Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Fachwerk zählt zu den ältesten Bauweisen. Im Gegensatz zum Mauern Stein auf Stein war die Aufteilung einer Wand in ein tragendes Holzskelett mit einer Füllung der Gefache dazwischen ein historischer „Innovationssprung“.

Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland noch rund zwei Millionen Fachwerkhäuser. Diese Zahl dürfte allerdings zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch weitaus höher gewesen sein, denn viele Fachwerkbauten sind mangels Pflege und nicht zuletzt aufgrund fehlerhafter Sanierungen nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Oder sie wurden einfach abgerissen, weil sie nicht mehr dem Zeitgeist entsprachen. So geschehen in Gütersloh. Die Reste der einst reichen Fachwerkbebauung der Stadt versammeln sich heute „Am Alten Kirchplatz“ um die Apostelkirche herum. Doch können Fachwerkbauten bei guter Pflege Jahrhunderte überdauern, wie Beispiele in Limburg und Quedlinburg beweisen, die bis auf das 13. Jahrhundert zurückgehen.

Zum Hof Haus Kump in Münster, der seit 1247 unter diesem Namen überliefert ist, gehört auch ein zweigeschossiger Fachwerkspeicher. Vom ursprünglichen Speicher waren zu Beginn der Restaurierungsarbeiten vor allem das Sockelgeschoss und die Eichenfachwerkkonstruktion erhalten geblieben. An letzterer zeigten sich aufgrund unzureichender Wasserführung und wegen der Verwendung dauerelastischer Stoffe Fäulnis- und Insektenschäden. Wie die Restaurierung von Fachwerk, Holzbalkendecken und Dachkonstruktion unter Verwendung von historischem Eichenholz und abgelagertem, neuen Eichenholz in historischen Zimmermannstechniken erfolgte, ist ab Seite 26 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zu sehen.

Neben einem historischen Torbau stand im vogtländischen Adorf ein Fachwerkgebäude seit Jahren leer. Zwischen beiden Gebäuden befand sich eine Brache, die heute von einer Hyparschale aus Sichtbeton gefüllt wird. In diesem Neubau sowie im Tor- und Fachwerkbau befindet sich heute das Perlmutter-Erlebnismuseum. Dies erklärt auch die Kombination aus Fachwerk und Sichtbetonschale, die sich wie eine riesige Muschelschale über die tragende Konstruktion „stülpt“. Wie die Handwerkerinnen und Handwerker den Bestand sanierten und den Sichtbeton schalten, lesen Sie ab Seite 12 in diesem Heft.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

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