Instandsetzung von WDV-Systemen, Teil 2

WDVS im Bestand sanieren: Wann Renovierung, Sanierung oder Aufdopplung sinnvoll ist

Die Instandsetzung von Wärmedämm-Verbundsystemen erfordert eine genaue Bewertung des vorhandenen Zustands. Der zweite Teil unseres Beitrags stellt die wichtigsten Methoden der Renovierung, Sanierung und Modernisierung vor und zeigt, welche Aspekte bei der Aufdopplung zu beachten sind.

Nachdem sich der erste Beitrag mit den unterschiedlichen Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) sowie den typischen Schäden je nach Generation (Altersklasse) auseinandergesetzt hat, werden im zweiten Teil die verschiedenen Methoden und Verfahren der Instandsetzung beschrieben. Hierbei geht es nicht nur um technische Aspekte. Bei einer ganzheitlichen Betrachtung müssen auch ökonomische und ökologische Gesichtspunkte in den Blick genommen und gegebenenfalls rechtliche Fragestellungen berücksichtigt werden. Manchmal geht es auch nur um optische Aspekte, die zu einer Instandsetzung führen. Der nachfolgende Beitrag differenziert die Instandsetzung eines WDVS in Renovierung, Sanierung und Modernisierung.

Die Instandsetzung eines WDVS wird notwendig, wenn das gesamte System oder Teile davon Abweichungen vom Soll-Zustand aufweisen und sich die Funktionalität verschlechtert hat oder nicht mehr gegeben ist. Eine Analyse und Bewertung erfolgt im Rahmen einer objekt- und/oder systemspezifischen Bauwerksdiagnostik, bei der es je nach Aufgabenstellung nicht nur um die technische Erfassung des Ist-Zustands, sondern gegebenenfalls auch um die Ursache und somit um den Verursacher geht.

Schließlich sind Schäden und/oder Mängel auf planungs-, ausführungs-, witterungs- oder systembedingte beziehungsweise sonstige Ursachen zurückzuführen und können bereits in der Gewährleistung auftreten und Schadensersatzansprüche auslösen. Gleiches gilt für Besonderheiten einer Bauteilöffnung unter dem Gesichtspunkt zerstörender Untersuchungen und den damit in Verbindung stehenden Haftungsfragen. Um den Umfang dieses Beitrags nicht unnötig zu verlängern, wird hierauf nicht weiter eingegangen.

Bewertung des technischen Zustands

Die Analyse und Bewertung des technischen Zustands eines bestehenden WDVS sollte einer gewissen Systematik, konkret einer objekt- und systemspezifischen Didaktik und Methodik folgen. Wärmedämm-Verbundsysteme unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf den Dämmstoff, sondern auch im Oberflächendesign (zum Beispiel Putz oder Klinker) und in den individuellen Bauteilanschlüssen (beispielsweise Fensterbank oder Sockelausführung). Putzbeschichtungen können dickschichtig (zum Beispiel als Edelkratzputz) oder dünnschichtig sein; letztere liegen entweder als mineralische oder organisch gebundene Putze vor. Eine Überarbeitung dieser Systeme richtet sich danach.

Bei älteren Systemen (beispielsweise aus den 1990er-Jahren) ist in der Regel nicht bekannt, um welche Art von WDVS es sich handelt, da kein Zugriff auf Zulassungen oder andere technische Dokumente möglich ist. In diesen Fällen sind Altsysteme immer als normalentflammbar einzustufen. In jedem Fall müssen umfangreiche Untersuchungen (beispielsweise zur Standsicherheit) durchgeführt werden. Dies bedeutet, dass die Altsysteme an mehreren Stellen großflächig (mindestens 80 x 80 cm) geöffnet werden müssen. Die Anzahl der Fassadenöffnungen richtet sich unter anderem nach der Objektgröße, sollte aber mindestens die Wetterseite beinhalten sowie immer Bauteilanschlüsse, an denen sich regelmäßig Bauschäden zeigen (wie Fensterbank und Sockelbereich). Außerdem muss eine Analyse und Bewertung nicht nur den technischen Zustand des Systems erfassen, sondern auch energetische Gesichtspunkte berücksichtigen.

Renovierung, Sanierung, Modernisierung

Die Zustandsanalyse und -bewertung des WDVS erfolgt in Abhängigkeit von der ursprünglichen Funktion und den zukünftigen Anforderungen sowie den sich daraus ergebenden notwendigen Verbesserungen (zum Beispiel Schlagregenschutz). Hierbei müssen eventuell Systemgrenzen in technischer Hinsicht (beispielsweise in Bezug auf die Standsicherheit) oder unter rechtlichen Gesichtspunkten (zum Beispiel Gewährleistung) genauso bewertet werden wie die Wirtschaftlichkeit in Abhängigkeit der jeweiligen Maßnahme und deren Amortisation über den gesamten Produktlebenszyklus sowie unter ökologischen Aspekten (Recycling der Komponenten).

Auch die Instandsetzung folgt einer Systematik, konkret nach dem objekt- und systemspezifischen Zustand des WDVS und/oder dem Grad des Eingriffs. Die verschiedenen Methoden und Verfahren werden in Renovierung, Sanierung und Modernisierung unterschieden.

In der Renovierung geht es primär um die optische Verbesserung. Daher gehören zu den Renovierungssystemen vor allem Anstrichsysteme gegen mikrobiellen Befall durch Algen und Pilze, die Beseitigung von Graffiti und anderen Verschmutzungen sowie Farbtonveränderungen oder Salzausblühungen. Auch das Überarbeiten älterer Putzstrukturen, die heute nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen, fällt unter diese Kategorie.

In der Sanierung geht es primär um die Beseitigung von Schäden, insbesondere der verschiedenen Rissarten sowie Abplatzungen. Auch die nachträgliche Ertüchtigung der Standsicherheit, zum Beispiel durch eine Nachverdübelung oder Hinterfüllung der Dämmplatten, gehört zu den Sanierungssystemen.

In der Modernisierung geht es um die Verbesserung des Systems mit dem primären Ziel, den Wärmeschutz zum Beispiel durch eine Aufdopplung, an die aktuellen Anforderungen anzupassen.

WDVS-Instandsetzung in Typen

In der Instandsetzung bestehender WDVS werden zehn Systeme unterschieden:

WDVS-Ren-Typ I: Überstreichen der alten Oberfläche

WDVS-Ren-Typ II: Überputzen der alten Oberfläche

WDVS-San-Typ I: Erneuern des Oberputzes

WDVS-San-Typ II: Erneuern der gesamten Putzschicht (Unter- und Oberputz)

WDVS-San-Typ III: Systeme zur Risssanierung

WDVS-San-Typ IV: Putzträgerplatte und neues Putzsystem

WDVS-San-Typ V: Instandsetzung durchfeuchteter Systeme

WDVS-San-Typ VI: Nachverdübelung/Hinterfüllung der Dämmplatten

WDVS-Mod-Typ: Aufdoppeln/Überdämmen mit einem neuen WDVS

WDVS-Neu-Typ: Rückbau/Abriss und Neuaufbau

Bei dem Totalverlust eines WDVS stellt der Rückbau und der Aufbau eines neuen Systems eine Sonderlösung dar. Von einem Totalverlust wird übrigens nicht nur ausgegangen, wenn die Standsicherheit nicht mehr gegeben ist, sondern beispielsweise auch bei einer vollständigen Durchfeuchtung des Systems nach einem Hochwasser.

Aufdopplung eines WDVS

Wie bereits im ersten Teil ausgeführt, sind etwa
1,5 Mrd. m² Wandfläche mit einem WDVS ausgeführt worden. Die Hälfte dieser Fläche muss in den nächsten Jahren instandgesetzt werden. Aufgrund der besonderen Komplexität sowie Polarisierung zwischen Befürwortern und Kritikern konzentrieren sich nachfolgende Ausführungen auf die Aufdopplung, also auf das nachträgliche Aufdämmen eines bestehenden WDVS durch ein neues WDVS.

Häufig wird suggeriert, dass eine bestehende WDVS-Fläche „einfach nur“ mit einem neuen WDVS überdämmt werden muss und die Vorteile und Argumente alternativlos erscheinen. Dem ist, bei einer seriösen und ganzheitlichen Betrachtung, nicht so. Dies beginnt bereits beim Untergrund, setzt sich bei Bauteilanschlüssen fort und endet bei zulassungstechnischen und haftungsrechtlichen Fragen, mit denen sich Planer und Architektinnen, Sachverständige und Energieberaterinnen, Handwerker und Baustoffindustrie auseinandersetzen müssen.

Für die Aufdopplung eines bestehenden mit einem neuen WDVS stellt die Standsicherheit des Gesamtsystems sowie die Tragfähigkeit des Systemaufbaus die alles entscheidende Grundlage dar. In einschlägigen Veröffentlichungen kommen die hierfür notwendigen Untersuchungen nach Auffassung des Autors zu kurz. Schließlich muss das Altsystem an mehreren Stellen geöffnet und die Verklebung des alten WDVS mit dem Untergrund gutachterlich bewertet werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich unter den Altsystemen auch so genannte Schienensysteme befinden können.

Veränderte Dämmstoffdicke

Gleiches gilt für die Anpassung bestehender Bauteilanschlüsse an die neuen Dämmstoffdicken sowie weitere Veränderungen in der Systemgeometrie. Die kolportierte Darstellung über Kosteneinsparung aufgrund der wegfallenden Entsorgungskosten des Altsystems und/oder der anteiligen Berücksichtigung des bestehenden Wärmeschutzes in der Berechnung des Neusystems kann den Aufwand für entsprechende Untersuchungen genauso wenig abfedern wie die aufwändige Anpassung an bestehende Bauteilanschlüsse.

Schließlich reduziert sich durch das Aufbringen einer neuen Wärmedämmplatte in höherer Schichtdicke zum Beispiel der Abstand zum Dachüberstand, zu Fensterbänken und -laibungen sowie der Befestigung von Einbauteilen (beispielsweise Regenfallrohre). Hierbei muss beachtet werden, dass sich die Dicke der neuen Wärmedämmplatte je nach U-Wert des Altsystems zwischen 2 bis 14 cm bewegen kann. Daher muss zum Beispiel die Regenentwässerung der veränderten Dämmstoffdicke angepasst werden. Gleiches gilt für den Anschluss der Bauwerksabdichtung im Übergangsbereich der Perimeterdämmung zum Sockel sowie für konstruktive Maßnahmen des Brandschutzes, insbesondere wenn Altsysteme aus EPS (Polystyroldämmung) bestehen, in denen noch keine Brandriegel ausgeführt wurden. In einigen Fällen muss hierfür das alte WDVS teilweise entfernt werden, um diese Brandriegel einzuarbeiten.

Details sorgfältig planen

Aufgrund der Vielzahl verschiedener Systeme und deren individuellem Zustand (Ist-Situation) sowie individuellen Vorgaben (Soll-Situation) und des hohen Detaillierungsgrades in der Planung und Ausführung wird an dieser Stelle auf ein individuelles Instandsetzungskonzept durch einen Fachplaner sowie die Brandschutzanforderungen der jeweiligen Bundesländer verwiesen.

Denn man kann nicht einfach ein altes WDVS mit einem neuen überdämmen, ohne die Details sorgfältig zu planen und fachgerecht auszuführen. Bauschäden zeigen sich selten in der Fläche, sondern in der Regel an den Bauteilanschlüssen als neuralgische Punkte – und meistens zeitversetzt.

Die Aufdämmung beginnt

Sind alle Voraussetzungen für eine Aufdopplung gegeben oder wurden diese geschaffen, kann mit der Aufdämmung begonnen werden. Hierzu werden die neuen Wärmedämmplatten fugenversetzt zu den alten Wärmedämmplatten verlegt und kraftschlüssig verbunden. Dies bedeutet, dass die neuen Wärmedämmplatten nicht nur vollflächig verklebt, sondern auch durch das bestehende Altsystem hindurch verdübelt werden, um eine Befestigung mit dem tragenden Mauerwerk (unter dem Altsystem) sicherzustellen. Auf die entsprechenden Berechnungen der Dübellänge und -dimensionierung sowie der Planung und Ausführung eines individuellen Dübelschemas je nach Windlast und dergleichen wird an dieser Stelle nur verwiesen.

Für die Aufdopplung eines Altsystems durch ein neues WDVS ist eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erforderlich. Das DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) hat die Allgemeine Bauartgenehmigung zur Aufdopplung von Wärmedämm-Verbundsystemen auf bestehende WDVS oder Holzwolle-Leichtbauplatten um fünf Jahre bis zum April 2029 verlängert
(Z-33.49-1505).

Mehrfache Aufdopplungen nicht zulässig

Dies bedeutet, dass die Aufdopplung als allgemein bauaufsichtlich genehmigt gilt, allerdings nur für Systeme mit Polystyrol-Hartschaum (EPS) und Mineralwolle. Da sich gerade Dämmplatten aus Resol-Hartschaum aufgrund ihrer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,22 W/mK besonders gut für eine Aufdopplung eignen würden (dünner Dämmstoff bei hoher Dämmleistung), soll darauf hingewiesen werden, dass die oben genannte Verbandszulassung hierfür nicht gilt und eine Aufdopplung mit Resol-Hartschaumplatten gesondert zugelassen werden muss.

Im Übrigen sind auch mehrfache Aufdopplungen sowie Aufdopplungen von WDVS mit Schienenbefestigung nicht zulässig. Dies bedeutet, dass schon allein deshalb eine objekt- und/oder systemspezifische Bauzustandsanalyse notwendig wird, um herauszufinden, ob sich in der Altfassade gegebenenfalls schon ein überdämmtes Altsystem oder ein Schienensystem befindet.

Zusammenfassung

Eine Aufdopplung ist eine technisch anspruchsvolle Sonderlösung, mit der alte Wärmedämm-Verbundsysteme überdämmt werden können. Auch wenn eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für diese Form der energetischen Modernisierung vorliegt, entspricht diese nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Auf entsprechende Beratungs- und Hinweispflichten aller Beteiligten in der Planung und Ausführung sowie auf die Haftungsrisiken wird ausdrücklich hingewiesen.

Vorsicht ist geboten, wenn die Aufdopplung als kostengünstige Alternative und Zeitersparnis zu einem Rückbau und dem Aufbau eines neuen WDVS angepriesen wird. In einer „Werbebroschüre“ eines WDVS-Anbieters stand kürzlich: „Durch die Aufdopplung entfällt der hohe Zeit- und Kostenaufwand für die Ertüchtigung alter, nicht tragfähiger Untergründe.“ Dies ist grob fahrlässiger Umgang mit einem hoch komplexen und technisch anspruchsvollen Thema und an Naivität nicht zu überbieten!

Abschließend soll ein Hinweis nicht vergessen werden, der allgemein zu kurz kommt: Bei aller Konzentration auf Instandsetzungen soll die Bedeutung einer angemessenen Instandhaltung im Sinne einer objekt- und/oder systemspezifischen Inspektion und Wartung inklusive Reinigung nicht unterschätzt werden. So manches Altsystem müsste nicht oder deutlich später instandgesetzt werden, wenn kleinere Mängel rechtzeitig erkannt und behoben worden wären.

Autor

Frank Frössel ist Sachverständiger und Fachbuchautor für Bauwerksschäden und -instandsetzung.

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