Sockelabdichtung gegen Bodenfeuchte

Den Gebäudesockel gegen Spritzwasser und Bodenfeuchte abdichten

Der Gebäudesockel ist ein sensibles Bauteil und steht in unserer vierteiligen Serie im Mittelpunkt. In Teil 1 zeigen wir auf, wie er gegen Spritzwasser und Bodenfeuchte geschützt werden kann. Wir beleuchten Materialauswahl, Verarbeitung und Risiken.

Der Gebäudesockel sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Er erfordert insbesondere im Hinblick auf die Einwirkung von Wasser eine detaillierte Planung und fachgerechte Ausführung aller Bauteilschichten und Details. Wir zeigen auf, welche Anforderungen an das Sockelbauteil gestellt werden, was hinsichtlich Materialauswahl und Verarbeitung zu beachten ist und wie grundlegende Risiken konstruktiv vermieden werden können.

Die Abdichtung von erdberührten Bauteilen ist in der DIN 18 533 geregelt. Im Teil 18 533-1 finden sich dazu die entsprechenden Anforderungen an Abdichtungen, Untergründe, Übergänge sowie An- und Abschlüsse wie auch an den Schutz der Abdichtung. Die Teile DIN 18 533-2 „Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen“ und DIN 18 533-3 „Abdichtung mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen“ befassen sich jeweils mit der Ausführung der verschiedenen Abdichtungsarten – bahnenförmig oder flüssig aufzutragen – entsprechend ihrer Anwendungsbereiche und den Einwirkungen auf das abzudichtende Bauteil.

Wassereinwirkungsklasse W4-E: Was ist das eigentlich?

Der Gebäudesockel wird der „Wassereinwirkungsklasse W4-E“ zugeordnet. Die Abdichtung reicht dabei planmäßig von mindestens 20 cm unter bis 30 cm über die Geländeoberfläche. Nach unten hin kann sie in die Abdichtung der Kellerwand übergehen, sollte dann aber idealerweise mit dem gleichen Abdichtungsstoff ausgeführt werden.

Die Wassereinwirkungsklasse W4-E „Spritzwasser und Bodenfeuchte an Wandsockeln sowie Kapillarwasser in und unter Wänden“ umfasst verschiedene Abdichtungsmaßnahmen. „Spritzwasser und Bodenfeuchte an Wandsockeln“ bezieht sich dabei auf  Feuchte, die auf die Außenwandfläche im Bereich der Geländeoberfläche einwirkt, während „Kapillarwasser in oder unter Wänden“ den Wandquerschnitt betrifft.

Spritzwasser und Bodenfeuchte an Wandsockeln

Bei unterkellerten Gebäuden übernimmt die Abdichtung der Kelleraußenwände die Funktion der Sockelabdichtung und wird dazu planmäßig bis 30 cm über die Geländeoberfläche hochgeführt. Liegt diese Abdichtung hinter einem ausreichend wasserabweisenden Bauteil (Wärmdämmverbundsystem, vorgehängte Fassade usw.) reicht eine Anschlusshöhe von mindestens 15 cm aus. Im Falle des WDVS kommt dann aber eine Putzabdichtung von 30 cm über bis 20 cm unter die Geländeoberfläche zum Einsatz. Diese soll vermeiden, dass Spritzwasser oberhalb des Geländes oder Bodenfeuchte bei Bodenkontakt in den Putz eindringen kann.

Aus der Einwirkungsbeschreibung – Spritzwasser und Bodenfeuchte an Wandsockeln – geht hervor, dass ein Aufstauen von Wasser zu vermeiden ist. Es gelten also im Prinzip die gleichen Anforderungen an die Abdichtung wie bei der Wassereinwirkungklasse W1-E „Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser“.

Um sicherzustellen, dass ein Wasseranstau vermieden wird, sind geeignete Maßnahmen zu treffen. Zuerst gilt es, anfallendes Niederschlagswasser vom Gebäude wegzuführen und in ausreichender Entfernung versickern zu lassen beziehungsweise abzuleiten. Kiestraufen vor der Hauswand sind kritisch zu sehen. Grober Kies sieht zwar hübsch aus und kann Schmutzspritzer am Fassadensockel vermeiden. Er kann aber, insbesondere, wenn er zwischen Rasenkante und Hauswand eingepfercht ist, bei starkem Regen wie ein Trog volllaufen.

Das Versickern kann je nach Durchlässigkeit und Volumen des Untergrunds andauern. Niederschlagswasser staut dann auf und die Wassereinwirkungsklasse wäre W2.1-E „mäßige Einwirkung von drückendem Wasser“ zuzuordnen. Sie passt demzufolge nicht mehr zur Ausführung der Abdichtung nach W4-E. Dies kann schnell zu Feuchteschäden führen. Besser wäre es daher, zum Beispiel einen Plattenbelag bis an die Hauswand zu führen und dabei darauf zu achten, dass dessen Gefälle vom Gebäude wegweist. Dies sollte neben der Wahl und Ausführung der Abdichtung schon in der Planung festgelegt werden.

Welche Abdichtungen sind für diese Anwendung geeignet?

Eine Zuordnung der Abdichtungen zur Wassereinwirkungsklasse W4-E findet in DIN 18 533-1:2017-07, Tabelle 8 „Abdichtungsbauarten für Wandsockel sowie in und unter Wänden“ statt. Demnach können Bitumen- und Polymerbitumenbahnen nach DIN 18 533-2:2017-07, Tabelle 9, Kunststoff- oder Elastomerbahnen nach DIN 18 533-2:2017-07, Tabelle 17 beziehungsweise rissüberdeckende mineralische Dichtschlämmen (MDS), Flüssigkunststoffe (FLK) und polymermodifizierte Bitumendickbeschichtungen (PMBC) nach DIN 18 533-3:2017-07, Tabelle 1 verwendet werden. Dabei ist der Einsatz von PMBC als Querschnittsabdichtung im Mauerwerk explizit ausgeschlossen.

Es gibt also eine Vielfalt an möglichen Abdichtungsmaterialien, die am Wandsockel eingesetzt werden können. Jetzt heißt es, die für das betreffende Objekt passende Abdichtung auszuwählen. Am weitesten verbreitet für diese Anwendung sind kaltselbstklebende Bitumenbahnen (KSK), Bitumendickbeschichtungen (PMBC) sowie bitumenfreie Reaktivabdichtungen, die mutmaßlich in der aktuell in Überarbeitung befindlichen DIN 18 533 künftig beschrieben werden. Die Untergrundvorbereitung ist bei allen Abdichtungsbauarten gleich: Die abzudichtenden Flächen sollen eben, frei von Graten und Lunkern, sauber, trocken, frei von Trennmitteln, Staub und Frost sein. Kanten sollen gefast sein.

Welches Abdichtungsmaterial ist nun das richtige?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Dazu sind die verwendbaren Abdichtungssysteme zu unterschiedlich. Grundsätzlich sind alle genannten beziehungsweise in der DIN 18 533 aufgeführten Abdichtungsbauarten für die Anwendung geeignet. Die Unterscheidung findet dann anhand von persönlichen Präferenzen („Ich arbeite lieber mit Bahnen oder mit Beschichtungen“) oder, was wichtiger ist, Anforderungen am Objekt statt.

KSK-Bahnen, wie zum Beispiel „Delta-Thene“ von Dörken, können schnell und einfach verlegt werden, weisen eine definierte Schichtdicke auf und sind unmittelbar nach Fertigstellung der Abdichtung regenfest und wasserdicht. Detailanschlüsse, zum Beispiel an Türen, Fenstern und Durchdringungen wie Rohrleitungen, Kabel usw. sind relativ einfach und funktionssicher ausführbar. Es sind, außer beim Auftrag der Grundierung, keine Trocknungszeiten zu berücksichtigen.

Auch müssen die Schichtdicken nicht kontrolliert werden, da sie ja durch eine definierte Materialdicke vorgegeben sind. So können weitere Schichten wie die ­Sockeldämmung, ein Anfüllschutz oder eine Flächendränage unmittelbar im Anschluss ergänzt werden. Das spart gerade bei heutzutage straff getakteten Bauabläufen Zeit und Geld. Allerdings sind KSK-Bahnen nicht ohne Weiteres überputzbar. Ihr Einsatzgebiet liegt daher eher an Wandsockeln, an denen anschließend noch eine Sockeldämmung, ein WDVS oder eine vorgehängte Fassade geplant ist. Die Abdichtung wird somit hinter anderen Bauteilschichten geführt.

Flüssige Abdichtungen

PMBC und Reaktivabdichtungen werden flüssig und in der Regel in mindestens zwei Arbeitsgängen aufgetragen, je nach Material gespachtelt oder gespritzt und mit Armierungen versehen. Um die Wasserdichtheit sicherzustellen, geben die Hersteller eine aufzutragende Nassschichtdicke vor, die nach dem Abbinden der Beschichtung eine erforderliche Trocken­schichtdicke ergibt. Je nach Beschichtungsaufbau sind diese Abdichtungen auch bei Wassereinwirkungsklasse W2.1 „mäßige Beanspruchung durch drückendes Wasser“ geeignet. In diesem Falle müssen die einzuhaltenden Schichtdicken kontrolliert und dokumentiert werden.

Flüssig aufzutragende Abdichtungen müssen bis zur vollständigen Durchtrocknung vor schädigenden Witterungseinflüssen wie Schlagregen oder Frost geschützt werden. Erst danach, also wenn die Beschichtung vollständig abgebunden ist, können weitere Bauteilschichten ergänzt und der Arbeitsraum verfüllt werden.

PMBC und Reaktivabdichtungen können unter Verwendung von Haftbrücken oder mit speziellen faserverstärkten Sockelputzen überputzt werden und eignen sich daher besonders für die Sanierung von Wandsockeln im Bestand, aber natürlich auch im Neubau. Nach Fertigstellung des Sockelputzes ist gemäß „Richtlinie Fassadensockelputz/Außenanlage“ und DIN 18 533-1 abschließend eine mineralische Putzabdichtung aufzubringen, die mindestens 5 cm über die Geländeoberfläche hochzuführen ist.

In bauhandwerk 4.2026 wird es im zweiten Serien-Teil um die „Querschnittsabdichtung: Kapillarwasser in und unter Wänden“ gehen.

Autor

Arne Witzke ist Dachdeckermeister und Anwendungstechniker bei der Firma Dörken in Herdecke.

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