Bleigießen
Verdübelungen mit Bleiverguss an Naturstein-Werkstücken

Zu den wichtigsten Arbeitsvorgängen bei Versetzarbeiten von erneuerten Naturstein-Werkstücken zählt die Verdübelung mit Bleiverguss. Die Arbeitstechnik, zwei neue Natursteine durch Dübel und Bleiverguss miteinander zu verbinden, war schon in der Antike bekannt. Sie wurde jedoch besonders in der Gotik (1235–1520) entscheidend weiterentwickelt. Bei der Ausführung solcher Arbeiten wird dem Handwerker auch heute noch ein hohes Maß an Fachkenntnissen abverlangt.

Die Natursteinelemente müssen für die Verdübelung mit Bleiverguss absolut trocken sein. Sie dürfen auch keine Bruchfeuchte mehr enthalten. Weiterhin müssen alle Bohrlöcher und Auflagerflächen der Werkstücke staubfrei sein. Zu einem werkgerechten Bleiverguss gehört natürlich ein passender Dübel: Der Durchmesser des Dübels und die Einbindelänge muss vom Handwerker auf die Größe des zu verdübelnden Einzelstücks abgestimmt werden. Es ist ein großer Fortschritt, dass heute nur noch V 4A-Gewindestahl für diese Dübel verwendet wird. Durch die früher verwendeten Eisendübel sind in der Vergangenheit zahlreiche Aufrostungsschäden entstanden.

Vor dem Versetzen sollte der Handwerker unbedingt darauf achten, dass alle vom Steinmetz angefertigten Stücke schonend behandelt werden. Es dürfen auf keinen Fall Kanten oder Teile der Schmuckelemente beschädigt werden. Die Werkstücke sollten daher vorsorglich mit Filzstreifen geschützt werden.

Vorbereitung der Versetzarbeiten

Da alle Einzelteile senkrecht von oben versetzt werden, muss zunächst ein so genanntes Versetzgerüst zur Aufnahme des Kettenzuges gebaut werden. Während die Einzelteile noch waagerecht auf dem normalen Gerüst lagern, werden die erforderlichen Bohrlöcher zum Einfüllen des flüssigen Bleis jeweils mittig in vorgegebener Tiefe eingebohrt. Der untere Teil des Bohrkanals muss schwalbenschwanzförmig, das heißt größer ausgearbeitet werden. Das angefallene Bohrmehl sollte der Handwerker anschließend gründlich mit Druckluft ausblasen.

In der Lagerfuge, wo die versetzten Werkstücke aufeinander treffen, müssen die beiden Kontaktflächen zur optimalen Verbindung mit dem Blei bis zum Rand sehr grob aufgespitzt werden. Besser ist es jedoch, wenn sternförmig Rillen oder Riefen in V-Form eingearbeitet werden. Durch diese Vorarbeiten soll ein Verdrehen oder Versetzen der Werkstücke, beispielsweise bei starker Windbelastung auf einem Kirchturm, verhindert werden.

Vor dem Versetzen der einzelnen Werkstücke müssen sie – noch in den Kettenzügen hängend – auf vier etwa 0,8 bis 1,0 cm dicken Bleiplättchen exakt ausgerichtet werden. Hierdurch wird der Hohlraum für die spätere Blei-Lagerfuge geschaffen. Außen wird umlaufend ein etwa 1,5 cm breiter Streifen aus Modellierton aufgelegt und fest angeknetet. Hieraus ergibt sich die Abmessung der später einzubringenden Kalkfuge. Die hierfür häufig verwendeten Kunststoffschnüre haben sich nicht bewährt – sie werden vom heißen Blei rasch weggeschmolzen.

 

Verbleiung

 

Nachdem die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen sind, kann mit der Verdübelung und dem Bleiverguss begonnen werden. Vorher muss jedoch ein Loch für den Gießkanal und ein Loch zur Luftentweichung in das Natursteinelement gebohrt werden – beides mit einem Neigungswinkel von etwa 30 Grad. Dann wird der Dübel in das Bohrloch eingeführt und mit kleinen Bleiplättchen oder Keilchen exakt mittig fixiert. Nachdem der Handwerker am Gießkanal noch ein so genanntes „Schwalbennest“ aus Modellierton angeformt hat, kann mit dem Bleiverguss begonnen werden. Dafür wird in den meisten Fällen Abfall von Dachblei verwendet. Das Blei wird auf dem Gerüst in einem Tiegel mit Propangas auf etwa 325° C erhitzt. Das flüssige Blei muss vorsichtig, aber dennoch zügig mit einem Löffel eingegossen werden. Eine geringe Menge Kerzenwachs verbessert dabei die Fließeigenschaften des Bleis. Aus Gründen des Brandschutzes sollte bei dieser Arbeit in der Nähe unbedingt ein Feuerlöscher bereitstehen.

Nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren steigt das Blei gleichzeitig auch im Luftkanal hoch. Nachdem hier das bekannte „Enddarmgeräusch“ beim Luftaustritt zu hören und dazu das silbrig leuchtende Blei zu sehen ist, kann der Gießvorgang beendet werden. Danach werden das „Schwalbennest“ und der umlaufende Tonmantel der Fuge entfernt. Erfahrungsgemäß entsteht zwischen dem heißen Bleiverguss und der kälteren Steinflanke immer eine winzige Fuge; deshalb muss die Blei-Lagerfuge unbedingt mit Flacheisen und Fäustel kraftschlüssig verstemmt werden. Dadurch zieht der „Gewindestahl-Dübel“ richtig in das Bleivergussgefüge hinein. So bekommen alle Werkstücke eine gewisse Vorspannung und einen sehr guten Zusammenhalt untereinander.

 

Fazit

 

Vor allem bei der Restaurierung von Kirchtürmen wird häufig die oben beschriebene Technik der Verdübelung mit Bleiverguss gewählt, weil sie eine dauerhafte Standsicherheit aller zusammengefügten Werkstücke gewährleistet. Mörtel-Lagerfugen würden bei den anfallenden Wind- und Sogkräften in kurzer Zeit regelrecht zermürbt.

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