Flächenheizung mit Stroh
 

„tempus Dry Nature“ ist ein Trockenbausystem auf Basis von Stroh, das die herotec GmbH Flächenheizung auf den Markt gebracht hat. Laut herotec bietet der Grundwerkstoff Stroh fast die gleiche Funktionalität wie die etablierten Systeme aus EPS. Die Verarbeitung ist indes identisch, also bewährt.

„Nie war nachhaltiges Bauen so einfach!“ Damit wirbt die herotec GmbH Flächenheizung für ihr neues System „tempus Dry Nature“. Die Pluspunkte des verwendeten Materials Stroh: Stroh ist ein nachhaltiger Rohstoff und er ist recycelbar. In technischen Aspekten steht das Produkt nach Firmenangaben anderen Trockenbausystemen außerdem in nichts nach. Beim Thema Trittschall biete der Naturstoff, der zu gepressten Platten verarbeitet wird, sogar eine deutliche Verbesserung der Werte im Vergleich zu EPS.

Die Entwickler blieben an diesem Punkt aber nicht stehen, sondern durchdachten das System konsequent weiter. So wird über eine klebefreie Befestigungstechnik der Wärmeleitlamellen das Rohr einfach in die Systemelemente eingelegt. Diese rein mechanische Verbindung vereinfacht nicht nur die Verlegung, sie ermöglicht außerdem bei einem möglichen Rückbau eine sortenreine Trennung.

C2C gewinnt an Bedeutung

Gesamtansicht eines fertig ausgelegten „tempus Dry Nature“-Systems von herotec. Im Bereich Flächenheizung ist der Einsatz von Stroh und die mögliche Trennbarkeit der Werkstoffe ein Novum
Foto: herotec

Gesamtansicht eines fertig ausgelegten „tempus Dry Nature“-Systems von herotec. Im Bereich Flächenheizung ist der Einsatz von Stroh und die mögliche Trennbarkeit der Werkstoffe ein Novum
Foto: herotec
herotec ist damit einer der ersten Flächenheizungsanbieter am Markt, der das immer wichtiger werdende Thema „Cradle to Cradle“ (C2C) aufgreift, das mittlerweile auch das Bauen erfasst hat. Übersetzt heißt es so viel wie „von Wiege zu Wiege“. Damit beschreibt C2C den Lebensverlauf eines Produkts, aber auch eines Gebäudes, von seiner Entstehung (Produktion) bis zu seinem Ende, bevor der Kreislauf der Stoffe von vorne beginnt, zum Beispiel als Bestandteil eines anderen Produkts.

Es geht bei C2C also um die Wiederverwendung von Ressourcen und nicht um ihre Entsorgung, bei gleichzeitig möglichst kleinem ökologischem Fußabdruck, den ein Produkt oder ein Gebäude hinterlässt. Gerade im Wohnungsbau offenbart sich hier noch viel Handlungsbedarf. Die heute geforderte Energieeffizienz, die dem Klimaschutz dienen soll, wird oftmals mit Verbundstoffen erkauft, die nur schwer wiederverwertet werden können. Das widerspricht dem C2C-Ansatz.

Ein Umdenken hat aber bereits eingesetzt. Seitdem das „Qualitätssiegel Nachhaltige Gebäude“ (QNG) zur Pflicht für eine KfW-Effizienzhaus-Förderung geworden ist, richtet sich der Fokus auch auf Baumaterialien und die Frage der Rückbaubarkeit von Gebäuden oder Elementen technischer Gebäudeausstattung. Ein anderes aktuelles Beispiel aus der Immobilienwirtschaft: In der Hamburg Hafen-City entwickelt die Moringa GmbH derzeit das erste Wohnhochhaus Deutschlands nach dem C2C-Prinzip. Laut Moringa wird das Objekt besonders nachhaltig mit recyclefähigen, schadstofffreien Materialien realisiert. Beim Hafen-City-Projekt handelt es sich um drei Baukörper mit bis zu 12 oberirdischen Vollgeschossen. Die geplante Fertigstellung ist 2024.

„Wir sehen eine klare Entwicklung: Auch die technische Gebäudeausstattung muss sich auf Sicht noch stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Und das wird sie auch in Form von Cradle-to-Cradle tun“, prognostiziert herotec-Geschäftsführer Thomas Heuser. „Wir wollen hier Vorreiter sein. Unser Entwicklungsziel war, Gutes und Bewährtes besser und nachhaltiger zu machen, dabei aber die Verarbeitung vor Ort identisch zu lassen. So muss der Monteur/Installateur sich nicht umstellen.“

Eckpunkte des Systems

Empfohlen ist die Verlegung von MKV-Rohr, das sich leicht per Hand in die vorgegebenen Führungen einbringen lässt
Foto: herotec

Empfohlen ist die Verlegung von MKV-Rohr, das sich leicht per Hand in die vorgegebenen Führungen einbringen lässt
Foto: herotec
Konkret wird mit dem Trockenbausystem „tempus Dry Nature“ eine Flächenheizung der Bauart B nach DIN 18560 und DIN EN 1264 auf Massiv- oder Holzbalkendecken erstellt. Dazu wählt der Verarbeiter die geeignete Lastverteilschicht, Estrichelemente oder den Nassestrich. Um die Installation der Rohrleitungen leichter zu gestalten, sind ab Werk eingefräste Rillen vorbereitet, die mit Aluminiumblechen ausgekleidet sind. Die Fixierung der Bleche erfolgt durch ein patentiertes mechanisches Verfahren.

Dadurch ist eine für den Recycling-Prozess wichtige sortenreine Trennung möglich. Die Aluminiumbleche bewirken eine optimale Wärmequerverteilung. Durch die Ω-Form der Rohrführung wird der sichere Halt des Rohres in der Platte gewährleistet. Sie stellt außerdem eine gute Begehbarkeit des Systems sicher. Aufgrund seiner geringen Längenausdehnung und der geringen Rückstellkraft wird als Rohr ein Metall-Kunststoff-Verbundrohr (MKV-Rohr) empfohlen.

Arbeitsschritte in der Praxis

Das „tempus Dry Nature“-System ist fertig verlegt. Die hier noch sichtbaren Wärmeleitlamellen bewirken eine gleichmäßige Verteilung der Wärme. Außerdem ist in der Mitte zu erkennen, dass individuelle Führungen ohne großen Aufwand möglich sind
Foto: herotec

Das „tempus Dry Nature“-System ist fertig verlegt. Die hier noch sichtbaren Wärmeleitlamellen bewirken eine gleichmäßige Verteilung der Wärme. Außerdem ist in der Mitte zu erkennen, dass individuelle Führungen ohne großen Aufwand möglich sind
Foto: herotec
Der Einbau des Systems erfolgt nach klassischem Muster. Zunächst wird umlaufend der herotec Öko-Randstreifen an den Wänden angebracht. Für die Lastverteilung im Randbereich wird anschließend das herotec Rahmenholz verwendet. Danach werden die „tempus Dry Nature“ Systemelemente im Raum verlegt. Bei Bedarf lassen sich die Elemente einfach zuschneiden. In Verbindung mit den „tempus Dry Nature“- Füllelementen kann jede Raumgeometrie ausgeführt werden. Dank der klebefreien Befestigungstechnik der Wärmeleitlamellen wird im nächsten Schritt das Rohr einfach in die Systemelemente eingelegt. Es folgt die Auslegung der herotec Öko-Papierschrenzlage, die das System vom Fertigteilestrich trennt. Der Fertigestrich wird passgenau in den Raum verlegt und nach Herstellerangaben weiterverarbeitet. Abschließend folgt dann der Oberbelag. (bhw/ela)

www.herotec.de

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