebäude und der Küche (Haus 31) im Erdgeschoss notwendig. Um diese stützenfrei realisieren zu können, wurden Stahlüberzüge in die neue Holzbetonverbunddecke zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss eingebaut. Die hier noch vorhandenen Stützen, die in der neuen Küche die Arbeitsabläufe massiv gestört hätten und nun statisch überflüssig waren, wurden an anderer Stelle im Gebäude dekorativ aufgestellt.
Barocktreppe in Stahl
Spannend war in der Bauphase auch der Anschluss der neuen Stahlstege an die bestehende Fassade. An dieser Stelle hatte sich zuletzt der Anbau aus den 1950er Jahren befunden, so dass erst nach dessen Abbruch die Natursteinportale, die es hier gab, zum Vorschein kamen. Es waren also nicht nur Fenster, sondern tatsächlich bis zum Boden reichende Portale, die sich für die Idee des zweiten Fluchtweges gut eigneten. Allerdings waren sie zunächst zu schmal und mussten entsprechend verbreitert werden. Aus Sicht der Tragwerksplanung wurde entschieden, auf der Seite des Bestands ein Festlager und auf der Seite des neuen Stahlbaus das Gleitlager festzulegen. Konstruktiv wurden hierfür bestandseitig aus dem Naturstein Taschen durch Herausnahme von Steinen gebildet, in die eine Plombe aus Beton mit einem Stahlschuh gesetzt wurde.
Erschließung und Treppen sind insgesamt ein interessantes Thema, wenn es um „Die Krone“ geht. So gibt es beispielsweise in der Hausnummer 31 eine Spindeltreppe aus Stahl, die wie eine Skulptur in dem gut 5 m hohen Raum steht und vom Erdgeschoss ausgehend sowohl das erste als auch das zweite Obergeschoss erschließt. Historisch gesehen war hier eine Scheune mit entsprechend anderen Deckenhöhen gewesen.
Außerdem gab es im Gebäude Nummer 33 eine barocke Holztreppe, die jedoch nur noch teilweise für die weitere Nutzung geeignet war. Vom dritten in das vierte Obergeschoss konnte sie erhalten werden, in den anderen Geschossen wurde sie in moderner Anmutung nachempfunden. Das barocke Treppengeländer wurde statt in Holz, im Sinne des Gesamtkonzeptes, in Schwarzstahl nachgebildet.
Die Nummer 35 wiederum wird intern über eine einläufige Natursteintreppe erschlossen und durch einen vor dem Gebäude im Innenhof stehenden Aufzug ergänzt.
Umgang mit der Bausubstanz
Die Berücksichtigung des Denkmalschutzes hatte für Architekt Markus Uhrig einen hohen Stellenwert: „Wir haben im Grunde mehr gemacht als uns das Denkmalamt vorgegeben hat. Andererseits wollten wir auch die ästhetisch sehr puristischen Ideen des Bauherrn berücksichtigen.“ Wie sah es denn mit der Bausubstanz aus? „Das Hauptgebäude war insgesamt in einem sehr guten Zustand – im Gegensatz zu den beiden Nachbarbauten“, so Bauleiter Thomas Uhrig. „Was allerdings einen kleinen Schreckmoment bei der Sanierung mit sich brachte, war letztendlich der Tatsache geschuldet, dass vermutlich damals beim Bau der Kellerwände im 13. Jahrhundert der Mörtel ausgegangen war.“ Was war passiert? Beim Ausheben der Grube, an der Südost-Ecke des neuen Kellers unter der Scheune, entstand plötzlich ein Riss im Bestandsbau, der sich durch das ganze Gebäude zog. Man stellte fest, dass eben die einzig mangelhaft ausgeführte Stelle des Altbaus die Nordost-Ecke des Kellers war, die seinerzeit nicht hinreichend verfugt worden war. Der neue Riss war dabei allerdings nicht der einzige Folgeschaden. Das gesamte Gebäude hatte sich auch schon vorher verzogen und unter anderem bewirkt, dass das Dach an dieser Stelle undicht war. Das Mauerwerk wurde nun ertüchtigt und das Gebäude durch ein temporäres Stahlkorsett stabilisiert. Wirklich schlecht war der Zustand der Bausubstanz in Hausnummer 35. Hier blieben am Ende nur die Giebelwände und die Straßenfront stehen. Alles andere konnte nicht erhalten werden. Zwischenzeitlich wurden die Giebelwände nur noch durch einen temporären Fachwerkträger in Position gehalten. So gesehen handelt es sich bei diesem Gebäude zum Großteil um einen Neubau, in dem nun im Erdgeschoss der 70 m2 große Tagungssaal untergebracht ist. Er wird auch „Täfersaal“ genannt, da unter der Decke einige der Wand- und Deckentäfer des Hauptgebäudes einen neuen Platz gefunden haben.
Natürlich ging es immer wieder darum, die neuen Nutzungsanforderungen eines zeitgemäßen Hotels in der Planung zu berücksichtigen. Ein schönes Beispiel dafür sind die Zimmertüren. Die historischen Bretter- und Rahmenfüllungstüren wurden grundlegend restauriert und nach unten verlängert, um sie an die neuen Türlaibungen beziehungsweise an die Maße einer zeitgemäßen Hotelzimmertür anzupassen. Damit die Türen aber auch dem erforderlichen Brand- und Schallschutz gerecht werden, wurden sie durch eine Glasscheibe ertüchtigt. Dabei sind die Glastürblätter zum Flur und die Holztürblätter raumseitig an die Stahlzargen angeschlagen. Besonders herausfordernd war hier das Anschlagen der historischen Beschläge an der neuen Zarge.
Fazit
Das Konzept jedenfalls ist klar erkennbar: Altes wurde bewahrt und sorgfältig in Stand gesetzt – alleine das Verfugen der bestehenden Bruchsteinwände war extrem zeitaufwändig. Neues wurde in klaren Linien und glatten, coolen Oberflächen und mit spannenden Beleuchtungssituationen ergänzt. Billig wird die Sanierung nicht gewesen sein, aber das Gebäude profitiert von dieser Investition. Mit feinem Händchen haben die überwiegend aus der Region stammenden Handwerksfirmen umgesetzt, was mit viel ästhetischem Gespür geplant und entwickelt worden war.
Autorin
Dipl.-Ing. Nina Greve studierte Architektur in Braunschweig und Kassel. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Lübeck (www.abteilung12.de) und ist unter anderem für die Zeitschriften DBZ, bauhandwerk und dach+holzbau tätig.
Baubeteiligte (Auswahl)
Bauherr
Christoph von Bothmer, Geisingen
Nutzer
Hotel „1280 Die Krone“, Stefanie Baintner,
Geisingen, www.1280krone.com
Architekt
Dipl. Ing. Freier Architekt Markus Uhrig, München und Geisingen, www.markus-uhrig-architekt.de
Bauleitung
Thomas Uhrig, Uhrig Gruppe, Geisingen,
uhrig-group.com
Tragwerksplanung
Mäder Ingenieure, Engen,
ingenieurbuero-fuer-baustatik.de
Schreinerarbeiten
Schreinerei Holzdesign Ralf Rapp, Geisingen,
www.holzdesign-rapp.de
Schreinerei Kurz, Geisingen,
www.schreinereikurz.de
Fensterbau
Knöpfle und Fischer Fensterbau, Blumberg,
www.knoepfle-fischer.de
Aufarbeitung der historischen Türen
MRK Holz.Hand.Werk!, Dittingen,
holz-hand-werk.net
Bau von Tunnel und Theke
Metallbasis, Hammelburg,
www.metallbasis.de
Stahlbau der Scheune
Haller Gruppe, Villingen-Schwenningen, haller.de
