Kalk-, Lehm- und Silikatfarben haben eine natürliche Basis

Farbe war von jeher ein kostbares Gut. Trotzdem wurde sie bereits in der Antike weitaus opulenter eingesetzt, als man es sich heute vorzustellen vermag. Die Tempel waren mit farbigen Ornamenten und Wandmalereien geschmückt und selbst die heute in den Museen ausgebleicht wirkenden Skulpturen waren einst lebensecht bemalt. Die Herstellung der Farben war äußerst aufwendig: Für Rot- und Gelbtöne verwendete man Erden, für Blautöne die Waidpflanze und für Purpurtöne sogar Schnecken. Zudem war die Anwendung der Farben von den örtlich verfügbaren Rohstoffen zu ihrer Herstellung abhängig, weshalb man auch von „Lokalkolorit“ spricht.

Dies änderte sich im 19. Jahrhundert grundlegend mit der Herstellung von Farben aus Steinkohleteer, die heute als Ursprung der synthetischen Chemie angesehen werden kann. Damals stellte man Anilinfarben in Deutschland als eines der ersten Produkte großtechnisch her. Vor allem der Skandal um giftige Zusätze in Holzschutzmitteln bereitete der Euphorie für Anstrichstoffe mit synthetische Inhaltsstoffen ein Ende und bot Chancen für die produktionstechnische Rückbesinnung auf Farben aus der Natur. So begann Dr. Hermann Fischer, heute Vorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland e.V., schon vor über 30 Jahren damit, Farben (wieder) aus pflanzlichen Rohstoffen herzustellen. Ihn und sein Unternehmen Auro stellen wir ab Seite 9 in dieser Ausgabe der bauhandwerk vor.

Aber nicht nur aus Pflanzen lassen sich (wieder) Farben aus der Natur gewinnen. Auch Kalk-, Lehm- und Silikatfarben haben eine natürliche und in diesem Fall mineralische Basis. Zur aufgetragenen Naturfarbe kommt die Farbigkeit des Materials selbst hinzu. Naturstein und Holz besitzen eine natürliche Farbigkeit, die bei letzterem nichts desto trotz häufig auch farbig beschichtet oder lasiert wird. Geht eine solche Farbigkeit im Laufe der Zeit verloren, so lässt sie sich mit entsprechenden Pflegemitteln handwerklich (wieder) auffrischen. Wie das geht, zeigen wir ab Seite 52.

Naturstein wird dagegen in der Regel nicht farbig beschichtet. Allerdings wird er mit Farben und Putzen spätestens seit dem Barock kunstvoll nachgemacht. Wie man Marmor mit Traufel, Wurzelbürste und Schwamm imitieren kann, lesen Sie auf Seite 42 in diesem Heft.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Nicht nur aus Pflanzen lassen sich (wieder) Farben aus der Natur gewinnen. Auch Kalk-, Lehm- und Silikatfarben haben eine natürliche Basis.

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