WDVS gestalten, Teil 14: Kammzug realisieren
Im vierzehnten Teil unserer Serie zur Gestaltung von WDVS-Fassaden stellen wir die Kammzugtechnik vor. Während die Besenstrichoptik ein dezenteres Bild ergibt, erstellen Betriebe bei der Kammzugtechnik noch deutlich markantere Strukturen – und das in nur vier Arbeitsschritten.
WDVS gleich langweiliges Oberflächenbild? Weit gefehlt. Auch auf gedämmten Fassaden lassen sich Flächen durch einzigartige Verarbeitungsweisen strukturieren. Ein Beispiel ist die Kammzugtechnik, die bis heute einen außergewöhnlichen Charme ausstrahlt. Sie verleiht WDVS-Oberflächen eine klare, richtungsbetonte Struktur. Durch das gezielte Strukturieren des mineralischen Leichtputzes entsteht eine präzise Linienoptik – perfekt für geschlossene Kleinflächen.
In nur vier Arbeitsschritten entstehen optisch ansprechende Kammzugoberflächen. Grundlage dafür ist ein mineralischer Systemaufbau von Brillux
Foto: Brillux
Die Kammzugtechnik eignet sich optimal für mineralisch armierte WDVS-Flächen im WDVS-Systemaufbau von Brillux. Sie erzeugt eine linienförmige, richtungsbetonte Oberfläche mit waagerechtem, senkrechtem oder individuell wählbarem Verlauf. Die resultierenden Flächen wirken dynamisch gegliedert und heben architektonische Details hervor.
So gelingt die Kammzugtechnik
Handwerkerinnen und Handwerker bilden mit dem „Mineral-Leichtputz G 3679“ die Struktur aus, mit dem „Silikat-Streichfüller 3639“ und „Extrasil 1911“ erfolgt das Finish im gewünschten Farbton. Bei größeren Flächen wird optimalerweise im Team gearbeitet.
Schritt 1 – Grundspachtelung: Eine besondere Vorbehandlung wie eine Putzgrundierung kann bei mineralischen Untergründen entfallen. Der Untergrund muss lediglich eben, fest, trocken, sauber und tragfähig sein. Die Handwerkerinnen und Handwerker tragen den Mineral-Leichtputz mit dem Edelstahlglätter oder einem Schneckenfördergerät auf, kämmen den nassen Putz mit der „Zahnkelle 3768“ durch und glätten die Fläche am Ende des ersten Arbeitsschritts sorgfältig.
Schritt 2 – Spachtelauftrag und Strukturieren: Die Handwerker tragen erneut Mineral-Leichtputz auf und kämmen ihn mit derselben Zahnkelle vorzugsweise vertikal durch. Danach glätten sie den Oberputz direkt mit dem „Flächenspachtel 1828“, um die Zahnstruktur zu entfernen. Im nassen Zustand folgt direkt danach die Strukturierung. Linienförmig ziehen sie die nasse Schicht mit dem „Putzkamm 1721“ im gewählten Verlauf. Sie führen diesen gradlinig, nehmen ihn am Ende ihrer Strecke wieder ab, setzen neu an und fahren so immer weiter fort. So bilden sich nebeneinander die „Strukturbahnen“. Die fertig erstellten Kammzugflächen sollten bis zur Trocknung nicht weiter verarbeitet werden. Erst danach können Spitzen oder Putzteile behutsam abgeschabt werden.
Mit der Kammzugtechnik akzentuieren Betriebe Teilflächen, die sich optisch abheben und die Fassade gliedern
Foto: Brillux
Schritt 3 – Zwischenanstrich: Der Zwischenanstrich erfolgt mit dem Silikat-Streichfüller, der mit der „Polyamid-Farbwalze 1314“ aufgetragen wird. Bei Bedarf kann die Beschichtung zusätzlich mit der „Flächen-Streichbürste 1210“ verschlichtet werden. Durch seine füllende Wirkung lässt sich das mineralisch basierte Produkt besonders gut für den Zwischenschritt nutzen. Schon bei diesem Arbeitsgang beginnt die Farbgestaltung. Der Streichfüller sollte im gleichen Farbton getönt sein wie die Schlussbeschichtung.
Schritt 4 – Schlussanstrich: Nach der Trocknung des Zwischenanstrichs tragen die Handwerkerinnen und Handwerker mit „Extrasil 911“ im gleichen Farbton mit der Polyamid-Farbwalze voll deckend auf. Wenn der Systemaufbau auch bei einem höheren Algen- und Pilzrisiko biozidfrei bleiben soll, empfiehlt sich die Verarbeitung von „Ultrasil HP 1901“.
Empfehlung
Bei der Farbtonauswahl haben Betriebe eine große Gestaltungsfreiheit. Der Silikat-Streichfüller und die Schlussbeschichtung sollten dabei im gleichen Farbton getönt sein. Farblich daran angelehnt sollte auch der Mineral-Leichtputz sein. Brillux empfiehlt die Ausführung mit dem Oberputz im Scala-Farbton 27.12.23 und den Zwischenanstrich sowie die Schlussbeschichtung ebenfalls im Scala-Farbton 27.12.23.
Die Kammzugtechnik ist zur Gestaltung von begrenzten Teilflächen vorgesehen. Für die Umsetzung an der Fassade muss im Vorfeld ein Konzept erstellt werden, das die jeweilige Objektsituation mit Gerüstlagen, Verankerungen und baulichen Gegebenheiten berücksichtigt.
Besteht ein erhöhtes Risiko für den Befall mit Algen- und Pilzen, ist die Einstellung der beiden Produkte für den Zwischen- und Schlussanstrich in „Protect“-Qualität zu empfehlen.
AutorDirk Pöhlker ist Produktmanager WDVS bei Brillux in Münster.
