Fertigzargen als Bauelemente nach Maß 

Bei der Sanierung des ehemaligen RAG-Verwaltungsgebäudes in Bottrop wurde die Fassade mit einem WDVS gedämmt und neue Fenster eingebaut. Durch den Einsatz vorgefertigter WDVS-Zargenelemente konnte die Montagezeit um ein Vielfaches verringert und der Bauablauf deutlich beschleunigt werden.

Ein Stück Bottroper Bergbaugeschichte ist das ehemalige RAG-Verwaltungsgebäude am Gleiwitzer Platz. 1954 errichtet und in den 70er Jahren um einen zweiten Gebäudeteil erweitert, wurde das Gebäude 2018 teilweise unter Denkmalschutz gestellt. In den vergangenen Jahren blieb es aufgrund des Strukturwandels ungenutzt.

Nach der Übernahme durch die Bauknecht Real Estate, eine Objektgesellschaft der Bauknecht Immobilien Holding AG, wird das Bürogebäude nun einer neuen Nutzung zugeführt. Als Bauknecht Quartier Bottrop sollen auf einer Nutzfläche von etwa 15 000 m2  moderne, energetisch optimierte Gewerbeflächen angeboten werden. Den Auftrag für die Planung der vollständigen energetischen, technischen und optischen Sanierung übertrug die neue Eigentümerin dem Bottroper Planungsatelier Boksteen.

Repräsentative Fassade mit vielen Fenstern

Der Anbau des ehemaligen RAG-Verwaltungsgebäudes in Bottrop wird aktuell saniert. Bei der Einbindung der zahlreichen Fenster in das neu aufgebrachte Wärmedämm-Verbundsystem kommen vorgefertigte Fensterzargen zum Einsatz
Foto: Saint-Gobain Weber

Der Anbau des ehemaligen RAG-Verwaltungsgebäudes in Bottrop wird aktuell saniert. Bei der Einbindung der zahlreichen Fenster in das neu aufgebrachte Wärmedämm-Verbundsystem kommen vorgefertigte Fensterzargen zum Einsatz
Foto: Saint-Gobain Weber
Prägend für die Architektur des Verwaltungsgebäudes sind die zahlreichen Fenster, die der Fassade ihr repräsentatives Erscheinungsbild verleihen. Um die Gebäudehülle energetisch zu ertüchtigen, sah die Planung für den jüngeren Gebäudeteil die Dämmung mit einem Wärmedämm-Verbundsystem vor.

Der Anschluss eines WDV-Systems an Fenster oder Türen ist deutlich zeitaufwändiger und fehleranfälliger als das Dämmen in der Fläche. Bislang wird jedes Fenster an der Baustelle manuell mit Dämmstoff umkleidet, abgedichtet und an die umliegende Dämmebene angeschlossen. Häufig kommt es dabei zu unschönen, baustellenbedingten Sonderlösungen.

Das Planungsatelier Boksteen aus Bottrop entschied sich aufgrund von höherer technischer Sicherheit und Schnelligkeit für den Einsatz der WDVS-Zargenelemente von Saint-Gobain Weber. Gemäß des „Plug-and-Play“-Konzepts wurden somit knifflige Anschlussdetails ins Vorfeld der Verarbeitung verlegt. Mit der Klaus Fischbach GmbH aus Gelsenkirchen fand man einen ausführenden Betrieb, der für technische Innovationen aufgeschlossen ist und bereits über Erfahrung in der Montage vorgefertigter Fassadenelemente verfügt.

Vorfertigung nach Maß

Das WDVS-Zargenelement  wird individuell geplant und gefertigt. Auf der Baustelle wird es einfach auf das Fenster gesteckt
Foto: Saint-Gobain Weber

Das WDVS-Zargenelement  wird individuell geplant und gefertigt. Auf der Baustelle wird es einfach auf das Fenster gesteckt
Foto: Saint-Gobain Weber
Auf Grundlage der geplanten Fenstermaße und in enger Abstimmung mit dem Planungsbüro und dem Weber-Fachberater bestellte die Fischbach GmbH die benötigten WDVS-Fertigzargen als vollständige Fensterumrandung, einschließlich der Jalousiekästen. In einem Stück vorgefertigt und an die Baustelle geliefert, sorgten die fertigen Elemente für eine deutliche Beschleunigung der Bauzeit.

Wie gewohnt wurden zunächst die Fenster montiert. Anschließend musste nur noch die Zarge auf die Fenster aufgesteckt, verklebt, verdübelt und anschließend mit der restlichen Fassade fertig verputzt werden. Die umlaufenden Anputzprofile mit Gewebefahne sind fest mit dem Bauelement verbunden und sorgten so für eine sichere Anbindung an die WDVS-Flächenarmierung.

Details in hoher Qualität

Die WDVS-Fertigzarge „weber.projekt“ ist für alle gängigen Fenster (Holz, Aluminium, Kunststoff) geeignet. Sie wird passend zum WDVS konfiguriert und ist in einer Polystyrol- oder Mineralwolle-Variante erhältlich. Das Gewicht variiert je nach Dämmmaterial und Größe zwischen etwa 10 kg bis 25 kg.

Ob durchlaufende Fensterbänke, vorspringende oder angeschrägte Leibung und Sturz („Engadiner“ Leibungen) – das Element kann in einem beliebigen architektonischen Stil angefertigt werden. Selbst die Fräsnut für die Raffstoreführung kann serienmäßig vorgefertigt werden.

Die Zargenkonstruktion verfügt über eine Schiene zur Aufnahme marktüblicher Sonnenschutzanlagen. Somit können Verschattungselemente wie Raffstores oder Senkrecht-Markisen vor Ort ohne zusätzlichen Aufwand angebracht werden. Steuerungskabel für den Sonnenschutz werden durch eine integrierte Kabeldose geführt und angeschlossen. Die passgenaue Fertigung sorgt für einen perfekten Anschluss an das Fenster. Die montierten Module müssen lediglich überstrichen oder verputzt werden, so bleibt kaum Raum für Verarbeitungsfehler.

Optimaler Zeit- und Personaleinsatz

Zwei Personen transportieren und montieren die WDVS-Fertigzarge „weber.projekt“ auf der Baustelle
Foto: Saint-Gobain Weber

Zwei Personen transportieren und montieren die WDVS-Fertigzarge „weber.projekt“ auf der Baustelle
Foto: Saint-Gobain Weber
Der größte Vorteil vorgefertigter WDVS-Systemelemente ist die einfache und schnelle Montage. Mit einer sehr kurzen Lieferzeit können die WDVS-Fensterzargen im laufenden Bauprozess bestellt werden. Vor allem bei großen Objekten mit vielen Fenstern wie Büro- und Verwaltungsgebäude, Krankenhäuser oder Hotels, profitieren Planer und Handwerksbetriebe von dem einfachen und schnellen Anschluss und der verkürzten Bauzeit.

Die extrem schnelle Montage beeindruckte auch in Bottrop. Eine WDVS-Fertigzarge „weber.projekt“ inklusive der Fensterbank-Dichtebene, der WDVS-konformen Jalousiekästen und der streichfertigen Stürze und Leibungen wurde von zwei Personen innerhalb von etwa 20 Minuten montiert. Inklusive der notwendigen Zeit für das Transportieren der WDVS-Fertigzarge zum Einbauort montiert eine kleine Kolonne etwa 80 Fertigzargen pro Woche.

Fazit

Das Bauvorhaben Bauknecht Areal in Bottrop zeigt: Durch Teilvorfertigung lassen sich viele aktuelle Herausforderungen auf dem Bau meistern. WDVS-Fensterzargen etwa garantieren nicht nur Liefersicherheit, sondern steigern auch Qualität und Effizienz auf der Baustelle. Die werkseitige Vorfertigung ermöglicht eine gleichbleibend hohe Präzision bei Anschlüssen und sichtbaren Details. Die Handhabung der Elemente ist einfach und gelingt in einem Bruchteil der üblichen Arbeitszeit. Auf diese Weise werden Fachkräfte für andere Bauaufgaben frei.

Autor

Jan Henrichs ist Marktmanager Putz- & Fassadensysteme bei der Firma Saint-Gobain Weber in Düsseldorf.

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