Gotisches Kleinod gerettet

Vor 25 Jahren wurde in Bonn die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gegründet. Das private Unternehmen hat mehr als 190 000 Förderer und konnte bisher die Arbeit an 3600 Denkmälern mit rund 430 Millionen Euro unterstützen. Dazu gehört die Veitskapelle in Stuttgart-Mühlhausen, die als älteste Kirche der Stadt gilt. Die zwischen 1400 und 1440 geschaffenen Wand- und Gewölbemalereien im Innenraum machen den Bau zu einem der bedeutendsten Kleinode gotischer Baukunst in der Region.

Im Zweiten Weltkrieg blieb die Veitskapelle unversehrt und auch danach schienen keine Sanierungsarbeiten notwendig zu sein. Lange blieb unbemerkt, dass das durchfeuchtete Dachtragwerk Insekten, Pilzen und Fäulnis einen idealen Nährboden bot. Weil zudem die Mauerkrone die Mauern nach außen drückte, bildeten sich insbesondere im Chor und an den gotischen Fensterscheiteln Risse im Mauerwerk. Schäden waren schließlich auch an den Natursteinen im Chor und an den Putzflächen festzustellen. Der vollgesogene, nasse Naturstein gab seine Feuchtigkeit an den Innenraum ab und schädigte schließlich die wertvollen Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Die Sanierung von Dach, Mauerwerk und Außenputz wurde unter Beteiligung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz durchgeführt, die für das Langhausdach bisher 85 000 Euro zur Verfügung stellte. Für das laufende Jahr ist die Konservierung und Restaurierung der Wand- und Gewölbemalereien vorgesehen. Zur Sicherung der Malereien müssen lose Mörtelpartien hinterspritzt und sich ablösende Malschichten gefestigt werden. Außerdem sind schadensträchtige Überzüge und Verschmutzungen zu entfernen. 

Die an sich gut erhaltenen Fresken vermitteln einen anschaulichen Eindruck von der Farbigkeit mittelalterlicher Kirchen, und die Bildhintergründe der Wandmalereien gehören zu den ältesten Perspektivdarstellungen nördlich der Alpen. Besonders erwähnenswert sind die zeitgleich angefertigten zwölf Wandfelder mit der Legende des Kirchenpatrons im durch hohe Fenster belichteten Chorinnenraum.

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