Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in Deutschland stehen rund drei Prozent aller Gebäude unter Denkmalschutz. Das bedeutet aber lange noch nicht, dass diese damit auch für die Zukunft gesichert sind. Der Gedanke des Denkmalschutzes hat hierzulande nämlich einen immer schwereren Stand. Häufig müssen Baudenkmale wirtschaftlichen Interessen weichen. Zudem ist vielen Bürgern der Denkmalwert einer Industrieanlage oder eines Hauses beispielsweise aus den 1950er Jahren gar nicht bewusst. Ist eine neue und vielleicht sogar auch noch öffentliche Nutzung in ein solches Gebäude eingezogen, sieht es mit der Wertschätzung der Bürger gegenüber diesem Denkmal meist schon viel besser aus.

Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit wird der Denkmalschutz jedoch beispielsweise in Schleswig-Holstein quasi abgeschafft. Dort soll nämlich auf Druck der FDP das Denkmalschutzgesetz einseitig zugunsten privater Interessen geändert werden. Laut Gesetzentwurf werden dann wirtschaftliche Interessen gewinnorientierter Denkmaleigentümer den Umfang und die Art der das Denkmal erhaltenden Arbeiten bestimmen. Damit tritt das öffentliche Interesse am Baudenkmal als zeitgeschichtliches Dokument deutlich in den Hintergrund. Kann so etwas womöglich ein Vorbild für andere Bundesländer sein? Sie finden, das sei Schwarzseherei? Sicher gibt es Denkmaleigentümer, die das Authentische geschichtlicher Bausubstanz zu schätzen wissen. Das trifft jedoch beileibe nicht auf alle Denkmaleigentümer zu. Kommen wirtschaftliche Zwänge hinzu, kann dies bei einer „gesetzlichen Vereinfachung“ im Umgang mit dem Baudenkmal zu erheblichen Substanzverlusten führen.

Sicher bedürfen auch Baudenkmale bei zeitgemäßer Nutzung einer energetischen Sanierung. Denkmalschützer klagen jedoch ganz zu Recht über einen Dämmwahn, der auch vor historisch wertvoller Bausubstanz nicht Halt macht. Dabei spricht sich das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz in einem Positionspapier explizit für die energetische Sanierung aus, fordert allerdings eine gesonderte Betrachtungsweise für denkmalgeschützte Gebäude. Sonst kann es selbst in einer von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Stadt wie Wismar zu einem solchen Ergebnis führen, wie es der Bauherr Thomas Reinicke dort in der Straße Frische Grube vorfand: Die Gesimse und die von Sprossen geteilten Holzfenster des Hauses waren längst nicht mehr vorhanden und auch von den kleinen Fenstern im Drempel unter dem Dach, die laut alter Fotografien dort eingebaut gewesen sein mussten, war nichts mehr zu sehen. Sie waren unter einem WDVS aus Polystyrol verschwunden. Wie ab Seite 12 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zu sehen, war es das Ziel dieses Bauherrn, durch eine handwerkliche Rekonstruktion den ursprünglichen Charakter der Hause wieder herzustellen. Dabei legte Thomas Reinicke ausgesprochen viel Wert auf Handwerkstechniken aus der Erbauungszeit und auf die besondere Optik handwerklich gefertigter Oberflächen. Man kann sich ganz im Sinne des Handwerks nur immer mehr solcher Bauherren wünschen.

 

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Der Gedanke des Denkmalschutzes hat hierzulande einen immer schwereren Stand

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