Denkmalschutz hilft dem Handwerk, nach nicht genormten Techniken zu arbeiten

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kennen Sie den: „Warum konnte Gott die Welt in nur sieben Tagen erschaffen? Weil es das DIBt noch nicht gab.“ Das DIBt, Deutsches Institut für Bautechnik, ist hierzulande die mächtige Behörde, an der kein Hersteller vorbeikommt, wenn er für seine Produkte eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung haben möchte.

Doch das DIBt regelt weit mehr als „nur“ Zulassungen. Es regelt mittlerweile auch europäische Zulassungen, CE-Zeichen und Energieausweise und hat damit eine ganze Reihe weiterer Aufgaben. KIar, dass eine so einflussreiche Behörde Kritik auf sich zieht, die unter anderem zum eingangs erwähnten Witz führt – zumal Deutschland für seine Regelwut international berüchtigt ist. Gemeint ist damit auch das viel früher gegründete DIN, Deutsches Institut für Normung. Schaut man sich den im DIN für den Bau zuständigen DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau) an, stellt man schnell fest, dass er zu über der Hälfte aus Vertretern der Wirtschaft besteht. Das Handwerk ist mit gerade mal 9 Prozent vertreten.

Doch wie sah es am Bau früher aus? Vor Gründung des DIBt Ende der 1960er Jahre, oder sogar noch vor Gründung des DIN? Bau- und Handwerksmeister verließen sich damals auf überliefertes Wissen. Will man Gebäude und Bauteile aus dieser Zeit als Handwerker restaurieren oder sanieren, geht das kaum nach den Vorgaben von DIN und DIBt. Der Denkmalschutz hilft dem Handwerk, nach nicht genormten Techniken zu arbeiten. Bei der Restaurierung der Bleiverglasung der Bielefelder Süsterkirche, die im Gegensatz zu dem im Ursprung gotischen Gebäude aus den 1950er Jahren stammt, konnten die Glaser der Firma Knack die Schäden an der Verglasung in der Werkstatt in Münster reparieren und damit das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederherstellen. Die Bleiverglasung mussten sie allerdings nach innen versetzt wieder einbauen. Wie in diesem Beitrag zu sehen, bauten die Handwerker an der Stelle der alten Verglasung ein Zweischeiben-Sicherheitsglas ein.

Und schaut man ins nähere Ausland, zum Beispiel nach Südtirol, dann sieht die Sache nochmal anders aus: Wie in unserem Beitrag BAUSTELLE DES MONATS beschrieben, erhielt der bereits 1304 erwähnte Niedermairhof in Bruneck einen modernen Anbau, der sich mit geschwärztem Stahlblech bekleidet wie ein Gebirge aus dem historischen Bestand faltet. Das war allerdings nur deshalb möglich, weil es an dieser Stelle bereits einmal einen Anbau gegeben hatte, den man historisch nachweisen konnte.

 

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Thomas Wieckhorst, Chefredakteur der bauhandwerk

Wer Wurst und Normen mag, der sollte bei ihrer Entstehung nicht mit dabei sein

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