Sicherheit und Identität

Kulturweberei in Finsterwalde mit Türen und Toren von Schörghuber und Hörmann

Die Kulturweberei in Finsterwalde zeigt, wie historische Industriebauten durch behutsame Umnutzung funktional und architektonisch weiterentwickelt werden können. Tore und Türen von Schörghuber übernehmen zentrale Aufgaben – von Brand- und Schallschutz bis zur effizienten internen Erschließung.

Wo es Sicherheit gibt, da gibt es auch die Angst vor deren Verlust. Weil die Sicherheit, am richtigen Ort und in der richtigen Gesellschaft zu leben, zu sta­bileren Biografien führt, sind lokalhis­torisch bedeutende und erhalten geblie­bene Bauten wie die „Kulturweberei“  in Finsterwalde im südlichen Brandenburg so wichtig. Sie veran­kern die Stadt und die darin lebenden Menschen mit der eigenen Geschichte. Schörghuber und Hörmann trugen mit Tür- und Torlösungen dazu bei, Funktionalität und architektonische Qualität harmonisch zu vereinen.

In Finsterwalde wurde jahrhundertelang Tuch gewoben und mindestens seit 1555 auch auf der Leipziger Messe präsen­tiert. Für die Menschen der Stadt in der Niederlausitz dauerte diese Tradition noch bis 1990 – dann war es plötzlich aus und vorbei. Dass aus der übrig gebliebenen Industriebrache schließlich ein beeindruckendes Beispiel für einen identitäts­stiftenden und Sicherheit vermittelnden Ort werden konnte, ist das Resultat eines recht komplexen Prozesses. Auf  Workshops, Bürgerbeteiligung und einem Architekturwettbewerb folgte eine Klage, um das Projekt noch zu verhindern, und schließlich ein Bürgerentscheid, bei dem zwei Drittel der Bevölkerung dafür stimmten.

Sicherheit gebender Ort

In Zeiten rasanter technologischer, sozialer und wirtschaftli­cher Veränderungen ist die Kulturweberei ein fester Anker in der Stadt. Das Areal im Südwesten der gepflegten Altstadt bietet mit der Kulturweberei ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie ein historischer Ort durch behutsame Umnutzung nicht nur erhalten, sondern in einen sicherheitsgebenden Ort für eine ganze Region ver­wandelt werden kann. Er bietet Raum für Konzerte, Theater, Diskussionen, private Feiern und städtische Begegnungen. Bis zu 1000 Menschen finden hier nun Platz – nicht nur phy­sisch, sondern auch emotional.

Das beauftragte Architekturbüro HBRM setzte das Thema der industrietypischen Gebäudeansammlungen konsequent fort. Denn wann immer in diesem Industriebetrieb eine Erweiterung nötig war, wurde einfach ein Stück angesetzt. Auf dieselbe Weise ergänzte HBRM den prägnanten Schornstein samt restaurier­tem Heizhaus sowie eine alte, sanierte Fabrikationshalle und fügte dem Ensemble zwei Anbauten hinzu.

Türen an den historischen Bestand angepasst

Die Fassaden dieser neuen Ergänzungen bestehen aus bron­zierten Aluminiumprofilen, die mit Ziegelflächen ausgefacht wurden und den industriellen Charakter höchst elegant fortführen. Auch im Inneren gibt es feine Details. Als Boden wurde ein geschliffener Estrich eingebaut, die Wände sind weiß geschlämmt. Die historischen gusseisernen Stützen wurden aufgearbeitet und wiederverwendet. Habermann Architektur weiß Rundbögen zum Glück zu schätzen und ließ die Türen entsprechend mit rundem Türblatt von Schörghuber herstellen. Vielleicht nur ein kleines Detail in der Architektur, aber ein bezeichnendes. Weitaus funktionaler sind die automatischen Schiebetüren, die in diesem Projekt eingebaut wurden. Zwischen Küche und Gastraum sorgen sie dafür, dass das Personal auch mit vollen Händen schnell den Raum wechseln kann.

Schiebetüren sind mit einer ganzen Vielfalt von Funktionen ausstattbar. In Finsterwalde ist eine zum Beispiel als T30-Brandschutztür ausgeführt.  Auch Schall- und Strahlenschutz sind möglich, aber in diesem Kontext jedoch nicht erforderlich. Apropos Schallschutz: Auch hier ist Schörghuber ein Experte und liefert die doppelflügeligen Schallschutztüren, die zum Konzertsaal führen.

Disco-Donnerstag in der Sängerstadt

Und weil sich Finsterwalde ganz offiziell als „Sängerstadt“ bezeichnet, wurde die Multifunktionshalle eigens für Konzerte optimiert. Denn von Kabarett und Lesungen über klassische Konzerte, Popkonzerte und volkstümliche Musik bis zum „Disco-Donnerstag“ sollte hier alles stattfinden können.

Möglich wird dies durch ein System zur Verlängerung von Nachhallzeiten. Damit lässt sich die Halle den unterschied­lichen Anforderungen anpassen. Die mit Leinen bespannten Akustikelemente mit ihrer Faltung und textilen Anmutung passen perfekt zum Ort – denn schließlich wurden hier einst Textilien gewoben.

Kulturelle Sicherheit

Die Kulturweberei ist ein Raum, in dem sich die Menschen nicht nur kulturell unterhalten lassen, sondern auch in ihrem Selbstverständnis bestätigt fühlen – eine Form der kulturellen Sicherheit, die nicht auf Abgrenzung, sondern auf Verankerung basiert. Die Kulturweberei ist mehr als eine Event-Location. HBRM schuf einen Ort der kollektiven Selbstvergewisserung. Sicherheit entsteht hier durch Teilhabe und Erinnerung. Folgerichtig wurde die Kulturweberei mittlerweile mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis ausgezeichnet.

Autor

Robert Klinger ist Verkaufsleiter für Großobjekte bei der Firma Schörghuber Spezialtüren in Ampfing.

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