Fußbodensanierung im Pfarrhof St. Sebald in Nürnberg mit Holzspänen

Bei der Restaurierung des Pfarrhofs St. Sebald in Nürnberg setzten die Verantwortlichen bei der Sanierung der mittelalterlichen Balkendecken auf die aus mineralisch ummantelten Holzspänen bestehende Trockenschüttung von Cemwood.

Geht es um die Sanierung bedeutender Bauwerke, spielen die Vorgaben der Denkmalpflege zum Schutz der historischen Bausubstanz eine wichtige Rolle. Das beginnt bereits mit der Auswahl der Baumaterialien. In der Regel sind Systeme gefragt, die weder chemisch noch physikalisch die historischen Baukonstruktionen schädigen und zudem reversibel sind.

Mittelalterliche Hofanlage 

Im Mittelalter zählte Nürnberg zu den bedeutenden Metropolen. Die Stadt profitierte von der zentralen Lage in Europa. Durch sie führten wichtige mittelalterliche Handelswege wie die „goldene Straße“. Der Reichtum der Stadt spiegelt sich in den zahlreichen Bau- und Kunstwerken, die damals im Schatten der Burg entstanden.

Die älteste Stadtkirche ist St. Sebald, benannt nach dem Stadtpatron, dem heiligen Sebald, der hier auch sein Grab hat. Zu ihr gehört der Pfarrhof St. Sebald. Er war der Sitz der Pröbste, hier wohnten die Pfarrer, Verwalter und die Bediensteten der Gemeinde. Im Erdgeschoss und im Obergeschoss befanden sich repräsentative Säle für Festlichkeiten, aber auch Bibliotheken und Verwaltungsräume. Der älteste Gebäudeteil der dreigeschossigen Hofanlage stammt aus dem 13. Jahrhundert.

„Der Pfarrhof St. Sebald ist ein herausragendes Denkmal, das zum nationalen Erbe zählt. Hier fanden Begegnungen vieler weltlicher und kirchlicher Würdenträger statt, die Kirchen- und Stadtgeschichte geschrieben haben“, erklärt Johannes Fritsch vom Nürnberger Architektenbüro Fritsch Knodt Klug + Partner mbB. Das Büro ist auf Baudenkmäler spezialisiert und war auch für die Sanierung und den Umbau des Kornhauses der Nürnberger Kaiserburg verantwortlich. Zudem betreute es unter anderem auch die Sanierung von St. Lorenz, der anderen großen Nürnberger Stadtkirche, dann St. Sebald und seit 2013 den Sebalder Pfarrhof.

Repräsentativ Ausstattung

Die reichen Patrizierfamilien finanzierten nicht nur den Bau der Kirche, sondern förderten auch den Pfarrhof mit bedeutenden Stiftungen. Davon zeugt die reiche, repräsentative Ausstattung des Gebäudes. Äußerst hochwertig und auch außergewöhnlich sind zum Beispiel die zu einem Großteil noch original erhaltenen Terrazzo-Böden aus 8 cm dickem Ziegelsplit-Estrich, die man eher in einem venezianischen Palais vermuten würde. Für die Herstellung des Estrichs wurde Kalkmörtel mit Ziegelmehl gemischt und aufgebracht. Nach der Trocknung wurden die Böden in einem auch nach heutigen Maßstäben besonders aufwendigen Verfahren geschliffen und mit einem Öl, dem Farbpigmente beigemischt waren, glänzend poliert. „Dieser Boden ist einzigartig. Einen solchen Boden gibt es heute vielleicht noch in zehn Gebäuden“, sagt Johannes Fritsch.

Erste Untersuchungen über den Zustand des Gebäudes wurden 2013 angestellt. Seit 2015 erfolgt die Generalinstandsetzung des Sebalder Pfarrhofes der Evang.-Luth. Kirchen­gemeinde Nürnberg mit einem Budgetrahmen von 5,2 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist für Ende 2020 geplant. Danach soll der Hof der Gemeinde wieder als Pfarr- und Gemeindehaus dienen.

Tonnenschwere Punktlasten auf den Balkendecken

Ursprünglich waren die Räume vorwiegend als große Säle mit weit spannenden Balkendecken angelegt. Es gab nur wenige Raumunterteilungen. Dies änderte sich im Laufe der Zeit. Nach und nach wurden Zwischenwände eingebaut und einfach auf die Decken gestellt. „Mit fatalen Folgen, die Balken verformten sich, es entstanden erhebliche Unebenheiten“, erklärt Fritsch. Dem wurde paradoxerweise vor rund 150 Jahren damit begegnet, Sand in die Decken zu füllen, um einen Ausgleich zu schaffen. Das Resultat: Die Balken bogen sich weiter durch, denn die Decken waren vergleichsweise schlank konstruiert. Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass teilweise Punktlasten von fünf bis sechs Tonnen auf die Deckenbalken wirkten. Vorbereitend auf die Sanierung mussten zunächst etwa 130 Tonnen Sand ausgetragen werden.

Die besondere Herausforderung des Sanierungsprojektes bestand darin, zum einen die historischen Deckenkonstruktionen mit dem wertvollen Ziegelsplit-Estrich zu erhalten. Darüber hinaus musste zugleich eine Lösung für die starken Verformungen gefunden werden, damit der Pfarrhof künftig wieder schadensfrei von der Gemeinde genutzt werden kann.

In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde, der Bauabteilung der Kirchengemeinde und den planenden Architekten entstand das Konzept, auf die bestehende historische Konstruktion einen ergänzenden Fußbodenaufbau aufzubringen. Der Ziegelsplit-Estrich konnte so erhalten und geschützt und auch jederzeit schadenfrei wieder freigelegt werden. Das Konzept gab dann auch die Anforderungen vor: „Wir brauchen bauphysikalisch unbedenkliche Materialien, die weder chemisch noch physikalisch die historische Bausubstanz schädigen“, erläutert Fritsch. „Nach vorhergehenden Prüfungen und auch nach den von Cemwood eigens durchgeführten Messungen zum Kompressionsverhalten haben wir uns deshalb für die trockenen Ausgleichsschüttungen aus mineralisierten Holzspänen entschieden.“

Als zentrale Komponente des neuen Fußbodenaufbaus erfüllt die Ausgleichsschüttung „CW2000 von Cemwood“ die anspruchsvollen Kriterien: Sie bietet einen guten Lastabtrag, verdichtet nicht nach und verändert ihre Lage unter Last nicht. Dabei ist sie leicht und verbessert den Trittschallschutz. Auch der Denkmalschutz hat keine Einwände: Die Ausgleichsschüttung wird trocken eingebracht. Sie liegt lose auf und ist vollständig reversibel.

Zwei Schichten Trockenschüttung

Der Aufbau im Detail: Auf die bestehende Fußbodenkonstruktion wird zunächst ein diffusionsoffenes Rieselschutzvlies (PP) verlegt. Als Ausgleich der Unebenheiten wird darauf eine erste Schicht der Cemwood Trockenschüttung mit einer Maximalhöhe von 200 mm (in Ausnahmen auch bis 300 mm) eingebracht, die den Bestand mindestens 20 mm überdeckt. Darüber folgt eine OSB-Platte (25mm) als Trennung der als F30 nachgewiesenen Bestandskonstruktion zu den neuen Bodenaufbauten. Darauf kommt eine zweite Schicht Cemwood Trockenschüttung (60 mm). Sie nimmt alle Installationsleitungen auf, die in Dämmhülsen verlegt werden. Als Abdeckung und zugleich auch als Trittschall­dämmung dient dann eine Holzfaserdämmplatte (30 mm). Den Abschluss bildet eine 25 mm dicke OSB-Platte, auf die geölte 3-S-Massivholzdielen verlegt werden, fixiert mit einer 2 mm Schicht 1K-PU-Kleber.

Innere Werte

„Die Cemwood Schüttung ist für dieses Projekt optimal geeignet und sie lässt sich zudem gut verarbeiten“; erklärt Stefan Janker, Geschäftsführer der mit den Arbeiten beauftragen Janker Dachdeckerei und Zimmerei GmbH. Ihn überzeugen die ökologischen Eigenschaften der Schüttungen und zugleich auch die bauphysikalischen Werte wie zum Beispiel beim Brand- und Trittschallschutz. „Außerdem ist das Setzungsverhalten ausgezeichnet. Einmal ausgebracht, bleibt das Material stehen, es senkt sich nicht.“ Für das St. Sebald Projekt hat Janker die Cemwood Schüttungen zum ersten Mal verarbeitet. Jetzt ist er von dem Material überzeugt und hat es bereits in weiteren Objekten eingesetzt.

Bei der Verarbeitung setzte er auf das Nivelliergerät Granubot von QsQ. Das Gerät ist mit einem Rotationslaser ausgestattet, der das Gerät zu Beginn der Arbeiten automatisch ausrichtet. Daraufhin lässt sich die Ausgleichsschüttung kontinuierlich in der gleichen gewünschten Höhe abziehen. „Das Gerät spart Zeit. Dadurch konnten wir zu einem besseren Preis anbieten. Es lässt sich gut durch zwei Mitarbeiter bedienen: Der eine schüttet, der andere zieht ab“, so Janker. „Ob größere Flächen oder kleine Räume: Mit dem Nivelliergerät haben wir die Schüttungen zügig ausbringen können.“

„Die Entscheidung, die Trockenschüttung von Cemwood für die Sanierung der Böden einzusetzen, war richtig,“ resümiert Johannes Fritsch. „Alle Erwartungen an das Material haben sich erfüllt. So haben wir bereits während der Bauphase festgestellt, dass sich der Trittschallschutz merklich gebessert hat.“ Das soll nach Abschluss der Arbeiten dann durch Schallmessungen noch einmal verifiziert werden.

Autor

Franz Bender ist Leiter Marketing bei der Cemwood GmbH in Magdeburg.

Baubeteiligte (Auswahl)

 

Planung Fritsch Knodt Klug + Partner Architekten mbB, Nürnberg, www.fritsch-knodt-klug.de 

Ausführung Janker Dachdeckerei und Zimmerei GmbH, Röthenbach, https://janker-dach.de 

Trockenschüttung Cemwood, Magdeburg, www.cemwood.de

Niveliergerät Granubot, Erkelenz, https://www.granubot.de

Vorbereitend auf die Sanierung mussten zunächst etwa 130 Tonnen Sand aus den Balkendecken ausgetragen werden
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