Gewerkeübergreifend denken
Wenn das Gerüst ohnehin steht: Betonsanierung als UmsatzhebelHandwerksbetriebe, die im Rahmen einer Fassadensanierung oder Bestandsaufnahme beim Kunden vor Ort sind, sollten immer auch einen Blick auf die Balkone werfen. Was auf den ersten Blick nach einem Auftrag für angrenzende Gewerke aussieht, liegt handwerklich näher, als viele Firmen vermuten.
Gerüstbau ist aufwändig und kostspielig. Umso mehr lohnt es sich, die Zeit, in der ein Gebäude vollständig zugänglich ist, konsequent zu nutzen. Denn sobald das Gerüst steht, sind nicht nur die Fassadenflächen erreichbar, sondern auch Balkone, Balkonbrüstungen und Attiken.
Genau hier liegt eine praktische Logik, die wirtschaftlich wie handwerklich überzeugt: Wer ohnehin vor Ort ist, kann angrenzende Schäden aufnehmen, dokumentieren und, sofern Kompetenz, Qualifikation und Auftrag vorhanden sind, gleich beheben. Für Maler-, Stuckateur- und Bautenschutzbetriebe bietet die Kombination aus Fassaden- und Betonsanierung einen besonders naheliegenden Einstieg. Die Untergrundbeurteilung, der Umgang mit Beschichtungssystemen und die Applikation von Schutzanstrichen gehören zum handwerklichen Alltag dieser Betriebe und sind gleichzeitig zentrale Bestandteile einer fachgerechten Betonsanierung. Wer Schäden frühzeitig anspricht, erschließt sich ein Zusatzgeschäft mit klarer Nachfrage und stärkt gleichzeitig die Kundenbindung.
Warum Beton altert – und wann es kritisch wird
Im Grunde ist der Bewehrungsstahl aufgrund der chemischen Eigenschaften des umgebenden Betons hervorragend gegen Korrosion geschützt. Das hochalkalische Milieu des Betons (pH-Wert >12) schützt den Bewehrungsstahl vor dem Durchrosten. Durch äußere Einflüsse wie Wasserbelastung und Kohlendioxid aus der Luft wird die Alkalität jedoch im Laufe der Zeit gesenkt. Sobald der natürliche Korrosionsschutz durch diese Carbonatisierung verloren geht, beginnt der Stahl zu rosten und drückt so im Laufe der Zeit die überdeckende Betonschale ab. Starke Frost-/Tauwechsel, saurer Regen sowie Abrieb und Verschleiß greifen den Beton zusätzlich an. Das Ergebnis sind die typischen Abplatzungen und Risse, die an Balkonen und Brüstungen regelmäßig zu beobachten sind.
Besonders Gebäude, die bis weit in die 1970er Jahre errichtet wurden, sind häufig betroffen: Zu geringe Betonüberdeckung, Überwässerung des Frischbetons und unzureichende oder fehlerhafte Verdichtung waren damals verbreitete Ausführungsmängel, die die Korrosion begünstigen und heute zu einem erhöhten Sanierungsbedarf führen. Kleinere Schäden sollten dabei nicht auf die lange Bank geschoben werden: Was zunächst als kosmetisches Problem erscheint, kann sich ohne Eingriff zu einem konstruktiven Schaden entwickeln, der deutlich aufwendigere Arbeiten erfordert.
Normgerecht sanieren: Was Betriebe wissen sollten
Bevor mit der Instandsetzung begonnen werden kann, ist eine genaue Schadensermittlung erforderlich. Dazu gehören die Messung der Betonüberdeckung, die Bestimmung der Carbonatisierungstiefe sowie die Prüfung der Salzkonzentration, der Untergrundfestigkeit und des Zustands des Bewehrungsstahls. Aus diesen Untersuchungen leitet sich das Sanierungskonzept ab.
Orientierung für Anforderung, Planung und Ausführung bieten die EN 1504, die die Instandsetzung von Betonbauteilen europaweit regelt, sowie die Anwendungshilfe zur Technischen Regel Instandhaltung von Betonbauwerken des DIBT (TR IH). Für Handwerksbetriebe, die neu in die Betonsanierung einsteigen, ist es essenziell, sich mit diesen Regelwerken vertraut zu machen und zudem die erforderliche Qualifikation (SIVV-Schein) für die Ausführung der Betoninstandsetzungsarbeiten zu erlangen.
Betonsanierung mit System: „weber.rep duo“
Bei der klassischen Betoninstandsetzung müssen in der Regel vier Arbeitsschritte mit vier unterschiedlichen Produkten ausgeführt werden: Korrosionsschutz, Haftbrücke, Reprofilierungsmörtel und Feinspachtel. Dieser Aufwand schreckt manche Betriebe ab. Mit dem Betonersatzsystem „weber.rep duo“ dagegen lässt sich eine vollständige, normgerechte Betonsanierung mit nur zwei Produkten durchführen. Das kunststoffmodifizierte, zementgebundene System entspricht der höchsten Anforderungsklasse der EN 1504-3 – Klasse R4 – und verfügt über einen Prüfnachweis gemäß TR IH. Somit eignet sich das System auch für statisch relevante Bauteile im Innen- wie im Außenbereich. Das erste Produkt, „weber.rep KB duo“, vereint Korrosionsschutz und Haftbrücke in einem. Das zweite, „weber.rep R4 duo“, kombiniert Reparaturmörtel und Feinspachtel. Das System reduziert die Zahl der benötigten Produkte somit von vier auf zwei, was sich sowohl in der Baustellenlogistik als auch in der Lagerhaltung positiv bemerkbar macht.
Schritt für Schritt: Balkonsanierung in der Praxis
Ein typischer Sanierungsablauf am Balkon mit geschädigter Betondeckung gliedert sich in wenige, klar aufeinanderfolgende Schritte. Zunächst wird der Untergrund vorbereitet und tragfähig hergerichtet, lose und geschädigte Betonteile werden durch Abstemmen beziehungsweise Strahlen entfernt und die korrodierten Bewehrungsstähle rundherum freigelegt und gereinigt. Anschließend werden zwei Lagen „weber.rep KB duo“ als Korrosionsanstrich auf den Bewehrungsstahl aufgebracht. Nach dem mattfeuchten Vornässen der vorbereiteten, tragfähigen Ausbruchstelle wird dasselbe Produkt vollflächig als Haftbrücke eingesetzt. Frisch in frisch wird danach „weber.rep R4 duo“ einlagig bis zu einer Schichtdicke 50 mm als Reprofilierungsmörtel aufgebracht. Mit einem Größtkorn von lediglich 0,5 mm ermöglicht das Produkt anschließend auch eine Feinspachtelung der Betonoberfläche, die abschließend gefilzt wird.
Oberflächenschutz als sinnvolle Ergänzung
Da Betonflächen auf Balkonen dauerhaft starken Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, empfiehlt sich nach der Reprofilierung das Aufbringen eines carbonatisierungshemmenden Oberflächenschutzes. Die Beschichtungen verhindern das erneute Eindringen von Feuchtigkeit, Kohlendioxid und Salzen und schützen Beton und Bewehrung langfristig vor weiteren Schäden. Dieser Schritt ist für Fachbetriebe leicht ausführbar, da sich die Applikation entsprechender Beschichtungssysteme in Technik und Handhabung doch kaum von ihrer täglichen Arbeit unterscheidet.
Für Balkone und andere stark bewitterte Bauteile empfehlen sich einkomponentige Beschichtungen auf Acrylatdispersionsbasis wie beispielsweise „weber.tec 772“. Das wasserabweisende und diffusionsoffene Oberflächenschutzsystem ist in Kombination mit dem „weber.rep R4 duo“-Feinspachtel als leicht rissüberbrückende Beschichtung (OS-5a-System) für stark bewitterte Flächen geeignet, wirkt einer weiteren Carbonatisierung der Betonoberfläche sicher entgegen und ist als dauerhafter Anstrich auf mineralischen Untergründen einsetzbar.
Fazit
Die Betonsanierung schließt direkt an das an, was Maler-, Stuckateur- und Bautenschutzbetriebe ohnehin täglich leisten: Oberflächen beurteilen, vorbereiten und schützen. Der Einstieg gelingt am besten bei klar definierten Schadensbildern und einem überschaubaren Systemaufwand. Mit normierten Arbeitsweisen und aufeinander abgestimmten Produktsystemen wie „weber.rep duo“ lassen sich auch Betonsanierungsaufgaben strukturiert und wirtschaftlich umsetzen.
Autor
David Böcker ist Leiter Produktmarketing bei der Saint-Gobain Weber GmbH in Düsseldorf.
