Sanierung des Ritterguts Schafhausen mit dem Aerogel-Hochleistungsdämmputz „Hasit Fixit 222“

Bei der Komplettsanierung des Ritterguts Schafhausen nach Plänen der Architektin Friederike van de Loo-Schulze Schwienhorst wurden die Fassaden auch energetisch ertüchtigt – behutsam und „steinfühlig“ mit dem „Hasit Fixit 222“ Aerogel-Hochleistungsdämmputz.

Auf den ersten Blick alles andere als ein Fachwerkhaus: Von Beginn an wurde das Rittergut Schafhausen als herrschaftliches Steinhaus empfunden Auf den ersten Blick alles andere als ein Fachwerkhaus: Von Beginn an wurde das Rittergut Schafhausen als herrschaftliches Steinhaus empfunden
Foto: Wohnen.Planen

Auf den ersten Blick alles andere als ein Fachwerkhaus: Von Beginn an wurde das Rittergut Schafhausen als herrschaftliches Steinhaus empfunden
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Für die Architektin Friederike van de Loo-Schulze Schwienhorst aus Münster war das Rittergut Schafhausen nicht die erste Renovierung eines denkmalgeschützten Gebäudes, dennoch unbestritten die bisher größte Herausforderung. In enger Zusammenarbeit mit den Bauherren, dem Denkmalschutz und ausgewählten Experten erfolgte eine Komplettsanierung, die sowohl technisch als auch gestalterisch Bestnoten verdient. Bei der energetischen Sanierung der Fassade war die Expertise von Holm Theil, Objektberater der Firma Hasit, besonders gefragt.

Herrenhaus mit angebauter Kapelle

Besonders bei der Kapelle kann man nach der Sanierung die hohe architektonische Gestaltungsqualität der steinfühligen Putzoberfläche erkennen Besonders bei der Kapelle kann man nach der Sanierung die hohe architektonische Gestaltungsqualität der steinfühligen Putzoberfläche erkennen
Foto: Wohnen.Planen

Besonders bei der Kapelle kann man nach der Sanierung die hohe architektonische Gestaltungsqualität der steinfühligen Putzoberfläche erkennen
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Das Rittergut Schafhausen wurde 1225 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1986 steht das ganze Ensemble unter Denkmalschutz. Umgeben von einem ebenfalls denkmalgeschützen Park, liegt es inmitten einer ausschließlich landwirtschaftlich geprägten Umgebung, etwa 30 Kilometer östlich von Dortmund. Die Liegenschaft umfasst ein stattliches Herrenhaus mit angebauter Kapelle, ein Wirtschaftsgebäude und diverse Nebengebäude. 2018 wurde die gesamte Liegenschaft von einem westfälischen Unternehmerehepaar übernommen, ein Glücksfall, denn, abgesehen davon, dass das Unternehmen eng mit der Baubranche verknüpft ist, schätzen die Bauherren historische Baukultur und waren auch bereit, diese zu Beginn kostenmäßig kaum benennbare Komplettsanierung finanziell zu stemmen. Herrenhaus und Kapelle sind mittlerweile umfassend saniert und werden nicht nur von den Eigentümern genutzt. Von Anfang an war geplant, das Gebäude vielfältig und für viele nutzbar zu machen.

Wetterseiten mit starken Bauschäden

Die Gebäudehülle wurde zu Beginn der Bauarbeiten 2019 komplett abgeschält – Pflanzbewuchs und Putz, von dem einige gut erhaltene Stücke als Muster beiseitegelegt wurden. Das Fachwerk und die Gefachefüllungen konnten zu etwa 90 Prozent erhalten werden, der Außenputz wurde komplett neu aufgebracht. Besonders die Wetterseiten wiesen starke Bauschäden auf. Die unten liegenden Schwellhölzer waren mangels Horizontalsperre allesamt durchfeuchtet und verrottet. Im Zuge der Sanierung wurden diese komplett ausgetauscht und zugleich der Sockelanschluss neu aufgebaut.

Auf dem Natursteinsockel sitzt jetzt eine Lage vorne abgeschrägter Vollziegel, gefolgt von einer Bitumen-Horizontalsperre und neuen Schwellhölzern aus Eiche Auf dem Natursteinsockel sitzt jetzt eine Lage vorne abgeschrägter Vollziegel, gefolgt von einer Bitumen-Horizontalsperre und neuen Schwellhölzern aus Eiche
Foto: Wohnen.Planen

Auf dem Natursteinsockel sitzt jetzt eine Lage vorne abgeschrägter Vollziegel, gefolgt von einer Bitumen-Horizontalsperre und neuen Schwellhölzern aus Eiche
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Den Natursteinen aufgesetzt ist jetzt eine Lage außen abgeschrägter Vollziegel. Es folgten eine Bitumen-Horizontalsperre und neue Schwellhölzer aus massiver Eiche. Beim Herrenhaus wurden etwa 20 Prozent des den Schwellhölzern aufgesetzten Ständerwerks ausgewechselt und anschließend wieder mit den zwischengelagerten Natursteinen und Feldbrandziegeln ausgefacht. Die westlichen Außenwände sowie Dach und Turm der Kapelle wurden zu 100 Prozent rekonstruiert, noch verwertbare Balken zwischengelagert und später für Möbel und Böden verwendet. Die Nord-, Süd- und Ostfassaden konnten inklusive der Natursteingefache gut abgestützt erhalten bleiben.

„Steinfühlig“ verputzte Fachwerkfassade

Schafhausen ist ein Fachwerkensemble, das Herrenhaus wurde jedoch stets als „herrschaftliches Steinhaus“ verstanden. Von Beginn an waren die Fassaden komplett verputzt, einschließlich des Ständerwerks. Bei der Sanierung standen anfangs Wärmedämmplatten in der energetischen Diskussion. Diese Idee wurde jedoch schnell verworfen. Die bewegte Oberfläche der Fachwerkfassade sollte „steinfühlig“ nachgezeichnet werden, um die Lebendigkeit der historischen Fassade zu erhalten. Man entschied sich also für einen Wärmedämmputz. Mit dem Aerogel-Hochleistungsdämmputz „Fixit 222“ wählten Bauherren und Architektin ein Putzsystem, das über eingebettetes Aerogelgranulat eine Wärmeleitfähigkeit von 0,028 W/mK erreicht. Dies ermöglicht dünne und dennoch hoch wärmedämmende Putzschichten.

Ausführungsvarianten und Anschlussdetails

Die zu renovierende Bausubstanz stammt aus dem 18. Jahrhundert, das Putzsystem aus dem 21. Jahrhundert. Neben bauphysikalischen Fragen wie Haftung, Diffusionsoffenheit, Dehn- und Schrumpfverhalten galt es auch, viele der historischen Bauteilanschlüsse grundlegend zu überdenken. Der Gedankenaustausch hierzu war rege und während man sich um den Skizzenblock der Architektin versammelte, wurden die meisten Ausführungsvarianten und Anschlussdetails direkt vor Ort ausdiskutiert und skizziert.

Um eine Anhaftung des Putzes an das Ständerwerk hundertprozentig auszuschließen, sind auf dem Ständerwerk Pappstreifen aufgetackert Um eine Anhaftung des Putzes an das Ständerwerk hundertprozentig auszuschließen, sind auf dem Ständerwerk Pappstreifen aufgetackert
Foto: Wohnen.Planen

Um eine Anhaftung des Putzes an das Ständerwerk hundertprozentig auszuschließen, sind auf dem Ständerwerk Pappstreifen aufgetackert
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Die Basis bildet ein Welnet als Putzträger. Häufiger Fehler hierbei: dieses auch am Ständerwerk zu befestigen. Die Putzschale muss jedoch vollkommen von den Bewegungen des Ständerwerks entkoppelt sein. Die Befestigung erfolgte deshalb ausschließlich auf den Ausfachungen. Dem kompletten Ständerwerk wurden zuvor Pappstreifen aufgetackert, um jegliche Putzanhaftung auszuschließen. Einer dünnen Lage „Hasit Hasolan“ 0-6 mm als Vorspritz folgte der Dämmputz „Fixit 222“ in einer Schichtdicke von 30 mm. Bereits hier wurde beim Nachziehen mit der Glättkelle penibel darauf geachtet, die Oberflächenkontur der Fassade nachzuzeichnen und nicht „tot zu glätten“. Es folgten eine Gewebeeinspachtelung und abschließend ein 10 mm dicker Kratzputz „Hasit 725 Opti“.

Mit dem gewählten Putzaufbau wurde ein durchgehend mineralisches System verwendet, das bauphysikalisch in Bezug auf Haftung, Dehn-/ Schwundverhalten sowie Diffusionsoffenheit fein aufeinander abgestimmt ist. Die für Kratzputz übliche Dicke von 10 bis 15 mm wirkt sich vorteilhaft auf die Lebensdauer der Fassade aus. Aus der höheren Schichtdicke gegenüber Dünnputzen resultiert eine größere Wärmespeicherkapazität. Regenfeuchte und nasse Putzoberflächen dampfen auf Grund der gespeicherten Wärme schnell ab. Zusammen mit der basischen Alkalität des Putzes werden Algen und Pilzen Nährstoffe und Feuchte systeminhärent und dauerhaft entzogen.

Rein mineralischer Putzaufbau

Bei allen Planungen zur Fassadendämmung war die obere Denkmalbehörde LWL, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, fest mit eingebunden. Der rein mineralische Aufbau des Putzsystems, bestehend aus natürlichem hydraulischem Kalk, Luftkalk und chromatfreiem Weißzement, entspricht ihren Vorgaben beziehungsweise Wunschvorstellungen. Gleiches gilt für die steinfühlige Oberfläche, weshalb die Denkmalbehörde auch schon in den ersten Besprechungen eine Wärmedämmung in Form eines Putzes vorschlug. Um die unterschiedlichen Arbeitsschritte, insbesondere bei den Bauteilanschlüssen, exakt auszuführen, wurden vorab Muster eingebaut und alle Arbeitsschritte probeweise durchgeführt. Viel Aufwand erforderte die historische Nachstellung des Kratzputzes, dem zur Färbung Basalt beigemischt wurde. Auf Grundlage der zurückgelegten Putzmuster wurden verschiedene Mischungen ausprobiert und nach einer Vorauswahl Musterflächen direkt am Gebäude angelegt und mit dem Denkmalschutz abgestimmt.

Historische Überstände beibehalten

Da die Fassaden komplett neu aufgebaut wurden – einschließlich der Türen und Fenster – war man mit der Putzdicke in Bezug auf die Überstände der Einbauelemente relativ wenig eingeschränkt. Alle Laibungen und Rahmen wurden so dimensioniert, dass trotz der dickeren Putzschicht von etwa 50 mm – gegenüber den 20 mm im Bestand – die historischen Überstände beibehalten wurden. Mit einer Dicke von 50 mm erreicht der Putzaufbau den für eine Förderung erforderlichen U-Wert von 0,45 W/m2K bei denkmalgeschützten Gebäuden mit ausschließlicher Wärmedämmung außen.

Zweiter Platz beim Aerogel Architecture Award 2025

Bereits kurz nach Fertigstellung wurde das Objekt im Rahmen des Aerogel Architecture Award 2025 mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Im Rahmen dieses Wettbewerbs werden weltweit Aerogel-Architektur- und Bauprojekte prämiert, die durch minimale Eingriffe in die Bausubstanz und das Erscheinungsbild große Ersparnisse hinsichtlich Wärmeverlust und Energieverbrauch ermöglichen.

 

Autor

Dipl.-Ing. Peter Gahr studierte Architektur an der TU München. Er arbeitete als Architekt in verschiedenen Architektur- sowie Ingenieurbüros und verlegte später seinen Schwerpunkt auf den Fachjournalismus. Er lebt und arbeitet in Vaterstetten bei München. http://pg-planwerker.de

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